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Hauben unter Lauben – Tipps fürs kulinarische Salzburg

Das Tollste an einer Bloggerreise: ich lerne Orte kennen, die ich sonst niemals kennengelernt hätte. Dafür bin ich dem Bloggen extrem dankbar. Und dieses Mal in Salzburg haben wir von allem die volle Breitseite bekommen – auch kulinarisch. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so viel so Gutes in so kurzer Zeit gegessen zu haben. Und dabei haben wir Salzburg nur angekratzt. Diese Stadt ist ein Paradies für alle, die gern gut essen! Alles schmeckt irgendwie besser. Man muss nur in eine Bäckerei gehen, dort die Kipferl probieren und wird feststellen, die Österreicher haben es einfach drauf. Aber dennoch gibt es ein paar Lokale, in die wir Tagesausflügler nie gehen würden. Das ist ein Fehler und wieder ein Beleg für die These: in Salzburg muss man über Nacht bleiben. Zum Beispiel das M32, das im Museum der Moderne auf dem Mönchsberg 32 über der Stadt thront und einen fantastischen Ausblick bietet und auch ein großartiges Frühstück haben sollen – das erzählt jedenfalls Ursalzburgerin Claudia Braunstein, die den grossartigen Blog „geschmeidige Köstlichkeiten“ führt und die Reise mit organisiert hat: „es ist einer meiner Kraftplätze, der Blick ist einfach einmalig“, berichtet sie. Und das Essen wohl auch (wir sind Nachmittags auf ein Glas Champagner da, nicht zum Essen – deswegen weiß ich das noch nicht aus eigener Erfahrung) Ich durchstöbere die Speisekarte und lese, dass am Wochenende Brunch und vor allem Sonntagsbraten angeboten wird. Den Trend zur Renaissance des gemeinsamen Familienessens am Wochenende finde ich großartig, in vielerlei Hinsicht – ich glaube, dass vegetarisches Essen unter der Woche und am Sonntag einmal Fleisch das nächste große Ding wird!

Das M32 wirkt als Aussichtspunkt über der Stadt entrückt, ist aber kinderleicht zu erreichen: Wir fahren nur kurz direkt von der Altstadt mit dem Lift hoch, der Aussicht wegen. Definitiv ist das M32 eins der Lokale, die ich noch besuchen muss, zusammen mit der Ausstellung der israelischen Künstlerin Sigallit Landau, die Objekte im toten Meer versenkt hat und sie dort vom Salz in Skulpturen verwandeln ließ.

Alles ist käuflich im Magazin

Stattdessen gehen wir am ersten Abend ins Magazin, einem tollen Geheimtipp. Nicht für die Einheimischen, aber Touristen verirren sich eher selten hierher. Das Hauben-Lokal ist nicht leicht zu beschreiben: eine Mischung aus lässigem Bistro, Weinkeller und Geschäft – denn alles, vom Interior bis zum Olivenöl kann gleich vor Ort erworben werden. Das Magazin zelebriert einfach einen Lifestyle, der mir gefällt. Wenn mein Umzug etwas weiter gediehen ist, werde ich wiederkommen und für die neue Wohnung shoppen, shoppen, shoppen…aber das muss warten: Wir genossen an dem Abend viele kleine Köstlichkeiten – Teilen ist hier Gebot. Manchmal (beim Tartar zum Beispiel) fällt mir das Teilen schwer. Im versteckten Hof des Lokals sitzen coole Menschen aller Altersklassen und genießen das Essen und exzellente Weine. Unbedingt vorbeischauen!

Salzburger Tradition seit 1200 Jahren

Das Stiftskulinarium St. Peter existiert seit 803 und ist damit das ältestste Restaurant Europas. Unvorstellbar, was es in dieser Zeit an Geschichte gesehen hat ( 803 war Karl der Grosse gerade 3 Jahre Kaiser, damals glaubte der Norden Europas noch an Odin und Thor) – natürlich war es ursprünglich ein Kloster, das auch Pilger beherbergte. Das riesige Restaurant mit 11 verschiedenen Sälen, Kammern und traumhaftem Innenhof war bei den Salzburgbesuchen meiner Kindheit immer fester Programmpunkt, wegen der Salzburger Nockerl, ich hab davor eine Suppe gegessen und mich anschließend auf die fluffige Nachspeise gestürzt, die riesige Portion hat pappsatt gemacht. Mein Papa hat immer die Reste aufgegessen. Mittlerweile hat das Lokal neben den traditionellen Spezialitäten noch eins draufgesetzt und serviert haubengekrönte Feinschmecker-Küche, aber die Nockerl gibt es natürlich immer noch. Ich hätte sie aus Nostalgie gern bestellt…ich bin sowieso der Meinung, ein gut gemachtes Wiener Schnitzel und andere traditionelle Gerichte sind einer Haubenküche fast ebenbürtig. Für mich wird das Stiftskulinarium immer geliebter Teil eines Salzburgbesuches bleiben.

Sachertorte, Schafsmilcheis und Mozarts Stammcafe

In einem Nebengang der Getreidegasse entdecke ich eine ganz besondere Eismanufaktur: Eisl führt Eis aus Schafmilch. Das muss ich natürlich probieren! Und es schmeckt wow! Erdiger als Kuhmilcheis, vollmundig, würzig – um das Eis kennen zu lernen, kaufe ich zwei Kugeln, einmal pur mit Honig, einmal Sachertorte. Beides grossartig.

Traditionell ist natürlich ein Besuch beim Cafe Tomaselli. Und obwohl es mitten im Zentrum zu finden ist, ist das Cafe keine Touristenfalle, sondern auch die Salzburger fühlen sich hier pumperlwohl. Seit 1700 existiert dort ein Cafe, zu Mozarts Zeiten hieß es Staiger und der lebenslustige Komponist war oft zu Gast. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Cafe im Besitz der Familie Tomaselli, es weht ein Hauch Nostalgie durch das Etablissement, wenn die Bedienung in weisser Schürze die Bestellung aufnimmt. Auch hier ist ein Topplatz zum Frühstücken und der Balkon im ersten Stock ein Logenplatz für das Schauspiel Salzburg, inszeniert und aufgeführt von der Salzburger Bevölkerung.

Seven Senses über der Salzach

Im Seven Senses, auf der anderen Seite der Salzach, haben Besucher der schicken Dachterrasse auf dem Dach des mondänen Hotels Stein einen gigantischen Blick über Salzburg. Wir waren dort eine „Kleinigkeit“ zu mittag essen, aber es gab ein Missverständnis und das Lokal hat alles serviert, was es auf der Karte hatte. Das war einerseits toll, andererseits…ich dachte, ich platze. Aber es war einfach zuuuuu gut. Das Seven Senses hat eine moderne, frische Küche, die wundervoll zur Terrasse passt – es ist wie ein Ausflug in ein elegantes Ferienressort auf Capri. Leicht, kräuterwürzig, mediterran, viel frischer Fisch, Pasta, Auberginenparmigiana, Salate…wir kamen nicht mehr mit dem Fotografieren nach…und mit dem Essen.

Das Motto schon im Namen: Jakobs Esskultur

Bei der Esskultur waren wir an einem anderen Tag zu Mittag und ich war begeistert. Ganz nah am Domplatz und doch schon weit weg von den Touristenpfaden ist das Lokal in einem Bürgerhaus von 1415 ein echter Geheimtipp. Hier wird vor allem auf die Qualität der Zutaten wert gelegt, wenn möglich kommt alles von regionalen Herstellern, die persönlich bekannt sind. Jakob führt das kleine, feine Lokal zusammen mit seiner Frau Elisabeth. Ein charmantes Duo! Der ehemalige Käsesommelier und Küchenchef will Regionales, österreichische Klassiker und internationale Küche zu etwas Neuem verbinden. Auch hier im Esskultur funktionieren die Bestellungen über das Sharing-Prinzip. Ich bin nicht nur ein Fan davon, aber um sich durchzuprobieren, gibt es nichts Besseres. Und dafür sind wir dieses Mal ja da. Das nächste Mal esse ich die Scampi allein auf….

Fazit: Salzburg punktet nicht nur mit Kultur, sondern auch mit traumhaften Lokalen. Ich könnte noch einiges auflisten, das Carpe Diem und das Hangar7 etwa, die beide zum Red Bull Imperium gehören. Im Carpe Diem war ich schon zu Gast, dort bekommt man tolle kleine Happen und hervorragenden Tee Und zählt für diese Qualität nicht viel. Im Hangar 7 haben wir sogar den Allspringer Felix Baumgartner gesehen, mit einem etwas untersetzten Herren im Schlepptau. Aus der Zeitung haben wir erfahren, dass das John Travolta gewesen ist. So was passiert einem auch nur in Salzburg….

4 Kommentare zu “Hauben unter Lauben – Tipps fürs kulinarische Salzburg

  1. Wundervoller Artikel zu Salzburgs Kulinark! Vielen Dank nochmal für den Besuch und die schönen Zeilen 🙂
    Mit besten Grüßen aus der Mozartstadt, Magdalena – salzburg.info

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  2. Liebe Katrin, ein Wahnsinn, dass das alles schon wieder über vier Wochen her ist. Ich freue mich, dass ständig Beiträge über die Reise hereintrudeln, da kann ich mich dann noch länger daran erinnern. Schön, war’s mit euch. Liebe Grüße aus Salzburg, Claudia

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    • katrin hilger

      Es ist bloß irre kompliziert mit sehr wackeligem Netz mit einem
      Tablet zu bloggen. Ich bin jetzt froh, halbwegs was aufs Papier gebracht zu haben – und besser jetzt die ganzen Fehler aus. Es war eine tolle Reise, in der Tat. Der dritte Teil kommt vor der Wiesn und widmet sich Trachten.

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