3 tolle Wanderrouten in den kühlen Wäldern Frankens
Nachhaltig und genussvoll Wandern in Franken: Entdeckungsreise auf dem Frankenweg, dem Grünen Band und dem Jakobsweg
Jetzt, bei der Hitze sehnen wir uns nach der kühlen Grüne eines Waldes. Wenn die Sonnenstrahlen durch das Blätterdach fallen, die warme Erde nach Moos und Pilzen riecht, lässt sich auch der heißeste Sommertag gut aushalten.

Da wäre Franken ein ideales Ziel dafür. Wir Oberbayern neigen immer dazu, bei Ausflügen in die Natur sofort an die Alpen zu denken, aber das ist ein Fehler. Der nördliche Teil unseres schönen Bundeslandes bietet so viel, das wir erleben erschmecken und erwandern können. Franken ist in jeder Hinsicht eine Reise wert. ob man nun Lust hat, die Natur zu erleben, die Wein-oder Bierkultur, die wunderschönen mittelalterlichen Städte wie Nürnberg oder Rothenburg zu besuchen, kleinere Juwelen wie Hersbruck oder Lauf an der Pegnitz – Franken hält viele wunderschöne Städtchen bereit.
Ein Traum für Foodies
Überall bekommt man das legendär gute fränkische Essen, und es müssen nicht immer nur Schäufele oder Bratwurst sein. Da haben die fränkischen Köche noch viel mehr auf der Pfanne – sogar Sterneküche, wenn man das möchte. Und das alles zu einem Preis, der uns Münchner die Tränen in die Augen treibt.

Franken hat vor allem eines zu bieten, was uns momentan sehr fehlt. Stressfreie Entschleunigung. In Landgasthöfen, in denen man in der Nacht nichts hört außer die Käuzchen im Wald, schlafen auch die gestresstesten Städter so gut wie selten. Einfach mal Zeit haben, entspannen und gemütlich wandern auf wunderschönen Wegen, die auch Anfänger problemlos meistern können, das hat etwas. Die Nachhaltigkeit muss man gar nicht extra suchen, die ist quasi inklusive.
1. Der Frankenweg: Ein Weg der Vielfalt
Ich habe jetzt vor kurzem Franken besucht, unter dem Motto „Wandern und Kulinarik“ – und ich war wirklich überrascht, wie viel man überall entlang der Wanderwege entdecken kann. Burgruinen, Biotope, alte Städtchen und archäologische Ausgrabungen…Den ganzen Frankenweg können wir natürlich nicht abwandern, aber doch einen kleinen Teil.

Wir sind auf der alten Festungsruine Rothenberg oberhalb von Schnaittach gestartet, von der aus man einen fantastischen Blick über das gesamte Nürnberger Land hat. Die Festung wurde im Stil der französischen Barockanlagen gebaut – und ist die Größste ihrer Art in ganz Europa. Die Frühlingsluft war klar, der Himmel hatte ein ganz eigenes Blau, und die alten grauen Festungs Mauern setzten sich scharf davon ab. Die gesamte Festung duftete nach blühenden Bäumen, nach Jasmin und Flieder – es war herrlich.
Spannend ist auch das Innenleben der Burg, alte Kasematten können besucht werden, jedenfalls im Sommer, im Winter sind die dunklen, feuchten Räume den Fledermäusen vorbehalten. Und den Geistern, die angeblich diese Räume bevölkern….

Von der Burgruine ging es wieder zurück ins Tal und dann nach oben, auf den Glatzenstein. Dieser Teil des Frankenweges ist besonders faszinierend, denn nicht nur Natur gibt es zu bestaunen, sondern auch steinzeitliche und keltische Monumente auf einem Archäologie-Pfad auf dem Berg. Ich finde das faszinierend, wenn solche Schätze so ganz nebenbei präsentiert werden. Vom Gipfelkreuz des Glatzenstein haben Wanderer wieder einen großartigen Blick auf die Landschaft, die sich kein bisschen hinter den Alpentälern verstecken muss. Wir genießen die Sonne oben auf einem Bankerl, das windschief auf dem Gestein thront.

Vom Glatzenstein sind wir dann mit dem Bus zum Berghotel Igelwirt gefahren, einer wunderhübschen Traditions-Gaststätte mit angeschlossenem Hotel. mich hat dort die Ruhe fasziniert. In München habe ich auch tief in der Nacht immer eine Geräuschkulisse – aber hier höre ich nur kleine Eulen in den Wäldern. Maximal. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich so gut geschlafen habe. Die Zimmer sind schlicht, aber hübsch eingerichtet, der Blick aus dem Fenster in den Sonnenuntergang wunderschön.

Der Igelwirt hat, seinem Namen entsprechend, alles ganz herzig mit Igeln geschmückt (sogar die Bettwäsche ist mit Igellogo verziert) und ist weit über die Grenzen des Nürnberger Lands hinaus bekannt für seine gute Küche. Viele Biker nutzen den Wirt als Station, wenn sie die kurvigen Straßen Frankens befahren. Wir lassen den Tag mit diversen Spargelgerichten ausklingen. Auch wenn der Weg per se nicht sonderlich anstrengend ist, die Ruhe macht müde. 😴
Am nächsten Morgen geht es nach einem sehr üppigen Frühstück weiter…

2. Das Grüne Band: Ein historischer Naturpfad
Es ist erstaunlich, was einzelne Menschen erreichen können. So gelang es einem Mann, ein riesiges Biotop zu schützen. In den siebziger und achtziger Jahren lag die deutsche Wiedervereinigung noch weit entfernt, viele hielten sie für sehr unwahrscheinlich. Deutschland war durch ein ausgedehntes Grenzsystem geteilt. In Franken entdeckte aber ein junger Hobby-Ornithologe, dass ausgerechnet an dieser Grenze des Todes ein unglaubliches, sehr lebendiges Biotop sonst fast ausgestorbener Arten entstanden war. Klar, denn kein Mensch wagte sich nah an diese Mauern heran.

Als die Mauer tatsächlich fiel, war Prof. Dr. Kai Frobel, dem jungen Hobby-Vogelkundler von einst, klar: Dieses Biotop muss unbedingt erhalten werden. Zusammen mit dem Bund Naturschutz setzte er sich für die Erhaltung des Lebensraums ein. Einfach war das nicht. Gegen die Widerstände der Bauern, die grenzübergreifend ihre Äcker erweitern wollten, gegen die Widerstände der Politik. Doch der Naturschutz siegte, und so bot das Grüne Band, wie die innerdeutsche Grenze mittlerweile heißt, vielen Arten einen letzten Lebensraum. Hier hört man seltene Eulen, hier schreien nachts unheimlich die Ziegenmelker.

Das Grüne Band ist immer noch ein stiller Ort voller Erinnerungen. Es erstreckt sich insgesamt über 1.393 Kilometer entlang der gesamten innerdeutschen Grenze und bietet einen einzigartigen Mix aus Natur und Geschichte. Wir sind den Weg nahe Mitwitz und seinem romantischen Wasserschloss gewandert. (Zu den Städten Frankens komme ich demnächst in einem anderen Artikel)
Wanderer können die Natur in ihrer ursprünglichen Form erleben und gleichzeitig über die Geschichte der Teilung Deutschlands reflektieren. Entlang des Weges gibt es nämlich informative Schautafeln und Denkmäler, die die Bedeutung dieser Region verdeutlichen.

Die Erinnerungskultur ist interaktiv: Mit einem Kurbel-Rädchen muss man an den Schautafeln einen Generator anwerfen, und erst dann kann man dort Zeitzeugen zuhören, die über ihre Geschichte während der Teilung berichten. Oder es wird von besonderen Naturwundern erzählt, die es genau hier zu finden gibt.
Nachhaltigkeitstipp: Beim Wandern könnt ihr Ausschau nach lokalen Naturschutzprojekten halten oder ihr nehmt an geführten Touren teil, um mehr über die Bedeutung des Schutzes der Biodiversität zu erfahren. Der Frankenwald Tourismus bietet viele Touren auf seiner Webseite an.
3. Der Jakobsweg: Ein spiritueller Wanderweg
Was immer noch nicht alle wissen: der Jakobsweg fängt nicht erst in Frankreich an, durch ganz Europa zieht sich die berühmte Pilgerroute, Ein Teil davon ist auch in Franken zu finden. Die fränkischen Abschnitte des Jakobswegs bieten nicht nur spirituelle Erlebnisse, sondern auch beeindruckende Natur und zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Eine liebe Freundin wandert den Weg in Teilstücken ab.

Der „Fränkische Jakobsweg“, erstreckt sich nämlich vom unglaublich schönen Rothenburg ob der Tauber bis nach Würzburg. Die Wanderung entlang des Jakobswegs ist eine Gelegenheit zur inneren Einkehr, aber auch zur Begegnung mit anderen Pilgern. Die herzliche Gastfreundschaft in den einfachen Herbergen trägt zur besonderen Atmosphäre dieses Weges bei.
Hier sind einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten entlang des fränkischen Abschnitts:
Rothenburg ob der Tauber
Rothenburg ist eine der schönsten Städte der Welt. Ohne Übertreibung. Wer die Stadt noch nicht besucht hat, sollte das schleunigst nachholen. Die traumhafte mittelalterliche Architektur lässt Besucher tief in die Vergangenheit eintauchen. Die Stadt ist weltberühmt, auch für ihren ewigen Weihnachtsmarkt in den Kellern der Stadt. Ein verrückter Ort. Nachts ist das Rathaus stimmungsvoll beleuchtet.

Wenn ihr Rothenburg besucht: unbedingt das Frühstück bei Ivys Deli ausprobieren. Es lohnt sich – eins der besten Frühstücke, die ich je hatte.

Creglingen
Weil man auf dem Jakobsweg auch spirituell unterwegs ist, dürfen ein paar christliche Monuente nicht fehlen, wie etwa die Grabkapelle von Creglingen mit dem einzigartigen „Creglinger Altar“ von Tilman Riemenschneider.
Ansbach
Auch das mittelalterliche Ansbach hat viel zu bieten, zum Beispiel das Ansbacher Residenzschloss mit prächtigen Räumen und einem schönen Garten.

Würzburg
Die Würzburger Residenz, ein UNESCO-Weltkulturerbe, ist eines der bedeutendsten Barockbauwerke Deutschlands.

Fazit
Wandern in Franken ist ein Erlebnis für die Sinne, das Natur, Kultur und Nachhaltigkeit verbindet. Ob auf dem Frankenweg, dem Grünen Band oder dem Jakobsweg — jeder Wanderweg bietet einzigartige Überraschungen und die Möglichkeit, die atemberaubende Landschaft bewusst zu erleben.
Durch die Wahl umweltfreundlicher Unterkünfte, die Unterstützung lokaler Anbieter und das Informieren über die natürlichen Lebensräume leisten Urlauber einen wertvollen Beitrag zum Schutz der Region.
