Nächtlicher Hexenritt in Söll
Eigentlich bin ich leidenschaftliche Wintersportlerin. Eigentlich. Denn der Winter, die Kälte und der Schnee haben sich rar gemacht in unseren Breiten. Früher als Kind bin ich in der örtlichen Kiesgrube unermüdlich mit dem Schlitten den Hang hinauf und hinunter. Oder wir sind zusammen mit meinen Eltern auf den gefrorenen Seen in der Umgebung von Rosenheim Schlittschuh gelaufen, etwa im Innaltwasser um die Reet Büschel herum oder auf dem Chiemsee, über unheimliches, schwarzes Eis, das manchmal knackte und knirschte. In München war es früher oft möglich, mit den Langlaufskiern lange Bahnen an der Isar oder durch den englischen Garten zu ziehen. Das war herrlich.

Aber dieser Winterzauber ist nun leider vorbei, wenn auch dieser Winter mal wieder ganz ungewohnt viel Schnee geboten hat. Umso begeisterter war ich, als ich die Einladung zu einem kleinen Afterwork-Rodeln (oder Skifahren) in Söll am Wilden Kaiser bekommen habe. Jeden Mittwoch bis Samstag bleibt die Piste bis 22 Uhr offen – für Skifahrer und für Rodler. Bis Mitte März soll das Vergnügen noch stattfinden – und es wird ja auch wieder kälter ab Montag. In ca 1,45 Stunden ist man pickerlfrei!! von München in Söll, der Lift kostet für Rodler 30 Euro für die Abendöffnung. Mit einem eigenen Schlitten sind die Kosten also sehr überschaubar. Das Equipment liehen wir uns vor Ort beim Rodelverleih – wer aber einen eigenen Schlitten hat, den unbedingt mitbringen, ich fand den Leihschlitten sehr schwer zu handeln für mich.
Wie lange ich schon nicht mehr am Berg gewesen war, hab ich daran gemerkt, dass meine Skihose zu klein geworden ist. Im Stehen hab ich sie gerade noch zugebracht, aber bei der Action auf dem Schlitten ist sie aufgeplatzt. Egal. Shirt drüber und gut, da bin ich mittlerweile schmerzbefreit.

Zwei Strecken: Hexenritt und Mondabfahrt
Zwei Rodelbahnen gibt es, den Hexenritt und die Mondabfahrt. Bei zwischen 20-40 Minuten lang, beide nicht ohne. Aber hey, es hat so Spaß gemacht. Egal, ob mit offener Hose oder ohne, einfach mal wieder den Berg auf einem Schlitten runterpesen, das ist eine Kindheitserinnerung. Zuerst bin ich mit vier anderen Presse-Kollegen und KollegInnen den wilden, schnelleren, kurvigeren Hexenritt gerodelt. Ich muss gestehen, ich war froh, dass der Schnee gut gebremst hat, vereist möchte ich diesen Weg nicht runter. In 20 Minuten sind wir wieder am Lift – und weiter ging es. Naja fast.
Das am Vieh Theater der Stoecklalm
Denn oben angekommen wird erst einmal der Einkehrschwung auf der Stoecklalm geübt. Das Essen ist großartig, ich kann die „Doping Kartoffel“ mit Hühnchen und Gemüse empfehlen. Die Alm hat nicht nur Après Ski, Außenterrasse und viele kleine Stuben, sondern auch eine Art „Streichelzoo“, das „Am Vieh Theater“, ich hätte gerne vorbeigeschaut zum Ziegen streicheln, aber man kann nicht alles in ein paar Stunden pressen. Abwärts ging es dann über die Mondpiste. Wesentlich gemütlicher, aber auch viel länger. Ich habe da nicht nur an der Hose gemerkt, dass ich schon länger nicht mehr sportlich unterwegs war. Der Schlitten hatte einen Linksdrall, blöde, wenn links der Abgrund droht (nicht als politischer Witz gedacht) und ich musste öfter wieder den Schlitten mit Gewalt auf Kurs bringen, schön in der Mitte. (auch das ist nicht politisch zu verstehen) – unten kurz vorm Ziel hatten sich dann noch zwei Skifahrer quer über den Weg gestellt, ich konnte sie gerade noch mit lautem Schimpfen wegstauben. Mit anderen Worten, es war großartig. Wenn das Wetter hält, wird das nochmal ausprobiert (mit neuer Hose), denn der Februar und März im Wilden Kaiser halten noch ein recht abwechslungsreiches Programm bereit, vom winterlichen Waldbaden bis zum Après Ski mit DJs oder Livemusik.
