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Vietnamesisches Neuland für Touristen – die fantastische Vulkaninsel Lý Sơn

Weit draußen vor der Küste Zentralvietnams liegt eine Insel, die noch als Geheimtipp gilt: Lý Sơn. In unserem Reiseführer stand sie nicht, stattdessen meinte unsere vietnamesische Bekannte Josie: „Also wir fahren immer nach Ly Son, da ist es wundervoll – aber westliche Touristen kommen da nicht hin.“ Da fassten wir den Entschluss – das müssen wir sehen. Wir haben diese Abweichung von der üblichen Route kein bisschen bereut und einen Blick auf ein noch ursprüngliches Vietnam werfen dürfen. Diese kleine Vulkaninsel ist wunderschön: sie besticht mit dramatischen Klippen, türkisfarbenem Wasser und überrascht immer wieder mit neuen Aussichten. Wer abseits der Touristenpfade ein echtes Inselabenteuer sucht, ist hier genau richtig.

Natur pur auf Ly Son

Die Anreise ist nicht einfach 

Schon die Anreise ist ein Erlebnis für sich. Wir nehmen von Danang aus einen Fahrer, der uns entlang der Küste in zwei Stunden bis zum Fährableger in Quảng Ngãi bringt. Wir haben Glück, 15 Minuten später geht das Boot los. Leider sind es Schnellboote, an Deck darf man da nicht. Aber es ist nur eine Stunde, die das Boot die 30 Kilometer zur Hauptinsel zurücklegt. So ertragen wir die seltsamen Musikvideos und rätseln über deren Bedeutung.

Früher gab es auch ein Schnellboot von Danang, aber das wurde mittlerweile wieder eingestellt. Man muss am Fähranleger seinen Pass vorzeigen, bis vor kurzem war die Insel für westliche Touristen gesperrt. Sobald man an Land geht, empfängt einen eine frische Meeresbrise, begleitet vom Duft von Knoblauch – dem wichtigsten landwirtschaftlichen Produkt der Insel. Deswegen sind auch die Strassen mit leuchtenden Knoblauchknollen verziert, wie bei uns die Weihnachtsbeleuchtung.

Wir werden am Hafen von Taxlern erwartet, die uns mit dem Gepäck auf dem Rücken in einem wilden Ritt zum Hotel transportieren. Das Thema Hotel ist auf der Insel das Hauptproblem. Denn so schöne Hotels oder Hostels wie in touristischen Gegenden Vietnams gibt es hier nicht. Da muss man Abstriche machen. Wir haben zu guter Letzt eine hübsche Location im Zentrum der Insel gefunden, ganz nah am Strand mit den Buden der Fischlokale. Wenn ihr die Insel besuchen wollt – das ist unser Tipp: das An Duyen Hotel im Hinterhof. Es ist wie in guten alten Traveller-Tagen: kaum wer spricht mehr als ein paar Brocken Englisch. Wir verständigen uns mit Händen udn Füßen und vor allem Google Translate.

Die Insel überrascht immer wieder: zum Beispiel mittendrin ein bunter Tempel.

Mit dem Moped den Krater entlang

Lý Sơn ist vulkanischen Ursprungs, und das sieht man überall: Basaltfelsen ragen aus dem Meer, schwarze Lavaklippen kontrastieren mit dem leuchtenden Blau des Wassers. Besonders beeindruckend ist der Thới Lới, der höchste Berg der Insel. Rund um den Kraterrand führt eine Strasse, die man prima mit dem Moped abfahren kann. Vom Gipfel aus eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf die gesamte Inselwelt, mit smaragdgrünen Feldern und kleinen Fischerbooten, die auf den Wellen schaukeln.

Natur pur: Badebuchten und Lavabögen

Einen der schönsten Orte der Insel findet man im Osten: den Hang Câu, eine spektakuläre Bucht, in die das Meer über Jahrtausende eine Höhle in die Felsen geschliffen hat. Hier kann man schwimmen, schnorcheln oder einfach nur die raue Schönheit der Natur bewundern. Ebenso beeindruckend ist das Tor von To Vo – ein natürlicher Lavabogen direkt am Wasser, der besonders bei Sonnenuntergang eine magische Kulisse bietet. Aber nicht wundern, der Torbogen ist nur schwer auffindbar: nur ein kleines Holzschild weist darauf hin und von der Strasse aus ist er nicht einsehbar.

Unberührte Strände auf Ly Son

Ein Muss: Fisch und Meeresfrüchte

Kulinarisch sollte man sich unbedingt frische Meeresfrüchte gönnen – gegrillte Seeigel mit Frühlingszwiebeln oder Tintenfisch in Limetten-Chili-Sauce sind eine Delikatesse. Wir suchen uns einen Red Snapper aus, die Fische werden in Aquarien vor den Lokalen angeboten. Beim Feilschen um einen guten Fischpreis hilft wieder Google-Translate. Vor unseren Augen wird der Fisch perfekt gegrillt, danach mit einer Reihe Saucen und Kräutern serviert. Die Kellnerin erklärt uns pantomimisch, wie man den Fisch richtig isst – und er ist fantastisch.

Und natürlich darf der berühmte Lý-Sơn-Knoblauch nicht fehlen, der wegen seines intensiven Aromas hochgeschätzt wird. Skurril: im Souvenirladen am Hafen kann man nur Knoblauch kaufen: frisch, fermentiert, Knoblauchöl, Knoblauchchillisauce, Knoblauch in Säcken und als Zöpfe.

Trotz ihrer Schönheit ist Lý Sơn noch relativ unberührt vom Massentourismus. Wer das authentische Vietnam abseits der bekannten Reiseziele entdecken will, findet hier eine perfekte Mischung aus Abenteuer, Natur und Kultur.

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