Warum ein Besuch in Lugano lohnt: Zehn Dinge, die euch glücklich machen
Das Tessin ist eine große Region, die sich über eine Landesgrenze erstreckt. Kein Wunder, dass es da viel zu sehen gibt. Schon allein die Region um Lugano, die wir besuchten, hat so viel zu bieten, dass es für eine ganze Ferienwoche reicht – oder für mehr. Der Luganersee ist ein kleines Juwel, das den Besuchern erlaubt, sich so zu fühlen, als ob die Sorgen der Welt einen nichts angehen. Und das ist für mich das Wunderbare an einem Kurzurlaub. wirklich mal Abstand bekommen, durchatmen, sich verwöhnen lassen und Kopf und Herz mit vielen guten Erlebnissen und Eindrücken wieder zurückschicken in den Alltag, der dann ein bisschen weniger grau erscheint. Unter all den schönen Ecken dort gibt es ein paar, die mir besonders gut gefallen haben. Und ein paar Dinge, die ihr einfach ausprobieren müsst.

- Nach Gandria wandern
Lugano hat ein gutes Bussystem. Damit kommt ihr eigentlich überall hin. Eine wunderschöne, ganz einfache Wanderroute (eigentlich mehr ein Spaziergang), ist der Weg von Lugano nach Gandria. der Weg direkt vom Zentrum aus ist weit, deswegen kommt ihr am besten mit dem Bus hin, ihr könnt zB am Bahnhof zusteigen und ihr steigt bei der Bushaltestelle Castagnola aus. Die Route ist wirklich malerisch, sie geht vorbei an alten Villen, wie zum Beispiel die von Helen Bieber, einer deutschen Avantgardetänzerin aus den zwanziger Jahren, die in ihrem Luxusdomizil wilde Partys feierte. Ihre Villa ist ganz unbescheiden eine Kopie vom Petit Trianon in Versailles, mittlerweile beherbergt sie ein Museum der Bally Foundation. Eine tolle Möglichkeit, das Anwesen zu besuchen. 1967 verstarb die Eigentümerin nach einem bewegten Leben – das sind so Menschen, die ich gerne mal getroffen hätte. Diese Art Exzentriker gibt es irgendwie nicht mehr, leider.
Die Villa der Tänzerin ist dem Trianon in Versailles nachempfundenDie Villa der Tänzerin ist dem Trianon in Versailles nachempfunden
Der schöne Spazierweg hat seit mehreren 100 Jahren auch Künstler fasziniert, denn die Felsen rund um den See sind besonders bizarr und die mediterrane Vegetation ist herrlich. Palmen und Orangenbäume wachen neben üppigen Glyzinien und Bougainvillea. Es gibt auch Olivenbäume, die ein herbes Öl schenken. Wer will, kann im Herbst als Freiwilliger bei der Ernte mitmachen und wird mit Naturalien entlohnt. Die Route dauert etwa 45 Minuten und ist für jedes Fitness Level problemlos machbar. An den steilen Hängen des Ausflugsberges Monte Brè gelegen, umgeben von Kastanienwäldern und direkt am Wasser des Luganersees gelegen, ist Gandria eine Stadt mit besonderem Flair. Es ist wunderhübsch, mit kleinen Läden, die noch die traditionelle Keramik herstellen, und vielen kleinen Restaurants und Cafés am See. Die Stadt liegt, wie auch Lugano, am Hang und ist ein ewiges Auf und Ab von Treppen und Gässchen, Durchgängen und steilen Wegen zwischen uralten Häusern.
Das Seeufer am Wanderweg nach Gandria
2. Mit dem Boot über den Luganer See
Was wäre ein See, wenn man ihn nicht zum Boot fahren nutzen könnte? Wir sind von Gandria nach Lugano zurückgefahren und ich habe es sehr genossen. Es gibt ganz unterschiedliche Touren, auch ins nahe Italien auf der anderen Seeseite. Das machen übrigens auch die Schweizer, die sich dort mit italienischen Delikatessen und italienischer Mode eindecken. In Lugano selbst gibt es mehrere Anleger, zum Beispiel vor dem Stadtteil Paradiso.
3. Mit der ältesten Zahnradbahn der Schweiz auf den Monte Generoso

Mit dem Zug von Lugano fahren wir nach Capolago – Riva san Vitale, von dort geht die älteste Zahnradbahn der Schweiz auf den Monte Generoso. Die Fahrt auf den 1.700 Meter hohen Berg selbst ist eine Schau für sich, immer höher schnauft die Bahn durch die frühlingsgrünen Laubwälder, immer fantastischere Panoramen werden geboten, hinter jeder Kurve warten neue, immer schönere Aussichten. Feenhaft ragen in der Ferne die schneebedeckten Gipfel der italienischen Alpen auf. Aber auf dem Gipfel ist die Aussicht nochmal beeindruckender. Die Bahn hält an verschiedenen Zwischenstationen, wir fahren aber bis zur Endstation an der Fiore del Pietra, der „Steinblume“ des Architekten Mario Botta.
Futuristisches Gebäude am Monte Generoso: die „Steinblume“ von Stararchitekt Mario Botta
Die „Blume“ steht an der Stelle des ehemaligen Gipfel Hotels und beinhaltet unterschiedliche Restaurants, ein Museum, Konferenzräume und eine Aussichtsplattform. Wir essen dort im Selbstbedienungsrestaurant zu Mittag und genießen den Sonnenschein auf der Terrasse. Es gibt ein Rinderragout mit Vollkornpolenta, eine Spezialität der Region, die mir wunderbar schmeckt. Von der Steinblume aus kann man leicht auf den Gipfel wandern, in etwa 15 Minuten ist er erreicht. Die Aussicht von hier ist fantastisch. Im Dunst sehen wir Mailand und die Po Ebene, die schneebedeckten Gipfel der Alpen sind von fern zu bewundern und das Tessin liegt unter uns, sogar der Lago Maggiore ist erkennbar. Es gibt auch eine kleine Kapelle am Gipfel. Die Menschen auf dem Berg haben sich dort in den vierziger Jahren versammelt, um für Frieden zu beten, denn sie sahen von fern die Flieger-Angriffe auf Italien. Ich lasse dort auch ein kleines Gebet für all die schlimmen Kriege, die derzeit auf der Welt toben, vernünftiger werden wir vermutlich nie.

4. Sich einfach treiben lassen und das Leben genießen
Klingt vielleicht komisch, das als gesonderten Punkt aufzuführen. Aber ich finde es wichtig. Denn oft ist Reisen einfach ein Abhaken von Sehenswürdigkeiten oder Orten, die man laut Instagram mal gesehen (und fotografiert) haben sollte. dabei ist Reisen immer auch das Erleben eines anderen Ortes mit allen Sinnen. und das geht nur, wenn wir uns die Zeit dafür nehmen. Im Café sitzen, Leute beobachten, einen Espresso trinken und vielleicht ein kleines Eis genießen. Die Sonne spüren, den Wind auf der Haut und den Duft der blühenden Bäume einatmen. So komme ich zur Ruhe, so bleibt mir aber auch ein Ort im Gedächtnis haften. Ich liebe es, einfach spazieren zu gehen, kleine geschäfte entdecken oder mir irgendwo einen Espresso zu genehmigen. Entschleunigen.
5. Shoppen in Lugano

Lugano ist eine tolle Stadt zum Einkaufen, neben den großen Marken wie Gucci oder Chanel an der Via Nassa haben dort auch kleinere italienische Labels ihre Geschäfte, dazu originelle Boutiquen, schicke Interior Läden und edle Accessoires. Mein Geheimtipp ist die Boutique Soneda, die wirklich tolle Mode, Schuhe und Accessoires zu sehr vernünftigen Preisen anbietet. Ich habe mir dort eine Bluse vom Hippielabel Maison Hotel gekauft, die ich sehr liebe. Es gibt auch noch ein Geschäft, in dem sich Herrmann Hesse mit Büchern und Malbedarf eindeckte, die geschenkten Zeichnungen des Künstlers zieren dort noch immer die Wände. Nicht verpassen dürft ihr die Schweizer Delikatessenläden, die guten Wein der Region, aber auch Schinken und Käse anbieten. Für Besucher, die mit dem Auto kommen, perfekte Mitbringsel, um sich die Genüsse von Lugano nach Hause zu holen. Mit dem Zug ist das alles ein wenig sperriger (aber machbar) Am Samstag ist Flohmarkt in der Innenstadt.

Der Markt von Lugano
Dienstag und Freitag, von 7:00 bis 12:00 Uhr findet der Wochenmarkt von Lugano statt. Hier bekommt man vor allem typische Lebensmittelprodukte kleiner Bauernbetriebe aus der Region. Der Markt findet im Stadtzentrum statt und ist erreichbar mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln.
Öffnungszeiten
Die Geschäfte sind in der Regel von Montag bis Freitag, von 8 oder 9 bis 18:30 Uhr geöffnet (mit einer ein- oder zweistündigen Mittagspause).
Am Samstag schließen die Geschäfte um 17:00 oder 18:00 Uhr. Warenhäuser und Einkaufszentren sind durchgehend geöffnet und an einem Wochentag (Donnerstag) ist Abendverkauf bis 21:00 Uhr.
6. Frizzy probieren

Ich bin ja nicht so der Alkoholfan. Ab und an ein Cocktail oder ein Glas Wein ist okay, aber halt nicht immer. Deswegen freue ich mich, wenn ich auf Speisekarten interessante nicht alkoholische Angebote finde, zum Beispiel originelle Limonaden oder Mocktails. Da hat das Tessin eine ganz eigene Marke, die mittlerweile in der ganzen Schweiz zum Kult avanciert ist. Frizzy heißt das Getränk, dass es in verschiedenen Geschmäckern gibt, die beliebteste Sorte ist Mandarine. Mir hat die Limonade sehr gut geschmeckt, sie schmeckt irgendwie nach Kindheit und Sommer, sehr erfrischend und leicht. Wenn ihr im Tessin seid, solltet ihr das unbedingt mal probieren.
7. Morcote, das schönste Dorf der Schweiz erleben

Morcote war mal ein kleines Dorf, das vom Fischfang lebte. Dennoch sind hier mit Fresken verzierte Patrizierhäuser aus dem mittelalter zu finden, steile Straßen den Hang hinauf und einer der schönsten Friedhöfe, den ich je gesehen habe. Wer hier liegt, hat einen fantastischen Ausblick bis in alle Ewigkeit. (Auch wenn es vermutlich niemanden mehr interessiert) Auf diesem Friedhof verschmelzen Natur, Geschichte und Architektur zu einer harmonischen Einheit. Der terrassenförmig angelegte Friedhof geht auf das Jahr 1750 zurück und blickt majestätisch auf das Dorf hinab. In den Dörfern und Städten des Tessins wird die mittelalterliche Ordnung deutlich. Erst kommt die Kirche, dann der Adel und das gemeine Volk ganz unten.

Morcote zieht sich am See entlang und windet sich dann den Berg hinauf bis zur malerischen Marienkirche mit dem Friedhof. Eine schier unendliche Treppe muss vom See her erklommen werden, um den gigantischen Blick von oben zu genießen. Ehrlich, ich bin keine begeisterte Bergsteigerin und fand die Aufstiege immer mühsam, aber lohnend. Gerade in Morcote. Denkt aber bitte daran, euch gutes, solides Schuhwerk in den Koffer zu packen, wenn ihr ins Tessin reisen möchtet.
8. Die beeindruckenden Schlösser in Bellizona besuchen

Wer das Mittelalter liebt oder sich gerne in Fantasywelten voller Ritter, Drachen und Zauberer träumt (wie ich), die muss unbedingt nach Bellizona. Die romantischen Burgen versetzen einen auf der Stelle in einen Fantasyroman. Schon allen der Name drückt das aus, Bellizona heißt nix mit schön, sondern „Kriegszone“ – man kann ahnen, dass hier viel Blut geflossen ist. Übrig geblieben von all den Auseinandersetzungen ist zumindest ein beeindruckendes Unesco-Weltkulturerbe.
Drei Burgen übereinander, das muss eine Kleinstadt erstmal schaffen. Es gibt hohe Mauern zu bewundern, unterirdische Wehrgänge, Festungstürme und Burggräben und Burghöfe. Mich haben die Gebäude, die granitgrau in der kalten, gleißenden Sonne lagen, sehr beeindruckt. Wir hatten nur an diesem Tag Pech, Bellizona ist wesentlich kälter als Lugano und es windete eisig von Norden her. Da machte ein Burgrundgang ein bisschen weniger Spaß und wir waren trotz aller Schönheit froh, wieder irgendwo in der Wärme zu sein.
9. Sich durch den Wochenmarkt in Bellinzona probieren
Jeden Samstag ist Wochenmarkt in Bellinzona, ein Künstlermarkt, normaler Lebensmittelmarkt und ein Foodmarkt in einem. Wer die Spezialitäten der Region kennenlernen möchte, ist hier richtig. Da wird kiloweise Polenta in großen Töpfen angerührt, Tortellini gefüllt, es gibt Stände mit Kräutertees und -Aufstrichen, viele Brotsorten vom Buchweizenlaib bis zur Focaccia. Unterschiedliche Käse stehen zur Verkostung bereit, der gute Kastanienhonig wird genauso angeboten wie feine Marmeladen und viele Schinken und Wurstspezialitäten.
Der Markt von Bellinzona zeigt den ganzen kulinarischen Reichtum einer Region zwischen der Schweiz und Italien, den Alpen und den fruchtbaren Ebenen des Südens. Ich muss es hier an dieser Stelle noch mal anmerken: ein Paradies für Vegetarier oder gar Veganer ist das Tessin nicht. Es gibt tolle Käse, gutes Olivenöl und Kastanienhonig, aber stolz ist man vor allem auf die Fleischprodukte der Region. Ich denke, jede und jeder wird hier auf den Speisekarten fündig, aber ganz einfach ist es nicht.
Der Markt von Bellinzona ist wunderhübsch, die Stände mit ihren Blau-Rot getreiften Markisen säumen einen Platz an dem sich Renaissance-Häuser nebeneinander reihen. Fresken, Innenhöfe mit alten Kolonnaden es gibt viel zu sehen in der Hauptstadt des Tessins. Bellinzona lässt sich von Lugano aus sehr einfach mit der Bahn erreichen, etwa 15 Minuten Fahrt, dann ist man da.
10. Streetart in Lugano entdecken
Ich mag es gern, wenn eine Stadt nicht museal wird, sondern sich immer wandelt und am Puls der Zeit bleibt. Auch wenn es ab und an fürchterliche Missgriffe gibt, wie damals in den 70ern, als man Waschbetonklötze auch in die malerischste Altstadt donnerte.
In Lugano hat man sich für Streetart entschieden, also nicht für random Graffitti, sondern es wurden Künstler ausgewählt, die bei den Bürgern, die das erlaubt hatten, die Außenwände bemalten. So ist die Stadt zu einer großen Galerie geworden, es gibt immer wieder etwas zu entdecken.


Herzlichen Dank für den Bericht aus einer anderen Welt.
Liebe Grßüe, Susanne