Lugano im Tessin – wo italienische Grandezza auf den stillen Luxus der Schweiz trifft
Es gibt ein paar Regionen auf dieser Welt, die wir kaum ändern, für eine ganz besondere Form des schönen Lebens stehen. Es sind sofort Bilder im Kopf, selbst wenn wir dort noch nie gewesen sind. Die französische Riviera zum Beispiel, Portofino, Taormina, und natürlich die See südlich der Alpen, wie der Lago die Como, der Lago Maggiore und der Luganer See. Blauer Himmel, die Sonne glitzert auf dem Wasser, hochherrschaftliche Villen verstecken sich hinter Zypressen und Palmen. An der Uferpromenade flanieren elegante Menschen, die alten Reichtum und Kultiviertheit ausstrahlen.
Die glamourösen Bilder im Kopf entsprangen der Frühzeit des Tourismus Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Schönen und Reichen das Reisen für sich entdeckten und dorthin zogen, wo es warm und wunderbar war. Damals waren es vor allem reiche Adlige und Industrielle, die es sich leisten konnten, monatelang an der Cote Azure dem Dolce Vita zu frönen. In den 50er Jahren dann waren es die Filmstars, die dank der Klatschpresse und des neuen Berufs des Paparazzi diese Blaupause des perfekten Lebens in unsere Haushalte trugen. Ehemalige Kaiserinnen schäkerten mit Playboys, die so blumige Namen wie Porfirio Rubirosa trugen, oder Liz Taylor urlaubte mit ihrem Xten-Gatten in Portofino.
Der Glamour schöner Menschen in strahlend schöner Landschaft – so stellte und stellt man sich das perfekte Leben vor. Und soweit ist die Realität gar nicht vom Tagtraum entfernt, doch mittlerweile können wir alle teilhaben an diesem Leben – zumindest für eine Weile. Ich war vergangene Woche in Lugano am See und der Ort hielt alles, was die Mythen so versprechen. Idyllisch liegt der See inmitten der Berge, das Klima ist mediterran, es blüht und grünt überall, Flieder und Jasmin, Glyzinien und Rhododendren, Palmen und Zypressen verwandeln den Ort in ein Paradies.
Allein die Anfahrt: Schnee in München, Schnee in Zürich beim Umsteigen im Bahnhof, Schnee in Zug – und dann hinter dem Gottharttunnel klart der Himmel auf einmal auf, es wird warm und sonnig. Keine Frage, wir sind jetzt im Tessin. Der Teil der Schweiz, der an Italien grenzt und auch Italienisch als Amtssprache hat. Hier mischt sich Schweizer Präzision mit italienischer Grandezza, eine sehr gelungene Mischung. Hauptstadt des Kantons ist das burgenreiche, mittelalterlich geprägte Bellinzona, nicht Lugano, die bevölkerungsreichste Stadt und eins der touristischen Zentren.
Viele Hotels in der Region stammen aus den 20er Jahren, eben dieser Blütezeit des Tourismus. Sie fügen sich ein in ein gelungenes Stadtbild, der Großteil der Altstadt ist eine Fußgängerzone. Die Gässchen werden gesäumt von reich geschmückten Bürgerhäusern, Jugendstil mischt sich mit Historismus, ab und an knallt der Betonbrutalismus der 80er dazwischen. In die Stadt kommen wir vom Bahnhof mit einer winzigen Bergbahn. Ein cooler Auftakt!
Glamouröser Blumenladen in LuganoVon Gucci bis Hermes – Lugano beherbergt die edelsten Boutiquen
In der wunderschönen, verwinkelten Altstadt und der Seepromenade haben die edelsten Marken ihre Boutiquen, Seidentücher, Schuhe, Handtaschen und natürlich hochkarätigster Schmuck funkeln die kaufkräftige Kundschaft an. Dafür haben wir erstmal keinen Blick, denn wir irren mit unseren Köfferchen durch die Innenstadt, auf der Suche nach dem Hotel Internationale du Lac. Denn wir haben ein Problem: die Schweiz gehört nicht zur EU und damit nicht zum Roamingabkommen. Wenn wir das Handy anschalten, wird es teuer. Wir fragen uns durch und sind verwundert, dass manche Leute hier nur italienisch sprechen. Aber wir kommen damit klar und endlich ans Hotel.
Später wandern wir mit mehr Muße durch die Stadt, durch die Via Nassa, die Hauptader der Altstadt. Vorbei an eleganten Menschen, die auf der Piazza ihren Espresso oder Weißwein trinken, flanieren und diskutieren – ein sehr italienisches Flair. Neben den Luxusmarken gibt es auch kleinere Geschäfte, wunderbare Blumenläden, Antiquitätenshops, ein Buchladen, in dem schon Herrmann Hesse einkauft und eine Boutique mit Fresken aus dem 17. Jahrhundert, in der ich eine wunderhübsche Bluse erstehe.
Das Hotel International du Lac in LuganoEin Hotel mit der Grandezza eines Museums
Das Hotel hat definitiv den Charme der Jahrhundertwende, wir bekommen alle Einzelzimmer – bitte, sagt unbedingt, dass ihr Zimmer mit Seeblick wollt, sonst kann es euch passieren, dass ihr statt Luganersee eine Mauer vor dem Fenster habt. Habe ich nicht, stattdessen Balkon und tollen Seeblick. (Manchmal braucht der Mensch Glück) Ich lasse mir erstmal einen Espresso aus der Kaffeemaschine im Zimmer und wandere dann los, das Hotel erkunden. Es ist ein bisschen so, als wandelt man durch ein Museum. Von Renaissancemeistern bis Impressionisten hängen viele schöne Bilder in den Gängen, die Möbel sind Antiquitäten aus vielen Jahrhunderten und Stilepochen. Aber zusammen ergibt sich ein überaus stimmiges und sehr charmantes Gesamtbild.
Im zweiten Stock geht es zum verwinkelten Garten und Richtung Pool. Eine echte, wunderschön bepflanzte Oase hinter dem Hotel, die ich so nicht vermutet hätte – eine angenehme Überraschung. Das Hotel International au Lac blickt übrigens auf eine mehr als hundert jährige Geschichte zurück und gehört zu den historischen Häusern in Lugano und bietet in einer Ausstellung Einblick in seine 100-jährige Geschichte. Das Hotel wurde vom Internationalen Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) und der UNESCO als „historisches Hotel mit besonderer Auszeichnung“ gelistet. Schlaft also mit Ehrfurcht hier!
Direkt neben dem Hotel du Lac hörte früher die Stadt auf, doch direkt im Anschluss steht ein ehemaliges Franziskanerkloster, das mit einer mehr oder weniger geglückten Vermählung von alter und neuer Architektur nun ein Hotel und Kulturzentrum ist. Die alte Kirche des Klosters, Ciesa Santa Maria della Agnioli, steht noch, gut so, denn in ihr befinden sich die ältesten Renaissance-Fresken der Schweiz. Ein wahrer Schatz! Ein klar von Leonardo inspiriertes Abendmahl ist auch dabei, ergänzt um eine Katze, einen als Verräter erkennbaren Judas und ein Hähnchengericht.
Eine ganze Altarwand füllt eine bombastische Kreuzigungsszene, in der sich der Maler gleich dreimal verewigt hat. Es ist ein Spaß für Touristen, den Künstler zu finden. Tipp: Es ist der gutaussehende Mann mit Bart neben dem Kreuz rechts…Es gibt viel zu entdecken in Lugano. Das leicht schiefe Rathaus etwa, auf dem eine eigene Version der Freiheitsstatue steht, die Kirche San Rocco, die mit barocken Fresken geschmückt ist und – ganz modern – viel Streetart an den Häuserwänden. Das gefällt mir besonders, denn es zeigt, dass die Stadt keinen musealen Charakter hat, sondern modern und lebendig bleibt.
Die wundervollen Parks von Lugano
Am Seeufer und nur wenige Schritte vom belebten Stadtzentrum Luganos erstreckt sich der Parco Ciani, der zu den schönsten Parks der Schweiz gehört und eine Attraktion für Tausende Touristen ist. Mit einer Fläche von 63`000 Quadratmetern ist der am See gelegene Park die grüne Lunge der Stadt. Dank seiner einmaligen Lage in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum ist der Parco Ciani ein beliebter Ort, in dem Einheimische wie Touristen Entspannung suchen und im Schatten der jahrhundertealten Bäume spazieren gehen.
Die Wege winden sich durch prächtige Blumenbeete, gesäumt von Statuen und Springbrunnen, und eingefasst in den sehr gepflegten Englischen Rasen. Der Park ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Den ersten Bereich in der Umgebung der Villa Ciani erreicht man durch den Haupteingang am Ende der Uferpromenade.
Dieser Bereich weist sowohl die Merkmale eines italienischen Gartens als auch des englischen Gartens auf: üppige Blumenbeete wechseln sich ab mit Grünflächen und Bäumen und Sträuchern aus allen Ländern. Der zweite Bereich erstreckt sich vom Schiffsanleger bis zum Fluss Cassarate und hat einen „wilderen“ und urwüchsigen Charakter. Hier befinden sich Eichen, Linden, Platanen und Ahorn, die typische Vertreter der Tessiner Wälder sind. Innerhalb dieses bewaldeten Bereichs befindet sich der Kinderspielplatz mit zahlreichen Spielmöglichkeiten für Kinder jeden Alters. Im Stadtpark Ciani liegen darüber hinaus verschiedene Gebäude: die Villa Ciani, das Kongresshaus, der Schiffsanleger, das Naturkundemuseum und die Kantonsbibliothek.
Verrücktes Kugelmonument im Park von Lugano – auch zu sehen: die nette ReisegruppeInfos
Wir sind mit dem Zug angereist, mit einmal Umsteigen in Zürich. Ca 7 Stunden Fahrzeit, das ist nicht wenig, aber Schweizer Züge sind bequem, sauber und haben schnelles Wlan. Und wie es bei Schweizer Zügen so ist – alles ist bis auf die Minute pünktlich. In und um Lugano sind wir entweder zu Fuß gewandert oder haben die Busse und Züge genutzt, die von Lugano aus Bellizona, Locarno oder Ascona etc anfahren. Wir haben dazu den SwissPass benutzt, der alle öffentlichen Verkehrsmittel umfasst. Unglaublich praktisch! Mit dem Auto geht es auch, ca 4-5 Stunden benötigen wir von München, wenn alles glatt geht. Das ist nicht immer der Fall, vor allem, wenn die Schweizer aus dem Norden in den sonnigeren Süden ihres Landes drängen.


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