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Ein Wochenende in Innsbruck – das dürft ihr nicht verpassen!

Schloss Ambras

An Innsbruck reisen die meisten vorbei, die aus Deutschland in den Süden wollen – warum das ein Fehler ist, möchte ich euch hier erklären. Einst war es eine äußerst wichtige Stadt, der Stammsitz der Habsburger, die dort mit wechselhaftem Erfolg und Reichtum residierten, wovon Namen wie „Sigismund der Münzreiche“ oder „Friedrich mit der leeren Tasche“ zeugen. Auch Kaiser Maximilian, der schillernde Habsburger, der durch glückliche Eheschließungen und noch glücklichere Todesfälle das Habsburger Weltreich begründete, in dem „die Sonne niemals unterging“, hat Innsbruck immer als seine Heimat gesehen. Von ihm zeugen das schlicht wirkende Stadtschloss, das er mit dem  Prunkerker „Goldenen Dachl“ aufmotzen ließ, sein Grabmal mit den lebensgroßen Bronzefiguren und viele andere Gebäude der Stadt. In dem Grab liegt er übrigens nicht, denn vor der Fertigstellung vertrieben ihn die Innsbrucker, die seiner ewigen Schuldenmacherei überdrüssig waren. Im Hotel schwarzer Adler, in dem ich übernachtet habe und das etwa 300 Meter vom Schloss entfernt liegt, waren seine Mätressen untergebracht.

Ich war bislang auch noch nicht oft in Innsbruck zu Gast, leider. Die Stadt ist wunderschön, im klassischen Stil der Innstädte errichtet, sie hat kulinarisch viel zu bieten und ist als Hauptstadt von Tirol eine bunte Studentenstadt und voller cooler Geschäfte. Innsbruck ist nicht so mondän und weltbekannt wie Salzburg, wo die Schönen und Reichen einkehren, sondern nach Innsbruck fahren mehr die Sportlichen und Lässigen, um die umliegenden Berge zu genießen, zum Wandern, zum Raften oder um viele andere Sportarten mehr auszuüben. Innsbruck hat mir definitiv viel Spaß gemacht – und ich möchte euch ein paar bekannte und weniger bekannte Orte vorstellen, die ihr nicht verpassen solltet.

Der Gang durch die Innenstadt lohnt. Schöne Fassaden, die teilweise noch aus dem Mittelalter stammen, wechseln sich ab mit Barockbauten und Gründerzeitvillen. Geschmiedete und vergoldetete Schilder verweisen auf Geschäfte, Erker überragen die Wege. Jeder Blick auf die Altstadt wird eingerahmt von einem beeindruckenden Alpenpanorama. Auf beiden Seiten der Stadt geht es steil bergauf. Die teuersten Wohnlagen sind oben an den Hängen der Stadt zu finden.

Nachhaltige Geschäfte in der Innenstadt

Nachhaltige Mode im Kaufhaus Tyrol

Innsbruck ist eine junge Stadt, durch die vielen Sportbegeisterten die hierherkommen, aber auch wegen der Universität. Da wundert es nicht, dass viele Läden einen Schwerpunkt auf nachhaltige Mode setzen, sogar in der Fußgängerzone habe ich weniger Kettenläden gesehen als sonst, das ist angenehm. Stattdessen zum Beispiel eine riesige nachhaltige Abteilung bei Kastner & Öhler im Kaufhaus Tyrol, die Marken wie Lanius oder Colorful Standard anbieten. Ich kauf mir gleich ein Shirt von Lanius und freu mich. Das Franzmagazine hat bereits eine wirklich gute Insiderliste zusammengestellt, viel besser, als ich das nach einem Besuch könnte. Lasst euch einfach treiben, die Fußgängerzone und ihre Nebenstraßen haben schon viel Feines zu bieten.

Der Burenwirt in Hötting

Auf der anderen Seite des Inns hat die Stadt auf einmal einen ganz anderen Charakter, sie wird klein und geradezu dörflich. Es lohnt sich unbedingt, dem Fluss zu überqueren. Ich muss gestehen, so einen krassen Kontrast habe ich noch in keiner anderen Stadt erlebt. Die kleine Straße durch den Ort geht steil nach oben. Wir wandern ganz schön lange an ihr entlang, denn wir haben ein bestimmtes Ziel: den Burenwirt im Stadtteil Hötting (Dorfgasse 9, 6020 Innsbruck, Österreich). Eigentlich wollten wir ein Lokal in der Innenstadt von Innsbruck ausprobieren, aber wir waren an Fronleichnam da und alle Restaurants, die uns interessiert hätten, wie die Wilderin oder der Schindler, hatten zu. Im Nachhinein bin ich froh, denn besser als der Burenwirt hätte es nicht werden können – in jeder Hinsicht. Ich hatte an dem Besuch so viel Spaß wie lange an keinem Lokalbesuch mehr. Zum einen war das Lokal authentisch, es saßen nur Einheimische da, unter anderem auch der Stammtisch, der sogar sein eigenes Craftbier braut. Das Essen und der Wein waren grandios, ich hatte ein Steirerschnitzel bestellt, paniert mit Kürbiskernen in den Semmelbröseln. Unbedingt zur Nachahmung empfohlen! Mein Freund hatte den Schweinsbraten – und er meinte, der gehöre in seine Bestenliste. Da er IMMER Schweinebraten in bayerischen oder österreichischen Lokalen bestellt, will das schon was heißen.

Und es spielte an diesem Abend eine lustige Zitherspielerin namens Sabine Gruber auf, die mich begeisterte. Ich liebe es, wenn irgendwo noch echte, handgemachte Musik zu hören ist. Sabine Grüber sang Zitherversionen von Kiss von Prince, aber auch alte Wiener Couplets wie „Tauben vergiften im Park“ eines meiner ewigen Lieblingslieder. Ein rundum gelungener Abend, wir gingen beschwingt nach hause und hatten den Eindruck, besser hätten wir es nicht treffen können.

Schloss Ambras – das erste Museum der Welt

Schloss Ambras
Schloss Ambras

Das kleine Sommerschloss vor den Toren Innsbrucks ist ein einziges Wunder. Durch die original erhaltene Parkanlage, durch die beeindruckende Pfauen stromern, wirkt es schon von außen wie eine Zeitreise. Ich erwartete unwillkürlich, dass jede Sekunde Leute in Halskrausen und goldbestickten Samtgewändern um die Ecke biegen. An diesem sonnigen Fronleichnahmstag war es wunderschön. Die Kräuter des Parks dufteten, es gab einen künstlich angelegten Schwimmteich, vermutlich der erste Swimmingpool der Welt. Von Ferne plätscherten die künstlich angelegten Wasserfälle des weiteren Parks. An einem schönen Tag kann man viel Zeit in den Gärten verbringen. Es wäre aber schade, denn in der oberen und unteren Burg ist viel zu entdecken. Denn das Schloss ist tatsächlich das erste Museum der Welt – Erzherzog Ferdinand von Österreich, der es erbauen ließ, was nämlich ein neugieriger und vielseitig interessierter Mann. Und er sammelte alles, was er damals so spannend und schön fand in seiner Wunderkammer und zeigte alles auch seinen Gästen. Ziel war, das Wissen der damaligen Zeit komplett auszustellen, de facto wurde es ein wildes und wundervolles Sammelsurium: ausgestopfte Haie (die irgendwie nicht mehr nach Hai aussehen), geschnitzte Korallen, chinesisches Geschirr, Glaskelche aus Böhmen, Samurai-Rüstungen, eine kleine, sehr kunstvolle „Tödlein“-Statuette und – nach heutiger Meinung ein Unding – Bilder von „besonderen“ Menschen. Da wird die Wunderkammer zum Panoptikum, Portraits von Hofzwergen und Hofriesen, von völlig behaarten Menschen oder auch das Portrait von Vlad von Transsylvanien, heute eher bekannt als Graf Dracula. Ja, genau der. Allein das ist schon einen Besuch wert. Dazu viele Habsburger-Portraits, die bei der Schönheit nicht laut hier geschrien haben, eine gigantische Glassammlung, aufziehbare Puppen-Automaten, Gefäße aus Straußeneiern, Elfenbein oder dem Horn eines Nashorns, Beute aus den Türkenkriegen….wirklich eine Wunderkammer!!!

 

Und es gibt einen Schnappstuhl, ein damals technisch weit fortgeschrittenes Trickmöbel, wie man es heute aus James Bond Filmen kennt. Der wurde von Erzherzog Ferdinand auf Partys mit seinen Freunden genutzt. Wer sich darauf niederließ, setzte einen Mechanismus in Gang, der ihn am Stuhl festklammerte. Erst, wenn der „Gefangene“ einen riesigen Humpen Wein geext hatte, wurde er wieder freigelassen. Erzherzog Ferdinand schätzte solche Spielereien, und seine Gäste fanden das bestimmt auch super- die Sitten waren rau früher. Ich hätte Tage in der Wunderkammer zubringen können. Das Schloss hat noch mehr zu bieten: eine Rüstkammer mit vielen alten Rüstungen, darunter die eines „Riesen“, der damals gigantische 2,60 Meter groß war – auch in unserer Zeit weit, weit über dem Durchschnitt. Wie der damals auf die kleineren Soldaten gewirkt haben muss, kann ich mir gut vorstellen. Erhalten ist auch ein fantastischer Renaissance-Saal. Ausgemalt mit der Ahnenreihe der Habsburger, einem Marmorboden und Holzdecke unendlich prunkvoll.

Wir haben den fußballfeldgroßen Saal für uns alleine und tanzen ein bisschen darin herum – was man eben so macht, wenn man allein in einem Prachtsaal steht. Eine Treppe höher liegen das Schlafzimmer und die Wellnessanlagen der Frau des Schlosserbauers Ferdinand, Philippine Welser. Die war – ein Skandal sondergleichen damals – bürgerlich. Aber so schön, dass der Standesunterschied keine Rolle mehr gespielt hat. Ein Raum beinhaltet ihre große Badewanne, in der man hockend saß, vor dem Fenster duftet der restaurierte Kräutergarten, dessen Blüten und Blätter sicherlich in der Wanne gelandet sind. An den Wänden der Zimmer Badeszenen, geheizt wurde mit einem prächtigen Kachelofen. So ein Bett und Bad mit warmem Wasser war ein unglaublicher Luxus. Ich denke darüber nach, dass das, was bei uns heute als „arm“ gilt, damals nur den höchsten Fürsten vorbehalten war und bin wieder sehr froh, in dieser Zeit geboren zu sein. Das Essen war damals aber übrigens viel besser als sein Ruf, Philippine Welser hat uns nämlich ein Kochbuch hinterlassen. Ich hab auch schon nach ihren Rezepten ein Menü genossen, in der nach ihr benannten Welser-Kuchl, die früher unter der Feldherrnhalle in München untergebracht war. Corona hat diesem Juwel den Garaus gemacht, leider.

Die Skischanze am Bergisel

Die Skisprungschanze am Berg Isel ist eins der Wahrzeichen von Innsbruck. Man sieht die Schanze, wenn man Richtung Brenner fährt, wie ein Schlangenkopf erhebt sie sich über den Waldrücken. Uns war klar – da wollen wir hin. Leider ist die Fahrt dorthin nicht ganz einfach, aber nach einigen Mal Verfahren haben wir es geschafft. Gleich nebendran ist eine Andreas Hofer Gedenkstätte und ein Kaiser Franz-Josef-Denkmal. Irgendwie alles nicht so super ausgeschildert. Aber es lohnt, den Weg zur Schanze zu suchen. Denn sie bietet einen gigantischen Blick über die Stadt und das Inntal. Für die Springer an der Schanze ist der Ausblick makaber. Am Fuß des Sprungbergs liegt nämlich direkt der Friedhof. Auf so eine Kombination können auch nur die Österreicher kommen. Für uns als Nichtspringer ist die Aussicht atemberaubend. Es ist zwar Frühsommer, aber wir haben Glück – Skispringer trainieren auf der Schanze und wir können einigen live bei ihren Sprüngen zusehen! Zuerst von den Zuschauerreihen aus, später auch von oben. Wir hätten auch gern die spezielle Schanzentorte, die die Form der Sprungschanze nachahmt, gegessen, aber das Café war übervoll am Feiertag.  Der Turm, von Stararchitektin Zaha Hadid geplant, das Restaurant Bergisel Sky und die Aussichtsterrasse sind mit zwei Kabinenbahnen in wenigen Minuten bequem erreichbar. Wenn ihr Glück habt, sehr ihr in der Gondel die Skispringer an euch vorüber fliegen. Auch für Events in Tirol bietet sich die Olympiaschanze von 1964, 1976 und 2012 als einzigartige Location an.

Fazit: Innsbruck ist eine wunderschöne Stadt. Wir werden wiederkommen, der erste Eindruck war natürlich nur oberflächlich. Über die Freizeitmöglichkeiten drumherum, auf den Bergen oder im Inntal müssen wir nicht reden, die sind berühmt – Raften auf Bergbächen, Canyoning, Skifahren, wandern…was immer das Herz begehrt. Und dazu ein paar Tage in der Stadt bleiben und deren Sehenswürdigkeiten erleben – ein fantastischer Kurztrip.