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Unterwegs in Meran und Bozen – Eismumien, E-Bikes und Minnesang

Wir waren ja nur drei Tage in Südtirol, und haben viel Zeit im Hotel Pazeider verbracht, wir brauchten die, zum Runterkommen. Außerdem ist das Hotel so schön, dass man nicht unbedingt weg muss. Wir sind mit dem Auto angereist, aber rühren es den ganzen Aufenthalt nicht mehr an, sondern radeln oder fahren Zug. Von hier stehen einem viele Möglichkeiten offen: man kann runter in die wunderbar mondäne und dennoch rustikale Kurstadt Meran. Die kleinen Gassen der Altstadt mit ihren Bogengängen laden zum Shoppen ein: es gibt Geschäfte mit Südtiroler Spezialitäten wie Wein und Speck, viele Modegeschäfte voller italienischer Designer, aber auch Marken wie Essentiel Antwerp sind es hier zu finden. An der Etsch entlang gibt es eine Kurpromenade, an der schon Sissi spazieren ging. Was uns besonders freut: nahe des Bahnhofs stoßen wir auf einen italienischen Aldi und die Angebote dort sind überwältigend. Richtig guter Olivenöl, Pasta etc – am Ende unseres kleinen Urlaubs fahren wir mit Auto und Kühltasche hin und decken uns ordentlich ein mit italienischen Grundnahrungsmitteln.

Ötzi und Aldi

Oetzi_the_Iceman_Rekonstruktion_1Eine weitere Möglichkeit ist natürlich, die Hauptstadt von Südtirol, Bozen, zu besuchen. Dort liegt die berühmteste Mumie der Welt, der Ötztal-Mensch, wobei für mich nicht die Mumie selbst so spannend ist, sondern vor allem deren Ausstattung. Fellstiefel mit Strohfüllung gegen die Kälte, fesche Fellchaps, dazu ein Umhang, Mütze, Waffen und viele Ausstattungsgegenstände, darunter schon eine Kupferaxt. Wahnsinn, was ein Mann vor 5300 Jahren getragen oder gegessen hat. Wirklich interessant ist, dass seine Bekleidung große Ähnlichkeit hat mit dem, was manche Naturvölker jetzt noch tragen. Muss wohl praktisch sein. Der Ötzi hat dieses Jahr Jubiläum, sie zeigen deswegen Dokumentationen, wie die Eismumie gefunden wurde und Archäologen sitzen mit Tränen in den Augen da, weil man den Mann ursprünglich für ein modernes Gletscheropfer hielt und die Bergwacht die Leiche recht rüde aus dem Eis hackte und so unschätzbare Funde ruinierte. Ich empfehle das kleine Museum in Bozen wirklich – so weit in unsere Vergangenheit blickt man sonst selten. Wer zur Fundstelle am Similaungletscher will, muss ein geübter und vor allem ausdauernder Bergsteiger sein. Das bin ich leider nicht, deswegen muss es das Museum tun.

Mittelalterliche Fresken in Schloss Runkelstein

Ein tolles Ausflugsziel ist auch Burg Runkelstein nahe Bozen. Eine märchenhafte Burg, die innen über und über mit dem größten nichtkirchlichen Freskenzyklus des Mittelalters ausgemalt ist. (Funfact: die meisten Kleiderschnitte, die wir aus dem Mittelalter kennen, basieren auf diesen Fresken. Wer sehen will, wie die Gewänder und Hüte richtig getragen worden sind, um beim nächsten Mittelaltermarkt aufzutrumpfen, der ist hier richtig). In Runkelstein gibt es die ältesten Darstellungen von König Artus zu sehen, Bilder von Tristan und Isolde und vielen anderen Märchen und Sagen des Mittelalters. Die Bilder haben damals den Fernseher ersetzt, die Sänger haben anhand der Bilder die Geschichten ihren ritterlichen Zuhörern erzählt und die Helden besungen. Vermutlich kannte jeder Bewohner die Geschichten auswendig – ich hab mich oft gefragt, wie das war, als man noch relativ wenig Input hatte. Keine Bücher, keine Medien, Neuigkeiten aus der Welt nur, wenn mal ein Reisender vorbei kam. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich das toll oder gruselig finde.

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An der malerischen Entsch führt der Radweg von Meran nach Bozen

E-Biken durch Südtirol

Mein Freund und ich radeln mit den E-Bikes, die wir uns im Hotel Pazeider geliehen haben, von Marling zunächst nach Lana. Und dann den Weg am Fluss entlang, 25 km nach Bozen, der Weg ist sehr sonnig, vielleicht nicht unbedingt empfehlenswert im Hochsommer. Aber das ganze Tal ist durchzogen von vielen anderen Radwegen, die weniger schnurgerade und viel schattiger durch Apfelbaum-Alleen und grüne Hügel führen, vorbei an Berghäusern, malerischen Dörfern und Burgruinen um jede Ecke. Wir sind da leider einfach dem einfachsten Weg gefolgt… Dank E-Bike sind die Steigungen kein Problem. Wir machen das Beste aus unserer Tour und kehren ein beim Forsterwirt in Lana (Via Madonna del Suffragio 17, 39011 Lana, Italien), der einen tollen schattigen Biergarten hat – und klasse Pizzen und Lasagne. Aber dann geht es wieder ins Pazeider zurück, in den Außenpool. Wir blödeln ein wenig auf dem Trampolin herum, das eigentlich für Kinder gedacht ist, sitzen auf der Terrasse mit einem Drink und freuen uns des Lebens. Eigentlich ist das Leben ganz wunderbar – dafür bin ich dankbar. Auch, dass ich so schöne Orte kennenlernen darf.

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