Gesellschaft Nachhaltigkeit

No more Fomo: Vom guten Gefühl, nichts zu verpassen

Abwarten und Tee trinken

Ich denke, es geht uns allen genauso: wir überlegen oft, während wir jetzt daheim sitzen, was wäre nicht alles los gewesen! Ich hätte eine Woche lang Urlaub gemacht an der Nord- und Ostsee, auch ein Flug nach Sizilien war geplant. Es wäre die Zeit der Press Days gewesen, die ich immer ganz besonders mag, weil es bei denen spannende, neue Ideen für den Blog zu entdecken gegeben hätte, und natürlich vor allem Treffen mit vielen lieben Menschen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Befreundete Blogger, alte Kolleginnen und Freundinnen aus der Medienbranche. Von hier mal einen lieben Gruß an euch alle!

Entschleunigung mit Mops Emma geht immerNo Fomo: Partyhoppen fällt flach, wenn es keine Parties gibt

Das fällt jetzt alles flach, genauso wie Partys, Shopöffnungen, die lange Nacht der Musik, Parties bei Freunden, Mode Events bei Bally oder Louis Vuitton, die Eröffnung der Mugler Ausstellung in der HypoKunsthalle….überall wäre ich gern dabei gewesen. München ist eine Stadt voller Restaurants, Geschäfte, Clubs – fast jeden Tag erzählt mir wer von spannenden Lokalen, die ich unbedingt ausprobieren muss, Bars, deren Cocktails einen Versuch wert sind…Manchmal hat mich das alles ganz schön gestresst. Das ist das Seltsame an der Corona-Krise. Ich bin ganz zufrieden in dem Wissen, nix zu verpassen. Weil einfach nix los ist. Der gute Mozart, auch ein bekannter Partyfan, schrieb mal in sein Tagebuch: „Heute nichts passiert. Auch schön.“ Und wisst ihr was? Es geht mir genauso. Es ist befreiend. Jetzt warte ich ab und trinke Tee. Wortwörtlich. Und es ist genug. Es gibt ja dieses Symptom, das neudeutsch Fomo heißt, „Fear of missing out“ – die Angst etwas zu verpassen. Diese Angst lässt einen rastlos werden, zum Partyhopper, weil es ja auf Party zwei oder drei viel aufregender werden könnte als auf Party eins. Das lässt einen ewig weiterswipen, denn der nächste Mann oder Frau auf Tinder könnte ja noch viel, viel toller sein als der oder die, die man schon im Visier hat. Und diese Angst der rastlosen Hipster ist jetzt weg. Niemand verpasst irgendwas Spaßiges. Ich bin mir vollkommen bewusst, dass das eine sehr privilegierte Sichtweise ist. Es gibt Menschen, die kämpfen gegen den wirtschaftlichen Zusammenbruch an, da leide ich mit. Es gibt Menschen im Gesundheitssystem und in der Pflege, die rödeln derzeit bis zur Erschöpfung. Denen bin ich dankbar und ich unterstütze sie, indem ich ihnen keine neuen Patienten produziere – ich bleibe daheim und bewege mich in einem Radius von 5 Kilometern – und halte Abstand.

Entschleunigung ist eine privilegierte Sicht

Ich weiß, dass es besser wäre, wir hätten alle Möglichkeiten. Aber es ist manchmal so stressig, alle Möglichkeiten zu haben. Da bin ich schlimm, andere Menschen sind schon weiter und pfeifen auf Aktionismus und ein Gefühl, dass permanent etwas los sein muss. Ein Exfreund, den ich anmoserte, wir sollten das schöne Sonnenwetter nutzen, anstatt dass er in der Bude sitzt und zockt, meinte achselzuckend: „Ich lass mir doch vom Wetter nicht vorschreiben, auf was ich Lust habe“. Da hat er bei mir einen wunden Punkt getroffen. Ich gehöre zu den Leuten, die in hektische Betriebsamkeit verfallen, die auch jetzt mit über 50 noch möglichst viel mitnehmen wollen von den Freuden, die das Leben zu bieten hat. Mir tut es – zumindest in diesem Punkt – gut, mal radikal an die Wand zu fahren und gezwungen zu sein, die Füße stillzuhalten. Einfach nichts tun können. Wer jetzt sagt: Jaha, doch, du musst die ganzen Podcasts durchhören, einen Fernkurs machen, Stricken, Masken nähen, kreative Filme auf TicToc produzieren, mehr schreiben – davon fühle ich mich wundersamerweise nicht angesteckt. Das kann ich sehr gut ignorieren. Einen Scheiss muss ich – und das ist das Positive an der ganzen Krise.