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Die märchenhaften Gärten von Meran

Biegt man von der Brennerautobahn nicht Richtung Verona oder Venedig ab, sondern schwenkt mit dem Auto von Bozen ins Etschtal, erreichen Reisende ein ganz besonderes Südtiroler Juwel: Meran. Der Schwenk mit dem Auto lohnt sehr, denn das kleine Städtchen ist wunderschön. Wie eine Kostbarkeit liegt es umgeben von hohen Bergen, die die kalten Nordwinde und Regenwolken abhalten und nur die warmen Südwinde aus Italien haben Zutritt. So hat der Ort ein wundervolles Mikroklima, in dem Palmen, Kakteen und Bougainvillea gedeihen und die Sonne an mehr Tagen scheint als irgendwo sonst in Südtirol. Der Ort ist klein, Besucher können die Entwicklungen gut nachvollziehen vom mittelalterlichen winzigen Herzogssitz zur reichen Kurmetropole, die Bebauungen sind sichtbar wie die Jahresringe von Bäumen. Der winzige, urmittelalterliche Kern oberhalb des Pfarrplatzes – unvorstellbar, dass durch diese schmalen Gassen mal der gesamte Verkehr Richtung Süden lief – zu den spätmittelalterlichen Laubengängen. Und dann schließt schon die Gründerzeit-Architektur mit Kurhaus, Hotelpalästen und Villen an…und weiter dann die moderne Bebauung.

Kurpromenade mit Gebrauchsanweisung

Tritt man durch das mittelalterliche Stadttor hinaus, steht man auf der Kurpromenade am Fluss. Im Mittelalter war die Passer eher ein Feind, der Wildfluss konnte sich bis zu Tsunamiartigen Wellen auftürmen und alles mitreißen. So wurde das Ufer erst für die Kurgäste „eingemeindet“ – und unfassbar schön bepflanzt.

An beiden Seiten des Flusses entstand ein Park – sogar mit Gebrauchsanweisung. Auf der Sommerpromenade läuft man im Blätterschatten und in der Kühle, auf der Winterpromenade kann man auch im tiefen Winter bei Sonnenschein draußen sitzen. Da es bei unserem Besuch weit über 30 Grad hat, gibt es nur eine Wahl für uns: die Sommerpromenade. Sie beginnt beim „Sissi-Park“, den eine Statue der berühmten Kaiserin ziert. Nicht ohne Grund:  Meran war mal das, was heute St.Tropez oder Saint Barth ist – ein ultramondäner Luxusreiseort für die Reichen und Schönen.

Mondäner Luftkurort Meran

Das war im 19. Jahrhundert und Trendsetterin war mal wieder Kaiserin Sissi, die genau wusste, wo es schön war und möglichst weit weg von Wien. Meran war damals Luftkurort, wichtig, um der schlechten Luft der industriellen Revolution zu entfliehen, dem Rauch und Dreck der Städte und der damals allgegenwärtigen Tuberkulose. In den 70ern wurde Meran dann ein Sehnsuchtsziel deutscher Urlauber, hier genoss man den Frühling und den Herbst. Auch ich erinnere mich noch gut an die Besuche von Tanten und Omas, die auf ihrem Weg nach Meran in Rosenheim bei der Familie Station gemacht haben.

Und jetzt sind wir hier. Warum auch weit in die Ferne schweifen? Wir wandern den Fluss hoch, vorbei an alten Grand Hotels, die Palace heißen, Bellevue oder Splendid. Sogar der Palast eines Bayerischen Herzogs ist mittlerweile zum Hotel umgewandelt. Wunderschöne alte Villen in einem bunten Stilmix von Alpenchalet bis Jugendstil in riesigen Parks säumen den Weg, die Zäune voller Jasmin duften betörend in der Sommerluft.

Die Gärten

Wir haben ein Ziel – Die Trauttmannsdorff Gärten. Diese Gärten kann ich euch ans Herz legen, sie sind wert, mal einen Tag mehr einzuplanen auf dem Weg nach Süden (wie überhaupt ein Besuch von Meran sehr lohnt) aber diese Gärten, einen etwa 30 minütigen Fußmarsch vom Zentrum weg, sind absolut wundervoll. Und riesig.

Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff in Meran erstrecken sich auf einer Fläche von 12 Hektar in Form eines natürlichen Amphitheaters über einen Höhenunterschied von 100 Metern.  Das eröffnet beeindruckende Perspektiven auf exotische Gartenlandschaften sowie atemberaubende Ausblicke auf die umliegende Bergwelt und die Kurstadt Meran. In über 80 Gartenlandschaften blühen und gedeihen verschiedenste Pflanzen aus aller Welt.

Also – gutes Schuhwerk und viel Zeit einplanen, 12 Hektar wollen erst mal erwandert werden. Die Gärten sind paradiesisch, was an dem besonderen Klima von Meran liegt. Irgendwie kann man hier Pflanzen aus jeder Gegend der Erde anpflanzen, sie wachsen, blühen und  gedeihen.  So entstand ein botanischer Garten, der einer Weltreise gleicht.

Lebende Fossilien – 40 Millionen Jahre alte Bäume

Oder sogar einer Zeitreise. Es gibt einen Garten mit uralten Pflanzen aus den Zeiten der Dinosaurier, es ist völlig faszinierend, diesen Jurassic Park zu besuchen.  Farne, groß wie Bäume, Ginko und einer der Bäume namens Wollemia nobilis ist so selten, dass er sogar hinter Gitter muss, um ihn vor Pflanzenjägern (ja, sowas gibt es) zu schützen – er galt als seit 40 Millionen Jahren als ausgestorben. Ihr könnt euch die Verblüffung der Forscher vorstellen, als sie die lebenden Fossilien entdeckten. Von diesem Baum gab es nur 72 Exemplare, die in Queensland in Australien gefunden worden sind, mittlerweile gelingt die Züchtung. Aber das an sich unspektakuläre Bäumchen ist immer noch unfassbar rar. Dass ein Exemplar in Meran steht, dient der Arterhaltung, denn in Australien sind die Bäumchen von Waldbränden oder der aus Asien eingeschleppten Wurzelfäule bedroht. Ihr seht, ich hab mich informiert, denn mich hat die Pflanze sehr fasziniert.

Blumenwasserfall und Schwiegermutterstuhl

Neben dem Jurassic Park gibt es Wassergärten mit asiatischen Pflanzen, Kakteengärten – die großen runden Kakteen heißen übrigens überall auf der Welt gleich: Schwiegermuttersitz – , Kräutergärten, einen mediterranen Garten, einen französischen Barockgarten mit Labyrinth, einen Garten, in dem über 70 Sorten Salbei wachsen. Und – sehr romantisch wurde ein Blumenwasserfall angelegt, dort haben wir uns auch fotografieren lassen. Am höchsten Punkt der Gärten liegt ein Aussichtslokal, in dem wir uns mit hausgemachtem Eistee stärken und von der schattigen Terrasse haben wir einen fantastischen Blick auf das Passer- und das Etschtal Richtung Norditalien. Und auf den künstlichen See in der Mitte des Parks, der auch als Konzertlocation dient. Damit keine Leute nach den Veranstaltungen heimlich im Park übernachten, gibt es einen Trick:  kurz nach Ende der Veranstaltung werden im ganzen Park die Sprinkler angestellt – und schwupps ist der Garten leer. Für uns ist auch irgendwann Schluss, nur noch kurz einen Blick in den Souvenirshop, und dann sausen wir, den Bus nach Meran Mitte zu erwischen und sind 10 Minuten später wieder zurück.

Meraner Mammutbäume überall

Meran hat noch viele weitere botanische Wunder zu bieten – sei es die wunderschöne Bepflanzung der der Kurpromenade, die von 67 Gärtnern liebevoll und äußerst kreativ gestaltet wird, seien es die Blumen an den Häusern oder die Bäume, die hier gedeihen. Mammutbäume wie der Sequoia aus Amerika zum Beispiel haben hier im milden Klima des Passertals eine neue Heimat gefunden. Den Baum hier könnte eine ganze Schulklasse umarmen. Da müssen Besucher einfach die Augen offenhalten. Bei unseren Spaziergängen entlang des Flusses entdecken wir noch uralte Brücken und eine schöne Klamm, über der das mittelalterliche Schloss der Herzöge von Tirol thront. Das wird immer noch bewohnt, das stelle ich mir sehr erhaben vor.

Als Souvenir an die Meraner Gärten kaufe ich mir für einen Euro einen Palmensamen, in einem lustigen „Samenspender“, der auf der Winterpromenade aufgestellt ist. In einer Kugel wie aus dem Kaugummiautomaten kommt das Saatgut samt Anleitung. Ich glaube nicht, dass die Palme in München so gut wächst wie in Meran – aber wer weiß, was der Klimawandel so alles bewirkt….

Mehr über großartiges Biofood in Meran, mittelalterliche Geschichte und Reisetipps erfahrt ihr demnächst hier auf dem Blog