Wieviel Diktatur ist okay? Oder: wird unsere Urlaubswelt immer kleiner?
Ich habe mich neulich mit zwei Journalistinnen auf der ITB unterhalten, es ging um die Frage, ob man noch nach in verschiedene östliche Länder wie Rumänien, Bulgarien oder Georgien reisen könnte. Ich war sehr dafür, die beiden anderen dagegen. Zu gefährlich, weil zu nah am Krieg in der Ukraine, außerdem politisch fragwürdig, weil Russland zu nah. Und nach Italien oder Dänemark würde sie auch nicht mehr fahren, meinte eine, weil dort die Rechten regieren. Türkei auch nicht, Ägypten nicht, USA auch nicht mehr.

Nur noch politisch korrekte Urlaubsländer?
Ich sehe das anders – und halte das auch für völlig übertrieben. Wenn es danach ginge, nur in politisch absolut korrekte Länder zu besuchen, wäre so gut wie jede Region der Erde eigentlich nicht mehr betretbar. Es gibt verständliche Ausnahmen: Der gesamte nahe Osten ist im Aufruhr, und auch wenn der Iran auf der ITB um Touristen warb, da möchte ich nicht hin – zu groß ist die Gefahr, als politisches Faustpfand festgesetzt zu werden. Von Afghanistan schweige ich als Frau sowieso.

Ich muss gestehen, dass ich keine große Lust auf Länder habe ich, die von besonders kriegerischen Autokraten regiert werden. Die Begeisterung mancher Touristen für Nordkorea hat sich mir nie erschlossen, auch das Russland Putins ist leider ein Land, dass ich nicht besuchen werde. Obwohl ich sehr nette Russen kenne, und ich eigentlich schon lange das Bernstein-Zimmer in St. Petersburg sehen wollte. China dagegen, die Türkei, Aserbaidschan oder Usbekistan, warum denn bitte nicht? Im Gegenteil, es bringt gar nichts, diesen Ländern mit Liebesentzug bei der Buchung noch weiter zu schaden. Zumal ich nicht weiß, ob sich die weltpolitische Lage nicht noch irgendwann verschlechtert und es überhaupt nicht mehr möglich ist, die Schönheit dieser Länder zu erkunden.
Unsere Reisewelt wird immer enger
Ich wollte als Kind immer die Ausgrabungen im Irak und Iran sehen, ich wollte noch Mossul und ins uralte Ur. Davon träume ich immer noch. Aber ich denke nicht, dass es mir zu meinen Lebzeiten vergönnt sein wird, den Irak und Iran einmal zu besuchen. Da bin ich schon fast froh um die „Beutekunst“ in westlichen Museen, die zumindest einen kleinen Blick auf die Wunder der Vergangenheit erlauben. Russlands Wunder sind erstmal tabu, Israel und der Libanon zu gefährlich, es ist schade, dass die Welt des Reisens immer kleiner zu werden scheint.



Für mich ist der Standpunkt glasklar: ich trage mein Geld nicht in die Länder von Despoten und Diktatoren. Ich bin dankbar, daß ich z.B. Russland sehen konnte, als das noch mit Freude ging, und für vieles, was als Reiseziel für mich nicht in Frage kommt, gibt es phantastische Reiseberichte im TV… Da mein Mann und ich außerdem beschlossen haben, nicht mehr zu fliegen, entdecken wir jetzt Europa noch gründlicher – ein wirklicher Gewinn.
Eine klare Haltung. Es gibt, wie gesagt, ja Menschen, die sogar Ziele in Europa ausschliessen, das verstehe ich nicht.
Hmm, politische Unsicherheitsfaktoren sind mM sehr wohl Gruende fuer ‚Anti-Reisen‘; Russland (und etliche ‚zuuu‘ muslimische obwohl geld-interessierte Laender) bedauere ich darum sehr!Jedoch: auch die (noch?) ‚gemuetlicheren/zuverlaessig(er)en‘ Laender scheinen ordentlich an ‚Leucht-/Zugkraft‘ zu verlieren, wie mir Feedback im eigenen Freundes- und Bekanntekreis zeigt. Die haeufigste Beschwerde: zuuu ‚(geistes-) abwesender‘ Service mit wenigst Problem-Loesungs-Willigkeit zwar deutlichst zugesagter aber nicht eingehaltener Buchungungsversprechen.
Damit verbundenes Problem: Anti-Werbung im gesamten Freundes- und Bekanntenkreis (= selbiges kann man eben NICHT gesetzlich Unterbinden und DIEse laeuft und laeuft und laeuft …)
… und die Fluglinien erst ….. Augenroll bzgl. deren schlechten ‚Huete-Hund-Gebeisse/-Verhalten‘. (D)ein gesamter vorsorglich guuut zeitlichst anberaumter ‚Verbindungsflug-Jagd-Plan‘ kann sich in ein extrem teures Fiasko* verwandeln durch deren angewandte ‚Hoehere-Geldspar-Gewalt/Kosten-Raffungs-Versuche‘ bei NULL Verantwortungsuebernahme/Entschaedigung.Mein sehr persoeliches Glueck: ich wohne wenigstens sehr nett und Dienstreisen sind nicht mehr (noetig). Ausserdem: Urlaub ist kein Muss/Zwang sondern absolute ‚Freiwilligkeit zum Geldverprassen‘ !
*Plus die absolute Null-Loesung f. aufgestueckelte Uebersee-Fluege mit Duty-free-Beute, welche dann durch die aufDIKTIERTE! Flug-Umbuchung diese zollfreie Beute auf einem Inlandsflug urploetzlich strafbar macht = ohhhh ‚Begeisterung‘ ^^! In den eigenen Koffer kann man naemlich dann auch nicht mehr, denn Selbiger reist ja separat evtl. gaaaanz andere Wege als der Besitzer. Ausserdem ist Gepaeck meist schon vor Duty-free aufzugeben und Handgekpaeck unterliegt anderen Sicherheits-Auflagen.
Ich finde, es gibt noch viele Länder zu bereisen in der Welt. Meine Reisewelt ist total minimalistisch, den ich kann es mir einfach nicht leisten. Der Ausflug in die nächstgrößere Stadt mit dem ÖPNV reißt bereits ein Loch in meine Tasche, geschweige denn eine Fahrt innerhalb NRW zu meinem Sohn. Daher sind die Ziele die du anstrebt für mich so oder so unerreichbar. Aber die Reisewelt fühlt sich für mich mit Zielen in Europa schon groß an. Wenn ich träume ä, dann wären meine Ziele außerhalb Südamerika, die Mongolei oder Kanada. Und da wäre die Regierung des Landes vollkommen wurscht.
Vielen Dank für deine Reiseberichte, sie nehmen mich immer mit, wohin ich selber in diesem Leben nicht kommen werde. Liebe Grüße, Britta
Das ist unglaublich lieb von dir! Ich werde mich bemühen, noch bessere und inspirierende Berichte zu verfassen.