König Charles III bittet zum Dinner: Zu Tisch bei den Royals
Es hat schon seinen Grund, warum im Märchen immer Prinzessinnen und Könige die Protagonisten sind. Sie machen jede Geschichte gleich ein ganzes Stück glamouröser und spannender. Auch bei Kochbüchern ist es nicht anders. Das Kochbuch „die klassische britische Küche“ hätte ich sicherlich nicht besprochen. Aber „zu Tisch bei den Royals„? Wow, das hat was, bei Königs wären wir alle gerne eingeladen. Da will man die Rezepte erfahren! Vor allem, wenn das Kochbuch von einem echten Insider stammt, nämlich von Tom Parker Bowles, seines Zeichens der Sohn der Königin Camilla – aber auch Journalist und Food-Autor. Das Buch ist wunderschön aufgemacht, mit toll fotografierten Rezepten von John Carey und liebevoll gezeichneten Illustrationen von Alice Patullo.

Pilzesuchen mit dem König
Das Buch ist voller Rezepte, die aus den Küchen von Königin Victoria bis zum jetzigen König stammen. Dabei hat er in alten Kochbüchern gestöbert, die Erzählungen früherer Hof-Köche einfließen lassen und die Memoiren des Küchenpersonals ganz genau gelesen. Die Küche von Charles und seiner Mutter Camilla kennt er natürlich selbst am besten. Wir könnten mit diesem Kochbuch deswegen sogar den Lunch von König Charles nach seiner Krönung nachkochen. (Pochierter Lachs mit Butterkartoffeln und Gemüse, sehr lecker) .
Baked potato mit pochiertem Ei
Aber Tom Parker Bowles hat nicht nur Rezepte gesammelt, er würzt das Buch mit vielen Anekdoten und erlaubt einem spannenden Blick hinter die Kulissen. Wieviel Königin Victoria gegessen hat (viel – vor allem viel Süßes) was bei der verstorbenen Königin auf den Tisch kam und welche früher beliebten Speisen heute ein NoGo sind. (Ich sag nur Schildkrötensuppe)

Jetzt weiß ich zum Beispiel, dass mein Freund und ich das gleiche Hobby haben wie König Charles und seine Camilla: exzessives Schwammerlsuchen. Und dabei immer versuchen, mehr zu finden als der andere. Gut, im Gegensatz zum König gehören uns die Wälder nicht. 

Wir erfahren auch, dass die verstorbene Königin es lieber einfach hielt beim Essen, im Gegensatz zu ihren Vorfahren, bei denen schon mal zwölf und mehr Gänge auf den Tisch kamen und diese Üppigkeit sogar bei Picknicks und auf einer beengten Yacht beibehalten werden musste.
Very British
Klar ist: serviert wird bei den Royals feine britische Küche. Und die ist doch sehr anders als die deutsche Küche – zum Beispiel gibt es vor dem Dessert einen speziellen Gang „Savouries“ genannte kleine Würzbissen wie Rührei mit Räucherfisch auf Toast oder Welsh Rarebit. Den Gang kennen wir hierzulande nicht.
Räucherfisch ist allgemein eine sehr beliebte Zutat in vielen royalen Gerichten, dazu eher ungewohnte Fleischsorten wie Hammel. Die von mir verhasste Mayonnaise wird sehr reichlich verwendet und es ist mir ein kleines bisschen rätselhaft, wie die sehr schlanken Royal Damen Englands ihre Figur halten.
Wir kennen auch Christmas Puddings nicht, genauso wenig wie das Einmachen von Krabben oder Pilzen in geklärter Butter. Auch die Mengen an Fisch zum Frühstück sind zumindest uns Bayern fremd. Es ist echt erstaunlich, wie unterschiedlich die Küchen Europas sind. Aber das macht unseren Kontinent ja auch so spannend.
Die Curryköche der Kaiserin
Was ich allerdings superfancy finde: Queen Victoria hatte als Kaiserin von Indien zwei eigene Curryköche, die für sie speziell Curries zubereiteten. Die Gewürze wurden dabei in Steinmörsern frisch gemahlen. Das hätte ich auch gerne, ich liebe Curries! 🥘

Das Essen ist einfacher als gedacht
Ob englisches Frühstück, alltägliche Abendessen, königliche Gartenpartys oder Staatsbankett – es überrascht auf den ersten Blick die Einfachheit vieler Gerichte, doch wie Tom Parker Bowles selbst sagt: „Beim Essen sind alle gleich. Ich möchte den Prunk und Pomp beiseite schieben und direkt zum Kern der Sache vordringen – eine Sammlung wunderbarer Rezepte aus über zwei Jahrhunderten königlichen Essens.“
Und weil diese Gerichte so einfach sind, können wir Normalos auch das eine oder andere nachkochen. 🍳 Zum Beispiel die Pilznudeln, Kartoffeln mit pochiertem Ei oder die königlichen Scones. (Siehe das Foto oben) Für die, die frühstücken wollen wie eine Königin: Camilla begnügt sich mit einem einfachen Porridge, allerdings mit einem Löffel Honig von den eigenen Bienen.
Wer noch mehr royale Rezepte möchte: es gibt auch ein tolles Backbuch der ehemaligen königlichen Hofbäckerin, die die Geheimnisse von Hochzeitstorten, Keksen und Teegebäck lüftet.

Zu Tisch bei den Royals ISBN 978-3-8310-4965-3
September 2024
Übersetzung: Birgit Avoort
240 Seiten, 198 x 267 mm, fester Einband (Mit Lesebändchen)
Mit farbigen Fotos und Illustrationen
29, 95 Euro
