Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat das beste Eis im Land?

Wer in diesem Artikel jetzt einen irren Geheimtipp erwartet, der wird enttäuscht sein. Die besten Eisdielen in München sind nun wirklich kein Geheimtipp mehr. Wenn sie gut sind, sind sie nämlich schnell nicht mehr geheim und wenn sie geheim sind, sind sie meist nicht gut. Aber vielleicht gibt es ja doch noch den einen oder anderen Tipp…

Doch zuerst mal – wie definiere ich gutes Eis? Das sieht ja jeder unterschiedlich – die einen mögen es supersüß und supersahnig, die anderen wollen es eher herb. Für mich ist des Referenz-Eis immer noch das Vanilleeis einer Rosenheimer Eisdiele namens Venezia – damals in den 70ern. Damals konnte man mit künstlichen Farb- und Aromastoffen noch nicht so gut umgehen. Deswegen war das Vanilleeis ganz blassgelb und voller schwarzer Punkte – echte Vanille. Die Eisdiele gibt es noch, das Vanilleeis nicht mehr. Jetzt ist es auch buttergelb und durch und durch künstlich aromatisiert. Manchmal träume ich von diesem Eis… Ich mag Eis, wenn es nicht so süß ist, nicht völlig überladen oder allzu cremig. Ben&Jerrys kann mich mit seinem Überfluss an Stückchen und Keksteig und Saucen und Tralala gar nicht locken… Ein Zitroneneis muss richtig sauer sein, aromatisch und voller Zitruspower. Ein Erdbeereis muss nach Erdbeeren schmecken. Oder ich mag völlig durchgeknallte Geschmacksrichtungen.

Die beiden Pole, zwischen denen mein Geschmack oszilliert, sind deswegen Ballabeni und der Verrückte Eismacher. Sarcletti mit seinen Hunderten von Sorten überfordert mich. Ich kann mich dann nie zwischen Sorten wie Mozartkugel, Marillenknödel oder Aperol Sprizz oder Ananas-Chilli entscheiden…

Ballabeni bedeutet Eis ist pur. Haselnuss, Schokolade, Mandelmilch, Zitrone-Basilikum, Mango. alles schmeckt nach dem, nach dem es benannt ist. Keine Mätzchen, kein ChiChi. Das Eis von Ballabeni ist nichts für Menschen, die gerne große Mengen sahniges, übersüßtes Zeug reinpfeffern – das will genossen werden. Das Eis wird aus guten Zutaten hergestellt und kostet mittlerweile 1,60 Euro die Kugel. Nicht günstig, aber seinen Preis wert. Qualität kostet eben. Und die wird eindeutig verwendet. Weil die Eisdielen (mittlerweile gibt es neben dem Stammhaus noch ein zweites Lokal) so gar kein Geheimtipp mehr sind, sind lange Schlangen davor die Regel.  Muss man halt durch. Und, wie Peter Lindbergh meinte, die beste Gelegenheit, Leute kennenzulernen, sind Warteschlangen (das war, nachdem ich drei Stunden in seiner Autogrammschlange gewartet hatte) – also Singles, ran, und sich überlegen, hinter welchem schönen Mann/schöner Frau man sich einreiht.

Beim verrückten Eismacher bewundere ich nicht nur das Eis, das in Sorten wie „Grinsekatze“, „Himbeer Baiser“ oder „Erdbeer Champagner“ daherkommt, sondern das Durchhalten eines Gesamtkunstwerks. Das Thema der Eisdielen ist „Alice im Wunderland“ – uns deswegen zieren große Wandgemälde von Figuren aus dem Buch die Wände, der verrückte Eismacher hat sich selbst als verrückten Hutmacher auf der Wand verewigt, die Verkäuferinnen tragen Märchenkostüme und sogar die Becher und Löffel sind in Hutform. Absolut genial, witzig und immer zum Fotografieren gut.

Gut schmecken tun die Eissorten natürlich auch. Sehr fruchtig, intensiv die Sorbets, sahnig, aber nicht pappsüss das Milcheis. Berühmt wurde das Geschäft (mittlerweile gibt es zwei Filialen) aber durch völlig wahnwitzige Sorten: Augustinerbier Eis, Leberkäse Eis oder sogar Döner Eis – das muss man nicht probieren.  Es wird nämlich so gemacht, dass tatsächlich Döner püriert werden und dann in eine Eismasse gemischt werden. Ein perfekter Werbegag, um einen Laden bekannt zu machen, aber wer will schon Schweinebratensorbet? (wobei das Biereis gerade bei Männern sehr beliebt ist)

Eis Wilhelm ist ein Neuzugang zu den Münchner Topeisdielen – Eis Wilhelm bedeutet „Eis plus X“ – und nimmt den Trend des Foodpairings auf.  Zum Eis werden Toppings gereicht, die dem Geschmack nochmal einen Extrakick geben. Das kann manchmal recht ungewöhnlich wirken, aber es passt einfach. Zum Pistazieneis gibt es Fleur de Sel, aufs Bananeneis etwas Petersilie, Erdnusseis wird mit kleinen Baconwürfeln getoppt. Muss man unbedingt probieren – für Foodies das Paradies! Der kleine Laden ist am Lenbachplatz 7, etwas versteckt. Aber sucht den Weg dorthin, es lohnt sich.

Und – zum Schluss, weil ich viele Veganer unter der Leserschaft habe, möchte ich auch Ice Date nicht außen vor lassen. Der Name ist ein Wortspiel, denn statt Zucker verwendet die Eisdiele Datteln (englisch Date). Die Milch wird durch Chashewnussmus ersetzt. Das macht das Eis zwar lecker, aber unfassbar mächtig. Mit drei Kugeln hat man locker eine volle Mahlzeit gegessen.  Ich will der Einfachheit halber von der Webseite zitieren: “ iceDate besteht aus Bio-Früchten, Bio-Nüssen/Bio-Samen und Wasser. Bei manchen Sorten verwenden wir auch Bio-Gemüse (z.B. Karotte für unser leckeres Karotte-Erdnuss-Eis), Bio-Blüten (z.B. Holunderblüten für unser Zitronen-Holunder-Sorbet) oder ätherisches Öl (z.B. ätherisches Minzöl für unser Schoko-Minz-Eis). Wir verwenden keinerlei Zusatzstoffe und setzen auch keinen Zucker zu“ – als zuckerfrei, glutenfrei, vegan. Passt, oder?

Was sind eure Lieblingseisdielen – in München oder anderswo?

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