Liegenbesetzen im Urlaub – nächstes Level! Oder: Frauengruppen sind die Schlimmsten!

Was früher nur bei Billigtouristen auf spanischen Inseln üblich war, greift mittlerweile auch in teuren Wellnesstempeln um sich: Liegenbesetzen mit Handtüchern. So meide ich am Wochenende die Therme Erding, denn dort warten zur Eröffnung am Morgen lange Schlangen vor den Kassen, die möglichst schnell den Sauna-und Familienbereich stürmen wollen, um sich möglichst vorteilhafte Plätze zu sichern. Ausgestattet mit vielen Handtüchern, Fresskörben und Badeaccessoires werden reihenweise die Liegen und Sitzgelegenheiten okkupiert. Damit auch jeder garantiert ein Plätzchen hat, wenn er oder sie aus dem Wasser oder der Sauna kommt. Dass jeder immer ein Plätzchen bekäme, wenn niemand reservieren würde, ist eine Logik, die diesen Egoisten fremd ist.

Die Therme Erding hat mittlerweile das Geschäft dabei erkannt: Badegäste können sich schicke Hüttchen für den Privatgebrauch zum Ticket dazu buchen. Clever von der Therme, so macht man aus dem Wahnsinn ein Geschäftsmodell.

15 Liegen für fünf Frauen besetzen

Aber das ist alles noch gar nichts. Ich war am Wochenende in einem sehr, sehr schönen Wellnesshotel. Mit einem winzigen Makel: im traumhaften Wellnessbereich werden die Liegen besetzt. Da bleibt mir echt nur ein Augenrollen. Als ich den Hotelbesitzer darauf angesprochen habe, reagierte er leicht verzweifelt: „Wir bringen überall Schilder an, dass das nicht gestattet ist, wir entfernen die Handtücher. Aber das ist wirklich schwer, die Leute werden dann fuchsteufelswild.“ So erzählt er von Wellnessfrauengruppen, die mit den Hotel -und eigenen Handtüchern ausgestattet, strategisch den gesamten Wellnessbereich okkupieren: fünf Liegen bei den Wasserbetten, fünf Liegen im Plauderbereich, fünf Liegen am Pool – also 15 Liegen dafür, dass sich fünf Frauen maximal ausbreiten können. Einsicht? Fehlanzeige. „Die machen dann richtig Rabatz und drohen mit schlechten Bewertungen“, so der Wirt. Na danke. Ich frag mich wirklich, was in den Köpfen solcher Menschen vorgeht.

Es gilt vielen als Unsitte, wird aber in den Urlaubshochburgen hartnäckig praktiziert: das Reservieren einer Liege mit einem Handtuch. Ist das denn erlaubt?

Immer wieder artet diese Praxis in hitzigen Diskussionen und mitunter auch in handfestem Streit aus. Aber ist es überhaupt erlaubt, sich früh morgens mit dem Handtuch eine Liege für den Tag zu reservieren, während andere noch schlafen

Eine einheitliche Regelung oder gar ein Gesetz gibt es dazu nicht. Wie damit vor Ort umgegangen wird, liege in der Verantwortung jedes Hotels, erklärt Veranstalter Thomas Cook. „Manche Hotels tolerieren diese Praxis, andere verbieten das und räumen auch Handtücher ab“, sagt Sprecher Mathias Brandes. Das Vorgehen sei ganz unterschiedlich. Gerne gesehen ist die Marotte deshalb aber noch lange nicht: „In unseren Hotels und Resorts ist es nicht erwünscht, Sonnenliegen am Pool oder am Strand zu reservieren“, sagt Tui-Sprecherin Anja Braun. In den Robinson-Clubs zum Beispiel werden Gäste aktiv angesprochen, wenn sie eine Liege mit dem Handtuch belegen.

Phänomen Liege besetzen soll auf dem Rückzug sein

Auch die DER Touristik erklärt: In den meisten Hotels werden Gäste gebeten, keine Liegen zu reservieren. Mit mäßigem Erfolg: Selbst wenn morgens alle Handtücher in den Pool geworfen werden, habe dies manchmal nicht den gewünschten Lerneffekt, berichtet Sprecherin Anne Schmidt. „Wir als Veranstalter können nur an die Vernunft und das soziale Gewissen unserer Gäste appellieren.“ Das Phänomen der frühmorgendlichen Liegenbesetzer sei aber eher auf dem Rückzug. dpa

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2 Kommentare

  1. Das hört sich ja fürchterlich an. Mir war gar nicht bewusst, dass so etwas sogar in Wellness-Hotels gemacht wird. Das ist entsetzlich rücksichtsloses Verhalten und Egoismus pur. Von geistigen Fähigkeiten möchte ich hier nicht reden, sonst eskaliere ich nur. Mir tun da die Hotel-Mitarbeiter nur Leid, sie dürfen die Gäste ja auch nicht verärgern.
    Du siehst aber so aus, als hättest eine Liege erwischt und genießt den Tag.
    Liebe Grüße
    Karen

    1. Es ist tatsächlich auffallend, wie rücksichtslos die Leute mittlerweile versuchen, nur ihr eigenes Wohlbefinden zu maximieren. Und ja, ich finde immer was. Das ist ja das Lustige: niemand müsste reservieren, wenn niemand reserviert.

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