| |

Happy in Helsinki – oder was jeder von uns von den Finnen über das Glück lernen kann

Zum siebten Mal wurde Finnland zum glücklichsten Land der Welt gewählt. Und wir Deutschen stehen da und überlegen. Wie kann das sein? Ein Land so weit im Norden, dass die Winter dort lang und kalt und dunkel sind. Aber anscheinend machen die Finnen das absolut Beste daraus und egal, wie dunkel es im Winter ist, ihre Natur ist einfach grandios und die Sommer um so heller. Die Finnen haben riesige Wälder, das Meer und viele Seen.

Finnland hat den Luxus von freier Natur

Und, das darf man nicht vergessen, es leben in ganz Finnland gerade mal 5 Millionen Einwohner, kaum mehr als in Berlin allein. Und Platz zu haben, ist etwas, was definitiv zum Glück beiträgt.

Ich war im Juni für eine Woche in Helsinki, um etwas über das Glück in Finnland zu lernen. Alleine bei dem „Helsinki Happiness Hack“ dabei sein zu dürfen, war ein großes Glück, denn man musste sich auf Instagram oder TikTok mit einem Video bewerben, weit über 60.000 Menschen haben sich beworben – und 14 waren dabei. (Ich bin immer noch geflasht) Ich begegnete nicht nur einigen der wundervollsten Menschen, die ich je getroffen habe, ich tauschte mich aus mit finnischen Köchen, Künstlern, Musikern und Lebenskünstlern.

Lena, Helsinkis älteste Skaterin und mein Vorbild
Lena, Helsinkis älteste Skaterin und mein Vorbild!

Helsinki hat mich begeistert. Eine wundervolle Stadt mit wunderschöner Architektur, tollen Restaurants und Geschäften wie dem Muminstore oder dem finnischen Designklassiker Arabia. Dazu viele Strassencafes, Second Hand stores wechseln sich ab mit kleinen Parks, alles ist mit der Trambahn erreichbar. Was wir gesehen und erlebt haben, war eine Traumreise. Wusstet ihr, dass man Partyflösse mieten kann, mit kleinen Saunen? Und dann tanzen, feiern, saunen, Burger essen und schwimmen in der Ostsee? Genial!

Tischschmuck beim Helsinki day

Wir haben das Helsinki Stadtfest gefeiert, waren in tollen Lokalen, durften Teller designen und so viel mehr. Happiness pur.

Helsinki day
Helsinki Day

Was ich für mich gelernt habe

In dieser einen Woche habe ich eine ganze Menge gelernt. Über das Glück, über Finnland, und vor allem auch über mich selber. Ich bin definitiv als anderer Mensch zurückgekommen. Deswegen hat es auch so lange gedauert, bis ich mich diesem Thema nähern und konnte und wollte. Es mussten viele Weichen im Leben neu gestellt werden, manche haben sich auch selbst neu gestellt.

Beim Skateversuch
Beim Skateversuch

ich habe wieder gelernt, worauf es ankommt im Leben. Nämlich um Freunde, um Freundlichkeit. Um das Verteidigen der eigenen Werte. Wir haben hier alle eigentlich alles, um glücklich zu sein – und schätzen das zu wenig.

Wir vergleichen uns zu viel mit anderen.

Natürlich wird es immer jemanden geben, der reicher, schöner, beliebter oder sonst irgendwas ist. Es gibt so ein Sprichwort: „es reicht nicht, glücklich zu sein, es muss auch der Nachbar unglücklich sein“ da ist viel dran und wir sollten diese Denke möglichst schnell aufgeben. Neid bringt niemanden weiter im Leben.

Achtsamkeitsübung: Rückwärts gehen – in finnischen Wäldern

Ich bin wieder dankbarer für mein schönes Leben in einem schönen Bundesland voll wunderbarer Natur. Ich kann viel reisen und viel sehen von der Welt, mich mit anderen Menschen austauschen und andere Sichtweisen kennenlernen. Ich bin glücklich in meiner Beziehung, ich bin glücklich mit meinen Freunden. Und auch dunkle Zeiten wie gerade eben gehören dazu. Auch die bringen mir viel bei.

Aber eigentlich soll es gar nicht um mich gehen, sondern um Deutschland auf seiner Suche nach dem Glück…

Wo können wir Deutschen etwas von den Finnen lernen?

Und ja, es gibt viele Dinge, die die Finnen definitiv besser machen als wir. Wenn ich alleine an die tolle Bibliothek Oodi in Helsinki denke, die sich die Bewohner der Stadt selbst geschenkt haben. Das faszinierende moderne Bauwerk ist eine Begegnungsstätte für alle.

Das Treppenhaus der Oodi Bibliothek
Das Treppenhaus der oodi Bibliothek

Unten mit Cafés und einem Restaurant, im mittleren Stockwerk eine großzügige Bibliothek wie aus der Zukunft, in der kleine Roboterfahrzeuge die Bücher zu den Lesewilligen bringen. Alles ist hell und sauber und fröhlich, einfach wunderschön. „Bei uns in Berlin wäre das innerhalb von 5 Minuten kaputt gemacht und beschmiert worden“, meinte meine Freundin Anna resigniert.

Eine Bibliothek für alle

Vor allem das dritte Stockwerk hat mich begeistert, denn dort gibt es Räume, die jeder kostenlos mieten kann: für Meetings, für Feiern für Besprechungen. Und es gibt noch mehr: man kann sich Gitarren und andere Musikinstrumente ausleihen. Ein Tonstudio buchen, ein Fernsehstudio mit Equipment. Es gibt Nähkurse, Bastelstunden – Alles umsonst. Das ist ein großartiger Service. Die Finnen wissen das zu schätzen und behandeln das Equipment pfleglich.

Vielleicht habe ich dazu wenig Vertrauen in meine Mitbürger, aber ich glaube nicht, dass das bei uns nicht schnell alles geklaut würde oder absichtlich demoliert. Diese Bibliothek ist für mich ein Epitom dafür, was die Finnen richtig machen. Ein Gemeinschaftssinn, ein gemeinsames Gefühl, was richtig und falsch ist. Ein gemeinsamer Kompass und eine gemeinsame Vision, wie die Gesellschaft leben soll, das ist etwas, was uns abhandengekommen ist leider.

Ich habe auch in Helsinki die sozialen Gegensätze nicht so stark empfunden wie in Deutschland.

Finnland bietet sozialen Frieden

Das merke ich auch an Kleinigkeiten: Die beliebteste finnische Mode Marke heißt Marimekko, durchaus im hochpreisigen Segment, aber immer noch bezahlbar. Es gibt nicht so viele abgehobene Boutiquen, die sich kein Mensch mehr leisten kann. Äußerlich Reichtum zu demonstrieren, ist den Finnen nicht wichtig. Wichtig ist Ihnen, ihre Zeit sinnvoll zu verbringen, mit Freunden, der Familie oder auch allein in der Natur.

Ich werde in ein paar Artikeln versuchen, euch ein paar Aspekte der finnischen Lebensart näher zu bringen, wie zum Beispiel das finnische Essen und die finnische Sauna-Kultur. Aber das alles in einen Artikel zu packen, das wäre zuviel.

Besinnen auf das, was wichtig ist

Eigentlich bringt Deutschland alle Voraussetzungen mit, um glückliche Bewohner zu haben. Leider hat sich das in den letzten Jahren massiv verändert. Dafür gibt es viele Gründe, ich sehe zum Beispiel einen der wichtigsten Gründe darin, dass wir das Vertrauen verloren haben, dass unsere Regierung wirklich das Beste für uns will. Wir haben auch unseren gemeinsamen Kompass verloren, die gemeinsamen Werte und Grundsätze, auf denen eine Gesellschaft aufgebaut ist. Viele Menschen ziehen in ganz unterschiedliche Richtungen, und das erzeugt eben Spannungen und Stress.

Thomas aus der Karibik singt für uns – ein toller Moment

wir müssen deswegen wieder eine gemeinsame Basis finden. Leider agieren die Medien derzeit eher spaltend, statt uns zu einen.

Nicht die ganze Welt retten wollen

Vielleicht wäre es auch wieder wichtig, das Glück hierzulande zu realisieren und nicht zu versuchen, die gesamte Welt zu retten. Das schaffen wir nicht und das muss auch gar nicht sein. Wir können genauso wie die Finnen ein kleines, zufriedenes Land bleiben, vielleicht in einem kleineren Maßstab als jetzt, vielleicht keine Exportweltmeister mehr, aber auf das Wohl seiner Bürger bedacht.

Ähnliche Beiträge

Ein Kommentar

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.