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Nachhaltigkeit: Ist das nicht fast schon egal?

Zerbrochene Brücke auf Koh Phangan

In Diskussionen kommt oft die Frage auf – Nachhaltig leben, was bedeutet das eigentlich? Die Antwort ist so einfach, wie es schwer ist, sich danach zu richten. Nachhaltig leben bedeutet, dass man von dieser Erde nicht mehr nimmt, als einem zusteht. Jahr für Jahr stellt unser wundervoller Planet Ressourcen zur Verfügung, produziert mit seinen Wäldern Sauerstoff, füllt Quellen und Seen, hat Bodenschätze  – aber eben alles ist begrenzt. Das Problem ist, wir verbrauchen weit, weit mehr, als unsere Erde uns zur schenkt. Bereits im August ist bei uns in Deutschland Schicht im Schacht, dann ist der sogenannte Earth Overshoot Day. Ab dann leben wir auf „Pump“. Wir hier in Deutschland brauchen jedes Jahr die Ressourcen von 3 Erden auf, andere Länder wie die USA oder Australien noch viel, viel mehr. Spitzenreiter ist Katar, dort ist im März schon der Overshoot Day erreicht. 

Jeder von uns verbraucht die Ressourcen von mehr als einer Erde

Bild zeigt die Menge an Erden, die wir brauchen, wenn wir weiter so leben wie wir leben.

Da stellt sich die Frage: Wieviel genau können wir pro Jahr verbrauchen? Jeder einzelne von uns hat einen gewissen Erdkredit, berechenbar als ökologischer Fußabdruck. Um zu wissen, was man so verbraucht. Dafür gibt es Rechner, zum Beispiel vom WWF, im Netz – und ich muss gestehen, sie sind frustrierend. Denn jemand wie ich (Kein Auto, wenig Fleisch, viel Bioprodukte, moderates Flugverhalten) schafft es nur, 1,5 Erden zu erreichen, weit weg von Neutralität. Große Wohnung, ich heize, fliege ab und an halt doch, mache Urlaub…Und das Thema Plastikmüll ist da noch gar nicht mit drin bewertet. Ja, das könnte bitter werden, wenn wir uns irgendwann das alles abschminken können. Kein so schönes Leben mehr. Wenig Konsum, kein Urlaub, kein eigenes Auto – dafür Kleider reparieren, Urlaub am Baggersee, Radl, U-Bahn und ab und an Carsharing. Wie unsere Großeltern und Eltern in den 50ern. Nur die glaubten noch an eine gute Zukunft – wir träumen von einer guten Vergangenheit.

ich fahr so gerne Rad – beim Fahrradtest

Ich verstehe Menschen, die sich nicht einschränken wollen

Was mich ärgert: diese Diskussionen werden momentan hauptsächlich in Europa geführt, in Asien und Amerika scheint das alles völlig egal zu sein. Ich kann die Verbraucher verstehen, die sagen, wieso soll ich mich einschränken, wenn es der Rest der Welt nicht tut? Vermutlich, so meine wenig tröstliche Antwort, nur für das gute Gewissen, nicht mit schuld zu sein. Denn wenn der Rest der Welt nicht mitzieht, dann fangen wir Deutschen wieder so an wie wir Deutschen bei der Flüchtlingskrise. Dann lassen uns alle anderen im Regen stehen. Wir sammeln fleissig Müll, wir reduzieren. Unsere Politik sorgt dann leider nicht dafür, dass das gesammelte Plastik auch genutzt wird und bezuschusst lieber die Produktion neuer Plastikscheisse. Deswegen bin ich gerade ziemlich traurig. Da helfen die Tipps, die Blogs wie dieser (oder viele noch viel grünere) geben, gar nichts. Es ist, als ob wir die Apokalypse ein wenig kuscheliger gestalten wollen. Wir brauchen vermutlich radikale Änderungen. Unschön. Aber wenn wir irgendwann gar nichts mehr haben, dann ist das eben die einzige Alternative. Unsere Enkel werden Korallenriffe nicht mehr kennen, eine Million Tierarten steht momentan vor dem Aussterben, darunter Koalas, Tiger, Meeresschildkröten, Pandas, Nashörner…eine verheerende Bilanz. Die Biomasse er Arten nimmt ab – also nicht nur weniger Arten, sondern auch immer weniger davon. Nur wir werden mehr und mehr und mehr.

Scientists for Future hat die Fakten

Hier ein Video von Professor Michael Sterner bei Fridays For Future. Prof. Dr. Michael Sterner ist hauptamtlich Professor für Energiespeicher an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) und einer der Leiter der Forschungsstelle für Energienetze und Energiespeicher (FENES). Der kennt sich also aus…Ich war von seinem Vortrag auf der Pressekonferenz sehr beeindruckt. Wer mehr nachlesen will – hier geht es zu den harten, traurigen Fakten.

https://youtu.be/mYWmvCcIiKI

Viel Zeit haben wir nicht mehr. Es macht mich enorm traurig, aber ich fürchte, die Zukunft sieht düster aus.

Best Ager über 50. Redakteurin, Bloggerin, PR-Beraterin Infuencer Relations, Twitterfan. Spezialistin für das gute Leben: Nachhaltigkeit, Fair Trade, schöne Dinge aus Manufakturen - if you wanna have a good time, gimme a call

4 Kommentare zu “Nachhaltigkeit: Ist das nicht fast schon egal?

  1. Eine kuschelige Apokalypse ist immerhin besser als eine knallharte.

  2. Hallo Kathrin, ich hoffe sehr, dass wir nicht aufgeben und sogar andere dazu motivieren, mitzumachen. Ich bin keine Greta … aber als 5-köpfige Familie & 2 Hunde dazu haben wir beschlossen, auf möglichst viel Verpackung beim Einkauf zu verzichten. Becher to go & Co. waren und sind für uns tabu. Auf feiern & Geburtstagen haben wir immer unsere Becher dabei. Beim Bäcker mit dabei die Stofftüte & tupperdose beim Fleischer usw. wir lassen das Auto stehen, fahren Rad & Bahn & laufen zu Fuß. Ich habe in meinem Umfeld alle gebeten, mitzumachen. Auf der Arbeit habe ich Lieferanten, die sehr viel Verpackung beim verschicken der Ware reduziert haben. Ich hoffe, dass wir alle uns bewusst sind, dass die Erde ein Ort ist, der für uns alle zuhause bedeutet. Somit auch sehr wichtig. Ich wünsche dir eine schöne Adventszeit & liebe Grüße !!!

  3. Stefanie Betken

    Liebe Katrin,
    auch mich macht es 😥 traurig zusehen, wie viele andere die Augen verschließen und weitermachen, wie bisher.
    Ich denke aber, es ist sooo wichtig etwas zu ändern und andere 💚 grün zu inspirieren…
    Ich gebe nicht auf, ich kämpfe weiter und beteilige mich aktiv…

    Liebe Grüße
    Stefanie 😇

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