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München – Einheitsbrei, wohin man blickt

Ja, das Thema hatte ich schon öfter, aber dieses Mal hab ich wieder einen konkreten Anlass: einer meiner Lieblingsläden, der Laden des Münchner Labels Mykke Hofmann in der Fraunhoferstrasse schließt Mitte August. Rentiert sich nicht mehr. Ebenso wie andere Läden im Glockenbachviertel. Stattdessen kommt ein Personal Fitnessstudio rein – und vermutlich mal wieder ein paar Barbershops – da gibt es nämlich erst 5 oder sechs im Viertel. Bald hat jeder Bartträger seinen eigenen, vor allem, wenn die Bartmode irgendwann endet. Oder ein Vietnamese oder Burgerladen, davon haben wir auch zu wenig. Das klingt wütend. Ich bin auch wütend. Ich bin alt und dick und altmodisch, und deswegen probiere ich gerne Kleidung an, bevor ich sie kaufe, es macht mir keinen Spaß, mir alles in drei Größen heimschicken zu lassen und dann den Rest wieder zurück, neu verpacken, verkleben und bei der Post anstehen. Dass ich das nicht so viel bequemer empfinde, hab ich oft genug gesagt. Klar, im Netz findet man mehr Auswahl, aber wie viel Auswahl macht denn Sinn?

München wird ärmer und seelenloser

Jetzt wird die Auswahl in München wieder um diverse individuelle Läden ärmer, langweiliger und austauschbarer, wieder wird ein Viertel unattraktiver. Aber das soll kein Rant werden gegen das Onlineshopping allein – sondern ich will nochmal klar machen, was das bedeutet für eine Stadt. Denn lohnt es sich für Menschen, die woanders wohnen, im Gärtnerplatzviertel oder in Schwabing nach originellen Shops zu suchen? Immer weniger. Und wenn die wegbleiben, werden noch mehr Geschäfte dichtmachen. Ein Teufelskreis. Früher gab es am Gärtnerplatz schöne Boutiquen, jetzt drei Brillenläden, Penny und Hunkemöller. Nix gegen Hunkemöller, aber die gibt es in der Sendlingerstrasse, in der Fußgängerzone und in allen Shoppingmalls am Stadtrand. Die Shoppingmalls gehören zu seelenlosen Trabantenvierteln, in Riem, in Laim, am Schwabinger Tor. Architektonischer Einheitsbrei ohne Münchner Seele. Und ohne spannende Geschäfte, die gibt es dort nicht. Es gibt irgendwo einen Rewe oder Edeka zur Nahversorgung mit Lebensmitteln, das wars. Die alten Ideen, im Erdgeschoss nette Cafes, Geschäfte und Lokale unterzubringen, wurden aufgegeben. Es gibt nur noch Wohnen oder Kaufen – weit getrennt voneinander. Das ist tödlich für Viertel.

Was kann man tun?

Nicht mehr so viel, aber vielleicht weniger kaufen und dafür konsequent die großen Filialisten meiden, lieber zwei, drei Stücke, die individuell sind und qualitativ hochwertig. Kleine Boutiquen besuchen und dort kaufen. Und die Bekleidung nicht online erwerben, sondern in dem Ort in dem man lebt und den man auch weiter lebenswert erhalten möchte.

Respekt haben vor dem, was man kauft. Mykke Hofmann näht in jedes Kleid den Namen der Näherin ein, die das Kleid hergestellt hat. Das zeigt, hier hat jemand mit Liebe und Können ein Kleidungsstück genäht, es ist viel Arbeit hineingeflossen. Wer Kleidung so betrachtet, hat automatisch einen anderen Bezug dazu. Ich will individuelle Geschäfte, in denen einen die Besitzer kennen und Dinge empfehlen, die zu einem passen. Kein Algorithmus, der das macht, sondern ein lebendiger Mensch mit Geschmack. Ich will Kleidung tragen, die nicht alle anderen auch haben. Qualität, die ich lange tragen kann. Ich will nicht alles online bestellen müssen, die Umwelt belasten. Wollt ihr das auch?