Das verpasst ihr, wenn ihr nicht in die USA reist
Die Welt fühlt sich gerade kompliziert an. Die Nachrichtenlage ist schwierig, Diskussionen bleiben hitzig, unversöhnliche Meinungsblöcke knallen aufeinander – vieles wirkt unsicher, fühlt sich falsch an. Es gibt Debatten um die Politik, um die Einreisebestimmungen, um die Sicherheit. Und trotzdem zieht es mich wieder in die USA.
Wegen der überwältigenden Natur, der prägenden Kultur, den freundlichen Menschen, das üppige, überbordende, kreative Essen, die tolle Musik, die für uns ungewohnte Weite. Wegen dieser ganz speziellen Mischung aus Kontrast und Gefühl, die man dort nur schwer erklären, aber sofort spüren kann. 2026 ist ein ganz besonderes Jahr, die USA werden 250 Jahre alt. Und die berühmteste Straße der Welt, die Route 66, wird seit 100 Jahren befahren. Und Marylin Monroe wird 100…Schade, dass so viel Ballast momentan die Beziehungen zwischen Europa und den USA bedrückt, ich kann das nicht ausblenden, aber versuchen, damit klarzukommen. Denn für mich ist Reisen immer auch Perspektivwechsel. Und nichts brauchen wir derzeit dringender als das Gefühl der Verbundenheit mit Menschen – über alle Grenzen hinweg.
Ich möchte euch ein paar Projekte und Destinationen vorstellen, die es mehr als wert sind, über den Tellerrand zu gucken.
Ein Sternenhimmel, der alles überstrahlt – Dark-Sky-Projekte in Utah
Es gibt etwas, was ich auf Reisen meist vermisse: einen dunklen Nachthimmel. Einen, der die Sterne so hell leuchten lässt und der sogar Sternenwolken oder Galaxien zeigt wie den Andromeda Nebel. Weder auf der kleinen griechischen Insel Samos, noch auf einem Schiff in der Halong Bucht oder irgendwo am Meer ist der Sternenhimmel gut zu sehen. Zu viele Lichter erleuchten die Nacht, zu viel Smog verdeckt die Sterne. Das deprimiert mich, für mich ist ein klarer Nachthimmel eines der schönsten Dinge, die ist zu bewundern gibt. Deswegen ist Utah für mich eins der ganz wichtigen Ziele auf meiner Reise-Liste 2026.

Denn Utah ist Vorreiter, wenn es um Lichtschutz und klare Sternenhimmel geht. Viele Regionen arbeiten eng mit der International Dark-Sky Association zusammen, um Lichtverschmutzung zu reduzieren. Das Ergebnis: Orte, an denen der Himmel wieder so aussieht wie vor hundert Jahren.
Man steht dort in der Wüste oder in einem Nationalpark, schaut nach oben – und plötzlich fühlt sich alles leiser an. Die Milchstraße ist nicht nur ein Begriff aus dem Schulbuch, sondern ein helles Band über dem Kopf. Sternschnuppen sind keine Seltenheit, sondern Glück im Minutenabstand. Diese Nächte haben etwas Erdendes. Man merkt, wie klein die eigenen Sorgen sind und wie groß das Universum. Und wie wunderbar diese Erde ist – Genau für solche Gefühle reise ich – und so etwas findet sich eben leichter in einem Land wie den USA.

Meerestierrettung an den Küsten Alabamas
Alabama ist ein Bundesstaat, den Europäer normalerweise mit Strandurlaub oder Umweltschutz in Verbindung bringen. Wieder ein klassisches Beispiel, wie falsch unser Bild der USA bisweilen ist… An der Golfküste von Alabama, rund um Orte wie Gulf Shores und Orange Beach, zeigt sich, dass Strandurlaub und Naturschutz kein Widerspruch sein müssen.

Nach den verheerenden Auswirkungen der Deepwater-Horizon-Ölkatastrophe 2010 hat sich entlang der Küste ein bemerkenswertes Netzwerk aus Wissenschaftlerinnen, Freiwilligen und lokalen Organisationen gebildet, das Dünen wiederaufbaut, Seegraswiesen schützt und Meeresschildkröten-Nistplätze überwacht. Im Bon Secour National Wildlife Refuge werden empfindliche Küstenökosysteme renaturiert, während Bildungsprogramme Besucherinnen und Besucher dafür sensibilisieren, wie zerbrechlich diese Landschaft ist. Besonders spannend finde ich die Projekte zur „Living Shoreline“-Methode: Statt Betonmauern setzt man auf natürliche Barrieren wie Austernriffe und Marschpflanzen, die nicht nur Sturmfluten abmildern, sondern auch neuen Lebensraum schaffen. Nachhaltiges Reisen heißt hier ganz konkret: lokale Schutzprojekte unterstützen, an Strand-Clean-ups teilnehmen und Unterkünfte wählen, die aktiv in den Küstenschutz investieren. Und das ist doch ein Ziel, das Europa und die USA aufs Beste verein, oder?
Kulinarische Überraschungen in Arizona
Im völlig unterbewerteten Film „Good Fortune“ spiel Keanu Reeves einen gefallenen Engel, der seine Freude am irdischen Dasein aus Tacos zieht. Ich kann dem nur beipflichten: gutes Essen ist eine der ganz großen Freuden des Lebens und ich würde am liebsten überall hinreisen, wo es verdammt gutes Essen gibt. Eins meiner Traumziele ist da Arizona: Wer bei Arizona nur an Wüste und Kakteen denkt, hat definitiv noch nicht dort gegessen.

Die Küche ist ein spannender Mix aus mexikanischen Einflüssen, indigener Tradition und moderner Farm-to-Table-Bewegung. Mexikanisches Essen liebe ich, die Küche der Natives kenne ich nur in Ansätzen – deswegen wäre Arizona so spannend. Tacos mit hausgemachten Tortillas, Chili-Gerichte mit Tiefe statt Schärfe um der Schärfe willen. Dazu kommen kreative Restaurants in Städten wie Phoenix oder Tucson, die regionale Zutaten völlig neu interpretieren. Das möchte ich einmal ausprobieren: Es ist bodenständig und raffiniert zugleich. Kein steifes Fine Dining, sondern Essen mit Seele. Man sitzt draußen, warme Abendluft, ein kühles Getränk in der Hand, und denkt: Genau so soll sich Urlaub anfühlen. Ich hoffe, ich habe bald die Gelegenheit, mich einmal durch Arizona zu probieren!

Mein Sehnsuchtsort: New Orleans
Und dann ist da noch New Orleans. Diese Stadt ist kein Reiseziel. Sie ist ein Gefühl. Besonders für mich. Mich verbindet mit New Orleans eine sehr persönliche Geschichte, auch wenn ich die Stadt bislang noch nicht besucht habe. Mein Vater war großer Jazz Fan und hat immer gesagt, dass ein Traum gewesen wäre, eine Beerdigung zu bekommen wie in New Orleans – mit Jazz-Kapelle und Second line. Meine lebendigste Erinnerung an ihn ist, dass er auf dem Sofa sitzt und begeistert die Musik dieser Begräbnisse beschreibt. Wir haben diesen Wunsch von ihm tatsächlich umgesetzt, allerdings nicht in der Schwüle von New Orleans, sondern in Bayern, in Rosenheim. Dort mit einer Bigband durch den Friedhof zu marschieren, war zwar hochgradig gesetzeswidrig, aber das Beste, was ich je für meinen Vater tun konnte. Der Pfarrer hatte nichts dagegen und ich bin sicher, er hat vom Himmel mitgetanzt.

Jetzt möchte ich unbedingt nach New Orleans. Einmal die originale Musik hören, das fantastische Essen probieren, aber auch die Natur und Parks kennenlernen, mit der Zipline über die Sümpfe sausen und herausfinden, wie die Stadt im Süden mit den Herausforderungen nach dem Hurricane umgeht. Tiefer gehen als nur der Touristenbesuch.
Denn New Orleans ist hinreißend schön, aber nicht eindimensional. Und es ist mehr als die Summe seiner Klischees. Der besondere Flair entsteht aus Geschichte, Musik und dieser leicht bröckelnden Schönheit. Bunte Häuser mit schmiedeeisernen Balkonen, Jazz, der aus offenen Türen auf die Straße schwappt, altehrwürdige Restaurants neben schrägen Bars. Alles wirkt ein bisschen wild, ein bisschen nostalgisch und gleichzeitig unglaublich lebendig. New Orleans hat Ecken, die nicht geschniegelt sind. Genau das macht den Charme aus. Hier darf Stadt noch Charakter haben. Hier wird getanzt, gegessen, musiziert – und gelebt.
Es gibt so viele faszinierende Destinationen, das Hudon Valley, Long Island, die wunderschönen Gärten von Philadelphia, Florida und Puerto Rico, Virginia und seine alte Geschichte, Cincinnati und die deutschen Auswanderer… Für mich gehören die USA und Europa zusammen!
