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Warum die meisten Menschen falsch reisen

Eine Frage stellen sich viele Urlauber: lohnen eigentlich Touristen-Hotspots? Also, muss man unbedingt Cinque Terre gesehen haben, einmal auf dem Eiffelturm gewesen sein oder auf dem Empire State Building? Ist ein Besuch in den großen Museen Pflicht, brauche ich ein Foto in den Lavendelfeldern Südfrankreichs oder auf einem norwegischen Felsen? Und die Antwort ist eigentlich klar – und auch wieder nicht. Natürlich haben diese Hotspots des Tourismus ihre Berechtigung. Denn natürlich sind sie spektakulär, besonders schön, besonders fotogen, besonders idyllisch. Eigentlich.

Der Lünersee ist ein Geheimtipp

Der Charme geht flöten

Denn durch den Touristenansturm ist der Charme dieser Orte längst verflogen. Wie will jemand das Foto der perfekten Einsamkeit auf einem norwegischen Felsen schießen, wenn hinter ihm 100 Leute warten? Wie kann man einen romantischen Ausblick genießen, wenn sich Tausende um einen herum drängeln? Und natürlich werden auch die kleinen Geschäfte vor Ort beeinflusst – und aus der süßen Trattoria wird ein Macdonald, aus dem Obstladen ein Zara. Da ist der Charme schnell dahin… (die Salzburger oder Hallstädter können ein Lied davon singen)

Schön, aber bumsvoll: Cinque Terre

Ich habe zum Beispiel noch nie so viele Souvenirläden auf einem Haufen gesehen, wie im Mont Saint Michel in Frankreich. Das hat diesen magischen Ort völlig ruiniert für mich. Und damit sind diese Orte eigentlich tot. Der Grund, warum wir sie besuchen ist dahin.

Gegen den Strom reisen

Die einzige Chance, den letzten Hauch ihres Zauber es zu erleben, ist, sie möglichst antizyklisch zu besuchen, also dann, wenn andere Leute keine Zeit oder Lust haben. Venedig im November, Vietnam zur Regenzeit, Finnland im Frühjahr, da teilt man sich Strand und Städte mit den einheimischen.

Venedig im Spätherbst

Was aber die meisten falsch machen: zu glauben, ein Land wäre nur dort einen Besuch wert, wo schon alle anderen Touristen sind. Es ist ein tragischer Trugschluss, dass Länder und Städte nur an den Orten sehenswert sind, die bis jetzt Hotspots sind. Das Gegenteil ist der Fall. Es gibt noch unglaublich viele unentdeckte Juwelen auf der touristischen Landkarte, die nur wenige kennen und besuchen.

Einsamer Strand in Vietnam

Warum das so ist, ist mir eigentlich ein Rätsel. Ich kann es mir nur so erklären, dass die Leute ein wenig ängstlich geworden sind, Land und Leute auf eigene Faust zu entdecken. Man hört ja so viel…und die Reiseveranstalter sind emsig dabei, diese Ängste weiter zu schüren, denn mit All inclusive Anlagen und gebuchten Touren lässt sich viel mehr Geld verdienen…. So wird gewarnt vir dem Essen, vor Verbrechen und Krankheiten, die im Urlaubsparadies lauern. Da ist es doch besser, den ausgetretenen Pfade zu folgen und auf Nummer sicher zu gehen. Was meistens Quatsch ist. Denn irgendwie träumen alle von der individuellen Reise, aber so richtig trauen sich das nur wenige. Schade. Denn so richtig toll ist das Urlaubserlebnis nicht, wenn man es mit hunderten oder tausenden anderen Menschen teilt, oder? Und das Land und typisches Essen lernt man auch nicht kennen.

Und das Internet bringt ein weiteres Phänomen hervor: es wollen alle ein identisches Foto von einem identischen Ort, um sagen zu können. „Da war ich auch und ich habe das Foto gemacht, dass von mir an diesem Ort erwartet wird“. Und das multipliziert den Effekt, da viele Menschen heute ihre Reiserouten mit Pinterest oder Instagram ausbaldowern.

Zum Anfang: Neues in der Region entdecken

Wir in Bayern leben in einer Touristenregion. Schon alleine hier reicht es, die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Ich zeige hier auf dem Blog immer wieder Tipps. Zum Beispiel zum Seesersee statt zum Eibsee, nach Regensburg oder Bamberg statt nach München, oder ins Fichtelgebirge und in die Oberpfalz statt nach Neuschwanstein.

Das grösste Felslabyrinth Europas – Luisenburg bei Wunsiedel

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2 Kommentare

  1. Sehr schöner Artikel! Zu den Touristenhotspots bin ich meistens gereist, als sie noch kaum einer kannte. zum Beispiel Anchor Wat oder Jiuzhaigou (China). Wenn ich dann aber auch an einen solchen Hotspot gereist bin, dann weil ich das unbedingt sehen wollte. Beispiel Louvre oder Rom. Da ist die Nebensaison, wie Du sagst, optimal.
    Eine Sehenswürdigkeit heißt “Sehenswürdigkeit”, weil sie sehenswert ist! Und sie ist in der Regel für viele Menschen sehenswert. Manche sagen: “Ich will das nicht sehen, weil es mir zu touristisch ist!” Mir ist sowas egal. Wenn ich etwas sehen will, dann will ich das sehen, weil es interessant ist, weil es mich persönlich berührt!
    Deshalb war ich noch nie in Cinque Terre, aber schon 4mal bei der berühmten Terrakotta-Armee.
    Übrigens: Schöne Fotos hast du!
    Liebe Grüße
    Ulrike

  2. DANKE, das sind blicköffnende Gedanken.
    Erlebnisse sammeln, nicht Insta-Hotspots.
    Ich liebe den Eiffelturm (auch von unten), den Centralpark zu allen Jahreszeiten und im Wiener Prater sitzen die Kindheitserinnerungen im Riesenrad neben mir …. aber wie Du schreibst: es gibt eine Menge hidden champions wie Regensburg, Bamberg, Passau, Soest (ich wäre im Leben nie nach OSTWESTFALEN, wenn unser Sohn da nicht zwei Jahre gelebt hätte), Marburg, kleine Orte in Ligurien, Danzig, Breslau, Mausuren usw.
    Neugier ist eine Haltung und zum lebenslangen Lernen gehört für mich auch das Reisen.
    Danke nochmals. Habe ich sehr gerne gelesen.

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