Die wunderbaren Frauen von Delhi
Ich bin überzeugt, ein Land kann nur nachhaltig prosperieren, wenn alle Teile der Bevölkerung beim Aufschwung mitgenommen werden. Und weil meine Freundin Mirjam Eisele und ich vor allem für die Frauenrechte nach Indien gefahren sind, möchte ich den wunderbaren Frauen Delhis einen eigenen Artikel widmen. Wir haben viele davon auf der Konferenz getroffen: Selbstbewusste Marketingmanagerinnen, Journalistinnen, Ministerinnen. Keine „Frau von…“ sondern alle mit großen Karrieren. Und das sehr weiblich im Sari. Ich bewundere diese Frauen, denn auch wenn Indien unendlich weit ist, was die Wirtschaft anbelangt, Frauen werden dort immer noch ein wenig stiefmütterlich behandelt. Und ich spreche jetzt bewusst von den Frauen der Städte, im ländlichen Bereich Indiens gibt es immer noch so viele Probleme, das wird noch lange Zeit brauchen, bis da ein Anschluss gefunden wird. Der ländliche Raum, so mein Eindruck, ist immer noch auf einem Lebensstand wie vor 1000 Jahren, nur mit weiteren Hürden wie Monsanto-Saatgut und ähnlichen Problemen zusätzlich belastet.

Ich habe das Gefühl, die schönen indischen Frauen haben eine besondere Art, sich gegenseitig zu unterstützen und zu fördern. Das feiere ich. Sie sind aktiv, vernetzen sich und erschaffen ihre eigenen Projekte. Über Smitri Irani, die selbstbewusste Familienministerin, habe ich euch schon erzählt. Auch andere Frauen sind ähnlich streitbar, wie etwa Kooshbu Sundar, eine indische Schauspielerin, die vehement die misogyne Gewalt gegen Frauen in Bollywood-Streifen anprangert, so wie etwa im neuesten Action-Blockbuster „Animal“, in dem der Hauptheld Frauen erniedrigt und so richtig mies behandelt „Was ist das für ein Vorbild für unsere Jugend?“ – danke dafür, das denke ich mir auch oft bei westlichen Streifen.

Es gibt auch Leute, die bessere Beispiele sind und viel für Frauen tun: Wie zum Beispiel Payal Verma, die am lebhaften und luxuriösen Khan-Market in Delhi ein kleines Restaurant-Cafe mit angeschlossener Galerie führt. Das Lokal ist ein Anlaufpunkt viele Inder und Expats, es serviert einen tolle Fusion aus indischer und internationaler Küche in ihrem „The Blue Door Cafe“. Auch Familienministerin Smitri Irani ist dort oft zu Gast. Einen Stock über dem Cafe können interessiere Besucher die Werke bedeutender indischer Künstler ansehen – ein Einblick in die indische Kultur, den man sonst nicht so leicht bekommt.
Der Khan Market hat sowieso unglaublich viel zu bieten: luxuriöse Boutiquen, die aufwändig bestickte Kleidung verkauft, auch durchaus für uns Westlerinnen geeignet. Und ich möchte euch ArtKarat ans Herz legen, unfassbar toller Schmuckladen, der extrem schöne Stücke verkauft, die aussehen wie eine Million Euro, aber viel günstiger sind. Der Markt ist eine wundervolle Mixtur aus international und indisch: es gibt sogar einen kleinen Laduree-Ableger, der aber natürlich besondere, mit Curry gewürzte Macarons verkauft.

Und die wunderbaren Frauen gründen sehr tolle Hilfsorganisationen, eine davon, die Little Umbrella Foundation, konnten wir besuchen: . Prity Banerjee, die Gründerin, hilft zusammen mit ihrem Team von studentischen Praktikanten aus verschiedenen Colleges unterprivilegierten Kindern, durch unkonventionelle Methoden wie Malen, Tanzen und Geschichtenerzählen zu lernen. So erwartet die Kinder ein Leben mit Perspektiven und nicht eins, bei dem sie an Ampeln betteln müssen. Inspiriert wurden sie dabei vom indischen Nobelpreisträger Rabindranath Tagore. „Beschränke ein Kind nicht auf dein eigenes Lernen, denn es wurde in einer anderen Zeit geboren“. Er nutzte das alternative Bildungssystem, um den Kindern unter freiem Himmel durch Musik, Kunst und Geschichtenerzählen Wissen zu vermitteln. Die Little Umbrella Foundation in Delhi verfolgt das gleiche Konzept und es war eine Freude, zu sehen, wie wissbegierig die Kinder sind und wie sie mit diesem Konzept aufblühen. Ich sehe eine große Zukunft für Indien.

