Sex, Suff und Selbstmord

KV4ZUTolle Überschrift, oder? Dabei soll es in diesem Artikel um Archäologie gehen. Aber die saftigsten Geschichten liefern meist die antiken Herrscher. Gegen die sind die Stars und Politiker und Könige der Neuzeit die reinsten Mauerblümchen. Eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Altertums war Herodes der Große. Der Mann war eng verwoben mit der römischen Geschichte, schaffte es, bei den Kriegen zwischen Cäsar und Pompeius und später zwischen Augustus und Marc Anton (und Cleopatra) immer auf der richtigen Seite zu stehen und war einer der reichsten Männer des römischen Imperiums. Diesen Reichtum erlangte er durch Agrarexporte und – damals wie heute -mit Erdöl. Damals natürlich nicht zum Betreiben von Motoren, sondern zum Abdichten von Schiffen. Diese überaus wichtige und exklusive Substanz exportierte er ins gesamte römische Reich und wurde damit so reich wie die heutigen Scheichs. Der mehr als nur leicht paranoide Machtmensch heiratete zehn Mal, liess diverse Frauen und sogar seine Söhne hinrichten, immer in Angst, irgendwer könnte ihm seine Macht streitig machen. Er war ein megalomanischer Bauherr, erbaute das fantastische Caesarea und die Bergfestung Massada. Und – den zweiten Tempel von Jerusalem, dessen Westmauer (bekannt als Klagemauer) immer noch steht. Und er baute überall immer abgeschiedenere Festungen. Schliesslich wusste er, dass sich ein irrer Herrscher wie er immer am besten auch vor der eigenen Bevölkerung schützen muss.

Antiker Poll in Cäsarea, indem damals wilde Orgien stattgefunden haben
Antiker Pool in Cäsarea, indem damals wilde Orgien stattgefunden haben

In Caesarea, damals einer der größten Häfen der Antike, sind noch das tolle Amphitheater, Reste des Palastes etc zu bewundern. Unter anderem auch der Palastpool, der noch von erotischen Spielen des Königs und seiner Kumpels erzählt. Der Pool hatte nämlich in der Mitte eine Säule, da stand damals eine nackte Dame (sah vermutlich auch nicht anders aus als ein Playmate heute, die Männer ändern sich nicht) und vier Männer konnten von den vier Ecken des Pools um die Wette schwimmen, wer als erster bei der Säule war, hatte gewonnen und durfte sich mit dem antiken Playmate verlustieren. Vermutlich haben die Freunde den Herrscher immer gewinnen lassen, wenn ihnen ihr Kopf lieb war. Rund um den Pool gab es sowieso Mädels en Masse, ein antikes Playboy Mansion. Yachten hiessen eben Lustbarken und Parties Orgien. Wer eine Oligarchenparty im Billionaire Club von Flavio Briatore vor Augen hat, nur in Togas, hat vermutlichein ziemlich genaues Bild. Und der weiß dann auch, warum die römischen Herrscher, denen im heimischen Rom immer die strengen Sittenwächter auf den Fernsen waren, sich so gerne Richtung Judäa verzupften, um dort richtig die Sau rauszulassen, unbeobachtet von den moralinsauren Römern. In Caesarea hatte Herodes die Idee eines geschützen Hafens und liess gigantische Mauern im Mittelmeer errichten, um die Schiffe vor den Stürmen zu schützen – und damit den Handel der gesamten Region über diesen Umschlagplatz laufen zu lassen. Damals ein Geniestreich.

MasadaWas Herodes der Große noch gebaut hat, war Massada am Toten Meer. Da waren wir auch und es war sehr beeindruckend. Ein kompletter Palast in der totalen Einöde. Aber wer En Gedi gesehen hat,weiß, was mit einer guten Bewässerung möglich ist, und die Bewässerung von Massada war exzellent. Deswegen hat sich dort der letzte Widerstand der Juden nach der totalen Vernichtung des Tempels und Jerusalem durch Titus versammelt. Mehr als ein Jahr liessen die Römer die Rebellen in Ruhe, rückten aber dann doch gegen die festung vor. Kurz vor dem finalen Erstürmen entschlossen sich die Leute zu einer Verzweiflungstat und begingen kollektiv Selbstmord, um der Slaverei zu entkommen. Besser tot in Freiheit als Leben in Sklaverei. Ein Drama mehr in der an Dramen so reichen Geschichte dieses Lands.

Nahe von En Gedi finden sich auch die Höhlen von Qumran, wo die ältesten Bibelfragmente gefunden worden sind.

1747
Antike Säule (rechts) und ich (links)

Für Leute, die an antiker Geschichte interessiert sind, ist Israel sowieso eine einzige Schatzkiste. Ich habe jahrelang meine Semesterferien genutzt, um in Tel Dor, einer phoenizischen Siedlung am Mittelmeer, 50 Kilometer oberhalb von Tel Aviv, auszugraben. Das geht auch für Laien und hat immer viel Spaß gemacht. Tel Dor ist eine recht unbekannte Ausgrabungsstätte, es gibt auch berühmtere wie Gath, die Stadt des Goliath oder Meggido, Magdala, Jericho, Tiberias, Caesarea, Akko…eigentlich kann man das ganze Land umgraben um immer wieder auf neue, spannende Dinge zu stoßen. Alle paar Jahre macht sich auch einer in Indina Jones Spuren auf die Suche nach dem heiligen Gral und vor allem der Bundeslade, die immer noch irgendwo in Israel vermutet wird. Am bedeutsamsten und auch am gefährlichsten sind die Ausgrabungen in der Davidstadt. Diese Geschichtsebene von Jerusalem liegt mitten im arabischen Viertel, und da hat man was dagegen, wenn die Juden ausgerechnet dort ihre Geschichte ausgraben. Den Tempelberg würden alle Archäologen gerne ausgraben, aber da wäre der 3. Weltkrieg ganz nah, wenn da was falsch gemacht wird. Deswegen ist dieser hochspannende Komplex tabu und es wird modernere und aufgeklärtere Zeiten und Menschen brauchen, bis wir uns an den Berg wagen können und dort die alte Geschichte wieder ans Licht bringen. Ab und an werfen die Araber „Schutt“ raus, auf den sich die Archäologen stürzen und in dem Münzen etc aus der Zeit des ersten Tempels gefunden worden sind.

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