Gerichte aus der Geschichte: Taste History Malta macht Zeitreisen zum Genuss
Malta ist eins der besten Ziele, das Foodies ansteuern sollten. Auf sehr kleinem Raum sind hier die Küchen verschiedenster Länder rund um das Mittelmeer vertreten. Italienische Küche, sizilianische Spezialitäten, arabische Mezze, türkische Eintöpfe, und sogar Fisch und Chips der letzten Besatzungsmacht England sind auf Malta in allerbester Qualität zu finden. Die kurze Zeit der französischen Kolonialherrschaft hat Croissants und Baguettes hinterlassen. Wer sich also einmal rund ums Mittelmeer schlemmen möchte, kann das wunderbar auf den Straßen Valettas tun.

Malta ist eine wahre Gourmet Sensation
Hinzukommt, dass die kleine Insel Malta über Naturprodukte von fantastischer Qualität verfügt. Honig, Olivenöl, Wein aber auch Tomaten und unzählige andere Gemüse und Obstsorten bekommen Gäste in Malta in einer Qualität auf den Märkten, dass es einem Mitteleuropäer die Tränen der Verzweiflung in die Augen treibt. Für so wunderbare Zutaten muss man hier in München viel Geld hinlegen, wenn man sie überhaupt bekommt. Deswegen ist Malta eine echte Gourmet-Sensation.

Kulinarische Zeitreise
Aber es ist nicht nur eine genussvolle Reise durch die Nachbarstaaten möglich, Malta bietet auch Zeitreisen an. Wie jetzt? Zeitreisen? Es stehen zwar an vielen Ecken noch britische Telefonzellen rum wie bei Doctor Who, aber so funktionieren die maltesischen Zeitreisen leider nicht. Doch findige Forscher haben sich ein unfassbar tolles Programm namens Taste History für Besucher der Inseln ausgedacht. Es besteht nämlich die Möglichkeit, Museen exklusiv zu besuchen, und dabei ganz hervorragend zu essen.

Moderne Spitzenköche bereiten nach alten Überlieferungen, uralten Kochbüchern und noch älteren Menükarten Kreationen aus längst vergangenen Zeiten zu. Zusammen mit Historikern lassen Sie so die Geschichte Maltas wieder auferstehen. Die Besuche genießen das hervorragende Essen und erfahren nebenbei noch eine Menge über den kleinen Inselstaat. Ich kenne solche Programme aus anderen Ländern nicht, und finde es eine unfassbar tolle Idee.

So werden kulinarische Geschichtslektionen von der Steinzeit bis zur Zeit der maltesischen Kreuzritter angeboten. Ja, richtig gelesen: auch die Steinzeitmenschen, die vor 6000 Jahren Malta besiedelt haben, haben nicht nur ihre gigantischen Tempel hinterlassen, sondern auch jede Menge Tierknochen, Tontöpfe und andere Hinterlassenschaften, die es den Food Archäologen ermöglichen, deren Lebensweise und Gerichte zu rekonstruieren. Faszinierend!

Zu Gast beim Großmeister im Marinemuseum
Ich hatte mit meiner Reisegruppe das unfassbare Glück, so eine Geschichtsstunde erleben zu dürfen: wir waren im 17. Jahrhundert zu Gast bei den Großmeistern des Maltesischen Ritterordens der Johanniter. Es ist natürlich logisch, dass so ein Großmeister nur vom allerfeinsten aß. Und deswegen wurden wir wahrhaft königlich bewirtet. Da die Großmeister von überall aus Europa kamen, gab es die besten französischen oder auch deutsche Weine, sogar den damals unfassbar luxuriösen Champagner. Der wurde uns auf einer Terrasse mit Blick über den Hafen serviert, Nur für uns war ein Tisch in einem Saal des Marinemuseums gedeckt. Ich war vollkommen begeistert und kann euch allen nur empfehlen, einmal so ein Essen zu buchen.

Was hat denn so ein Großmeister damals gegessen? Es gab drei Gänge, als erstes eine Gemüsesuppe, die mit vielen frischen Kräutern und einem speziellen, maltesischen Ziegenkäse angerichtet war. “so haben reiche Leute damals ihre Suppen verfeinert.“, erklärte unser Guide. Zum Hauptgang gab es Fischfilet, dazu ein überaus köstliches Gerstenrisotto und eine zarte Sahnesauce.

Natürlich ist ein Drei Gang Menü an heutige Essgewohnheiten angepasst. Zu damaligen Zeiten hätten wir wesentlich mehr gegessen, bei einem Festmahl kamen oft bis zu 15 oder 20 verschiedene Gänge auf den Tisch. Ganze gebratene Schweine, edelste Eintöpfe aus Huhn mit Safran und Gewürzen wie Nelken, Muskat, Kardamom aus Indien, und immer wieder kamen Gerichte, die weniger dem Genuss sondern mehr als wow Effekt dienten: zum Beispiel ein Pfauenbraten, der mit seinem eigenen Gefieder serviert wurde. Und das Essen kam nicht besonders heiß auf die Teller, Wärmeplatten waren damals noch nicht erfunden.

Der gesamte Reichtum des Mittelmeeres
Es ist ein großer Irrtum zu glauben, dass Menschen früherer Zeit sehr einfach oder geschmacklos gegessen hätten. Das Gegenteil ist der Fall. Auf den Tischen der Reichen wurde nicht gegeizt mit Kräutern, Gewürzen, mit feinsten und frischesten Zutaten. Eben frisch geangelte Fische wurden zubereitet, selbst angebautes Gemüse frisch genutzt. Brot wurde täglich frisch gebacken. Ich hätte mich im 17. Jahrhundert vermutlich recht wohl gefühlt… zumindest, wenn ich sehr reich gewesen wäre. Und die Maltesischen Ritter und Kaufleute waren sehr, sehr reich. An ihnen kam niemand vorbei, der seine Waren über das Mittelmeer schippern wollte und sie haben mit allen Geschäfte gemacht und dabei selber gut verdient. Was die Ritter damals machten, war schon ein bisschen Schutzgelderpressung.

Die Bitter-Orangen von Versailles
Der Nachtisch war etwas, was ich nicht mehr vergessen werde: ein Bitterorangen-Sorbet. Die bittere Orangen stammen aus dem selben maltesischen Obstgarten, aus dem sich schon Ludwig, XIV die Pflanzen für seine Orangerie in Versailles holte. Diese aromatischen Orangen werden gesammelt, die Schalen aufwändig aufgekocht und zusammen mit ihrem Saft und Zucker zu Eis verarbeitet. In den Zeiten, in denen Eismaschinen oder gar Kühlschränke noch nicht erfunden waren, war das ein fantastischer Luxus. Es gab früher Schiffe, die täglich das ewige Eis rund um den sizilianischen Ätna nach Malta brachten, nur damit die Reichen ein Sorbet genießen konnten. Was für ein Aufwand! Dafür ist heutzutage der Aufwand selten geworden, den das Küchenteam dem Sorbet angedeihen ließ. Ich habe selten einen so guten Nachtisch gegessen. Es war ein unvergesslicher Abend auf Malta und hat mir die wunderschöne Insel noch ein bisschen näher gebracht.
Wenn ihr Lust habt, so einen kulinarischen Abend zu buchen: Heritage Malta besuchen – dort könnt ihr euch über aktuelle Events erkundigen, oder selber einen exklusiven Tisch reservieren. Ein Mann hat einmal das komplette Marinemuseum für einen Heiratsantrag gemietet – auch das ist möglich
