Kunst und Kultur in einer der schönsten Städte der Welt: Krumlov ist (noch) ein Geheimtipp
Es ist schon manchmal verrückt mit dem Reisen. Da gibt es Ziele, nicht einmal 3 Stunden von München entfernt, die so fantastisch sind, dass Chinesen und Japaner um die ganze Welt jetten, um sie nur einmal zu sehen, und bei uns kennt sie niemand. Ich bin immer wieder überrascht, welche Wunder in Europa so versteckt sind. Wir Südbayern haben unsere Reiserouten stets auf den Süden ausgerichtet, immer Richtung Alpen und darüber hinaus, ans Mittelmeer oder in die Toskana. Klar, es ist schön da – aber verpassen so viel, wenn wir uns nicht mal umdrehen und nach Norden sehen, Niederbayern, der bayerische Wald und Tschechien hinter der Grenze bieten unglaubliche Sehenswürdigkeiten und viele gastliche Juwelen. Vielleicht liegt es daran, dass uns der kalte Krieg den Weg in den Osten abgeschnitten hat – zumindest meine Generation hat das noch erlebt. Aber jetzt sollte sich das ändern – es gibt so viel zu entdecken!
Eine der schönsten Städte der Welt, Czesky Krumlov, ist UNESCO-Weltkulturerbe. Und das völlig zurecht. Krumlov liegt an der Moldau, in einer sehr malerischen Flussschleife, wie der Name der Stadt schon verrät: krumme Aue. Die kleine Stadt ist seit dem Mittelalter niemals abgebrannt und wurde in späteren Jahrhunderten auch nur wenig modernisiert. Früher war die Stadt mal ein wichtiges Zentrum, mitten im Herzen Europas, reich und mächtig. So ist ein unglaubliches Renaissancejuwel entstanden – und es steht immer noch. Es ist einfach traumhaft. 
Wenn ich dort durch die autofreien Straßen wandere, sehe ich ein Bild, das sich seit Hunderten von Jahren nur wenig geändert hat. Abgesehen von den Auslagen der Geschäfte ist die zeitliche Illusion perfekt. Sogar alte Schmieden, alte Mühlen, alte Töpfereien sind zwischen modernen Geschäften zu finden. Über allem Prunk der Stadt thront ein Schloss, nur 4 m² kleiner als der Palast in Prag. Die 4 m² waren wichtig, sonst hätte der adlige Schlossherr gewaltigen Ärger mit König in Prag bekommen. Das Schloss wurde einfach immer wieder erweitert, vom frühen Mittelalter bis zum Rokoko und ist so ein faszinierendes Stilsammelsurium. Hinter jeder Ecke ist etwas zu entdecken, so viel Kultur und Kunst und Architektur ist selten. Aber es reicht auch, einfach am Fluss zu sitzen und all die Schönheit rund um sich zu genießen.

Mit dem Boot auf der Moldau
Es gibt noch eine weitere Art, die Stadt zu erkunden, und zwar mit dem Boot: entlang der Moldau bieten diverse Organisatoren ihre Boote an, die für Paddeltouren gemietet werden können, entweder als Gruppe im großen Schlauchboot oder allein oder zu zweit im Kanu. Wer nicht selber paddeln will: es werden auch gemütliche Floßfahrten angeboten, bei denen Reiseführer die Gebäude erklären. An den Wochenenden herrscht regelrecht Stau auf dem Flüsschen, vor allem vor den kleinen Stufen, bei denen die Boote durch müssen, denn nicht wenige Paddler fliegen dabei ins Wasser, im Sommer zwar eine willkommene Erfrischung, aber es dauert, wieder sich und seine Siebensachen in den Kahn zu hieven. Es ist witzig, die Flosse vom Ufer aus zu beobachten. Vor allem die Varianten an Kopfbedeckungen sind erstaunlich: vom Sombrero bis zum Matrosenhütchen ist alles dabei, manche Gruppen haben sich vorbereitet und paddeln sogar in Partner Outfits.

Das Schloss besteht aus einem Renaissance-Trakt voller Fresken und einem höchst malerischen Turm, einem Barockschloss und einer etwas düsteren mittelalterliche Burg. Das Wahrzeichen Krumlovs ist die Mantelbrücke. Ein Zwischentrakt, damit die Adligen trockenen Fußes zwischen den Schlossteilen hin und her wandern konnten. Im real existierenden Sozialismus wurden Schloss und das Städtchen zu seinen Füßen vergessen und verfiel – wurde aber zum Glück nicht abgerissen und modernisiert. Seit der Öffnung der Grenzen wurde viel Energie in die Restaurierung gesteckt – und Krumlov feierte Wiederauferstehung.

Die Stadt ist eine Zeitkapsel. Jedes Haus, jede Mauer, jede Kirche und Kloster erzählt viele Geschichten – es hausen auch unendlich viele Geister in Krumlov. Eine weiße Frau und eine Vampirprinzessin spuken im Schloss, ein irrer Habsburger und ein betrügerischer Alchemist im Klostergarten, Hexen und anderes Gelichter spuken rund um den Marktplatz. Begegnet ist uns kein Geist. Leider. Wer ein Faible für solche Geschichten hat, kann beim Tourismusbüro (neben dem Foltermuseum am Marktplatz) eine Geistertour in der Nacht buchen. Wenn dann das eigene Hotel drin vorkommt – na dann, gute Nacht…
Neben mittelalterlichen Geistern weht auch mehr als ein Hauch von Kunst durch die Straßen. Viele Künstler waren begeistert von der Schönheit der Stadt, allen voran Egon Schiele, dessen Mutter aus Krumlov kam, und er Teile seiner Kindheit hier verbracht hatte. Und einen wilden Liebessommer mit seiner Geliebten in einem kleinen Sommerhaus mit Atelier und Garten, (auch das Häuschen ist perfekt erhalten geblieben, wir haben es besichtigt und im Garten eine wunderbare Limonade getrunken).

Lange dauerte die Idylle nicht, denn damals waren unverheiratete Paare ein Skandal, und es hat auch nicht zum Vertrauen in den Künstler beigetragen, dass er minderjährige Mädchen nackt gemalt hat. Da war man auch damals schon nicht begeistert. Heutzutage erinnern ein tolles Museum in einer Brauerei, das Gartenhaus und unendlich viele Poster in den Souveniershops an den berühmtesten Sohn der Stadt. Auf vielen seiner Bildern ist Krumlov zu erkennen – die Stadtansichten sind ja immer noch gleich. Nur viele Wäscheleinen zieren eine Bilder zusätzlich.

Ich kann euch ans Herz legen, Krumlov einmal zu besuchen, da passt einfach alles. Die Hotels sind noch gut bezahlbar, die Restaurants sehr gut und nicht teuer – vor allem für Fleischliebhaber. Die Stadt ein Traum und es gibt so vieles zu entdecken und zu besichtigen. Alte Klöster, alte Gärten, eine bessere Destination für ein verlängertes Wochenende kann ich mir kaum vorstellen. Es gibt Parkplätze außerhalb der Stadt, im Fremdenverkehrsamt am Marktplatz können Tagestickets vergünstigt erworben werden. So kostet das Parken für einen vollen Tag nur noch elf Euro.
Drei Grazien im BurghofBesuch des Barocktheaters – eine Zeitreise zum höfischen Prunk!
Ich hatte jetzt mit meinen lieben Freundinnen, Ursula und Sigrid aka ImmerSchick und My lovely Cosmos, das Glück, den Festival-Sommer in Krumlov zu erleben. Die beiden sind fleißiger als ich und haben ihre Artikel schon geschrieben – ich hab sie euch verlinkt! Der Festival-Sommer ist ein Monat voller Konzerte, Theater und Ausstellungen in der ganzen Stadt. Und – wie könnte es anders sein: auch im Bereich Theater wartet die tschechische Stadt mit unglaublichen Raritäten auf, die sonst so nirgends zu finden sind. Zum Beispiel beherbergt das Schloss ein perfekt erhaltenes Barocktheater – eins von nur Zweien auf dieser Welt. Sogar die Kulissen und die Theatertechnik aus dem 17.Jahrhundert existieren noch und werden bei Aufführungen genutzt. Kostüme gibt es auch – aber die sind zu empfindlich und zu kostbar, sie auf der Bühne einzusetzen. Sie dienen als Vorlage, um die Livreen der Musiker und die Opernkostüme der Barockopern so genau wie möglich nachzuschneidern. Wir dürfte in den Fundus – aber leider nicht fotografieren. ch kann euch versichern, es ist ein unfassbarer Schatz – ich hätte Stunden im Fundus verbringen können.

Wir durften dort eine spanische Barockoper besuchen – mir ist das Herz übergegangen vor Begeisterung. Ich habe mir immer so sehr gewünscht, einmal im Leben durch die Zeit reisen zu können, um einen solchen Abend in einem Schloss erleben zu können. Jetzt saßen wir da, in der Fürstenloge und ich habe geheult vor Rührung. Die Musiker waren in Livree und Perücke und lasen ihre Noten bei Kerzenschein, die alten Kulissen vermittelten die Illusion großer Weite und auf die Pailletten der Kostüme reflektierten das Bühnenlicht. Jupiter kam in einer Wolke herabgeschwebt, Herkules und Minerva waren an ihren Kostümen gut erkennbar. Es war wunderbar und magisch. Das Stück wurde 1701 für die Hochzeit von Philip V. mit Maria Luisa von Savoyen uraufgeführt. es ist verrückt, sich vorzustellen, dass die vermutlich genau das Gleiche wie wir gesehen haben…

Etwa zehn Aufführungen werden jedes Jahr im Krumlover Theater angeboten, mehr wäre zu gefährlich für die empfindliche Substanz – das müsst ihr erleben! Das nächste Mal will ich zum Barockfest, das einmal im Jahr im Juni stattfindet – aber mit meinen Kostümen…Zum Theater gehört auch ein Ballsaal, fantastisch ausgemalt wie ein Kostümfest der damaligen Zeit, viele Verkleidungen nach Motiven der Commedia del Arte, aber auch Mohren, Türken, chinesische Trachten oder Kostüme, halb Mann, halb Frau. 135 wild verkleidete „Ballgäste“ tummeln sich an den Wänden, festgehalten in einer fröhlichen Party, die nie aufhört.


Das drehbare Freilufttheater ist eine Reise wert

Und noch ein Wunderwerk der Theaterkunst durften wir erleben: das drehbare Freilicht-Theater im historischen Schloßpark von Krumlov. Es ist die Sommerbühne des südböhmischen Theaters und es gibt Europaweit nur zwei dieser ganz speziellen Theater. Es ist schwer vorstellbar – aber hier ist der Park die Bühne – und die Zuschauertribüne dreht sich dahin, wo das Schauspiel stattfindet!
Die drehbare Zuschauertribüne des Südböhmischen TheatersWir haben eine Verwechslungskomödie rund um Heinrich VIII gesehen, auf tschechisch, aber wir haben die Untertitel auf ein Tablet bekommen. Es war sehr vergnüglich und die Bühnentechnik mit dem drehbaren Theater war atemberaubend. Denn das Szenario eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Da wird auf Pferden durch den Park geritten, ein Brautzug mit Fackeln begleitet – von allen Seiten kommen Hofdamen, das aufgebrachte Volk oder die königlichen Boten. So wird rund um die Zuschauer herum gespielt, die Stimmungsvolle Kulisse des Parks tut ihr Übriges. Absolut fantastisch und definitiv eine Reise wert.
Hoteltipps
Hotel Bellevue, KrumlovWir haben im Hotel Bellevue übernachtet. Besonders hervorzuheben ist die ausgezeichnete Lage im Herzen der Altstadt, nur wenige Gehminuten von den wichtigsten Sehenswürdigkeiten entfernt. Das hat einen schönen Barockcharacter, anders als viele mittelalterliche Häuser der Stadt. Das Hotel besticht durch seinen historischen Charme und elegante Zimmer, die modern und stilvoll eingerichtet sind. Aber Vorsicht, die Zimmer sind sehr unterschiedlich von der Größe her. Die Fenster gehen auf den Innenhof raus, am Morgen wird man m Sommer vom Duft des Frühstücksbuffets geweckt (gebratener Speck). Das Frühstück gehört zu den Besten, die ich je hatte. Cremiges Rührei, gegrillte Gemüse, Hefeliwanzen und sehr geiler Speck – love it. Das freundliche Personal und die gepflegte Atmosphäre machen den Aufenthalt besonders angenehm, die herrlich duftenden Badeprodukte wie Shampoo etc sind von L’Occitane. Ich hab auch den 10 Prozent Gutschein genutzt, den man im örtlichen Laden des Firma anwenden konnte und mir das Duschgel nachgekauft. Das Bellevue eignet sich ideal für einen romantischen Urlaub oder einen entspannten Kulturtrip nach Krumlov.
Ein Zimmer im Hotel Ruze – da würde sich auch Heinrich VIII wohl fühlenIch war dann nochmal mit meinem Freund in Krumlov, und zwar im Hotel Ruze – wir sind Mittelalterfans und im Ruze ließe sich problemlose eine Folge von Game of Thrones drehen. Nur mit Aufzug. Sogar das TV Gerät ist in einer wuchtigen Truhe versteckt, um die Illusion nicht zu stören. Das Hotel Ruze in Český Krumlov ist ein also wahres Juwel für alle, die historischen Charme mit modernem Komfort verbinden möchten. Das im Herzen der Altstadt gelegene Hotel, das einst ein Kloster war, besticht nämlich durch seine authentische Renaissance-Architektur und eine einzigartige Atmosphäre, die die reiche Geschichte der Region widerspiegelt. Die Zimmer sind stilvoll und sehr traditionell historisch eingerichtet – wenn auch ein wenig in die Jahre gekommen. Spaß macht es trotzdem, zwischen Ritterrüstungen und Heiligenstatuen zu frühstücken und zu nächtigen. Das Hotel hat angeblich drei Geister, begegnet ist uns nur einer… Wer Český Krumlov besucht, sollte sich das Hotel Ruze nicht entgehen lassen – es ist der perfekte Ausgangspunkt, um diese zauberhafte Stadt zu erkunden.
Restauranttipps
Die meisten Restaurants in Krumlov machen das Beste aus ihrer Lage und haben eine schöne Terrasse am Fluss. Von dort aus kann man die historischen Gebäude bewundern, die langsam fließende Moldau und all die Kanufahrer, die immer wieder in den Fluss fallen.
Ein Erdbeerknödel


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Der Link https://katrinhilger.com/img_1794-2/ zum Erdbeerknödel mag nicht 🙁
LG, Max