Von schwäbischen Jungfrauen und Sisis Bettwäsche

schwabischeIch liebe alte, traditionelle Handwerkskunst. Handgemachte Ledertaschen, Kleider vom Schneider, Hüte von der Putzmacherin oder echte, gestickte Servietten und Bettwäsche. Viel davon ist bei uns selten geworden, weil nur noch wenige sich diesen Luxus leisten wollen. Aber in einer traditionsbewußten Stadt wie Wien ist davon noch einiges zu finden. Eines dieser wunderbaren Geschäfte ist der kleine Laden am Graben 26 „zur schwäbischen Jungfrau„. Ich bin rein, um einfach zu fragen, was es mit dem Namen auf sich hat, außerdem gefiel mir das Werbeschild. Eine reizende und unglaublich kompetente Verkäuferin namens Astrid erzählte mir, dass das Geschäft bereits 1720 gegründet worden war, um dort Leinenwäsche zu verkaufen, Tischtücher, Taschentücher, Bettwäsche und vieles mehr. Damit ist es das älteste Tuchgeschäft Europas. Der Gründer stammte aus Schwaben und brachte seine noch unveheirateten Töchter mit, die als Verkäuferinnen agierten. die müssen recht hübsch gewesen sein, die Wiener gingen gerne dorthin und kauften „bei den schwäbischen Jungfrauen“. Der Name blieb. Das Geschäft wurde bald Hoflieferant: die dreijährige Marie Theresia (später mal Kaiserin) bekam dort ihr erstes Spitzentaschentuch.

© 2013 Zur Schwäbischen Jungfrau - All Rights Reserved
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Und eine fast noch bekanntere Kaiserin bezog ihre Bettwäsche von da: Sisi. Zartestes Leinen, von Hand gefältelt und mit feinen Blattranken bestickt. Das Geschäft kaufte die wunderschöne Wäsche, die es selbst vor 150 Jahren hergestellt hatte, bei einer Auktion zurück. Ich durfte sie mir ansehen und das war schon was Besonderes. Wer ist kein Sisi-Fan…(wobei ich eher die misanthropische Seite an ihr mag und das Anker-Tattoo).

Auch heute kann man sich wie Sisi fühlen und dort individuelle Bett- und Tischwäsche bestellen. Die Monogramme werden nach persönlichem Wunsch entworfen und im eigenen Atelier des Ladens gestickt. Ich finde das wundervoll, das ist ein Luxus, der so gar nichts von der Markenprotzerei hat, die andere Monogramme über die eigene Individualtät stellt, sondern das ist wirklich vornehm. Und natürlich in einer Qualität, die sonst schwer zu finden ist.

Lobmeyr: auch von außen ein toller Laden. Foto: Martin Stöbich

So schön, dass es so schöne Läden noch gibt. Ein anderer Traditionsbetrieb ist übrigens Lobmeyr-Glas in der Kärntnerstrasse, der schon Gläser für Ludwig II, Erzherzog Rudolph oder viele andere hergestellt hat. Das MOMA in New York sammelt die Entwürfe, Alain Ducasse serviert darin seine Gaumenfreuden. Luster aus Lobmeyr-Produktion statten den privaten Wohnraum aus, aber auch Opernhäuser, Botschaften, Paläste und Moscheen von Mekka bis Medina. Das Unternehmen mit Store in der Wiener Kärntner Straße ist in sechster Generation inhabergeführt. 1823 gegründet, begeht es heuer sein 190-jähriges Bestehen.

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