Tschechischer Winterzauber: Der romantische Weihnachtsmarkt von Budweis

Weihnachten – das Wort hat einen besonderen Klang. Weihnachten – das ist immer das Fest, an das ich mich erinnere, wenn ich an meine Kindheit zurückdenke. Echte Kerzen an einem echten Baum, Sternderlspeier, Mamas Plätzchen, Geschenke. Papa hat immer eine Wildpastete gemacht, die ich geliebt habe. Nusskuchen mit Rum getränkt. Am ersten Weihnachtstag ging es dann zu Oma, Spazierengehen im Schnee (es war immer verschneit an Weihnachten), Papa hat mich mit dem Schlitten gezogen, ich hab Schneeengel gemacht und gespielt. Es war absolut wunderbar.

Diesen Zauber suche ich jedes Jahr erneut, wenn Weihnachten näher rückt. Diese Freude, dieser Zauber. Vielleicht fahre ich deswegen jedes Jahr im Advent weg, um ein bisschen davon zurückzuholen – denn beim Entdecken neuer Ziele, beim Durchstöbern neuer Christkindelmärkte kommt wieder die kindliche Freude an Neuem auf. Klar, die Münchner Weihnachtsmärkte sind schön, aber altbekannt. Salzburg ist ein Traum, aber mittlerweile völlig überlaufen, genauso wie der einst zauberhafte Markt auf der Fraueninsel. Klar, diese Geheimtipps sprechen sich rum.

 

In Tschechien hab ich den Weihnachtszauber wiedergefunden

Ich kann euch nur raten, montiert die Winterreifen auf eure Autos und ab geht’s nach Tschechien. Entweder jetzt noch schnell vor Weihnachten, oder, als besonderer Tipp: in Tschechien haben die Weihnachtsmärkte bis zum 6. Januar geöffnet. Wer in den Weihnachtsferien noch nichts vor hat – das wäre doch was, oder? Dort findet sich noch der Winterzauber, den ich so schmerzlich vermisst habe. Nicht umsonst kommt Deutschlands beliebtestes Weihnachtsmärchen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ aus Tschechien. Denkt einfach an die Titelmelodie, wenn ihr diesen Text lest. Wir waren zwei Tage im wunderschönen Wellnesshotel Bodenmaiser Hof nahe der Grenze, da lag es nahe, auch ein paar Tage in Tschechien dranzuhängen. Leider hatten wir uns das Wochenende mit dem schlimmsten Schneefall seit Jahren in Bayern ausgesucht. Davon später mehr: Aber am Freitag ging es noch ganz relaxt über die Arber-Passstraße nach Budweis. Allein die Fahrt durch ein Winterwunderland war ein Traum. In Budweis kamen wir am Hotel Budweis an. Das schöne und moderne Hotel liegt idyllisch und ruhig an einem Flussarm, im 14. Jahrhundert war dort eine Mühle, Reste davon sind immer noch im Speisesaal mit seiner beeindruckenden Holzdecke sichtbar. Das Restaurant hat an dem Abend geschlossene Gesellschaft, das örtliche Krankenhaus hat Weihnachtsfeier – wir müssen uns nach Alternativen umsehen.

Galerien und Blumenläden in Budweis

Wir erkunden Budweis – eine wirklich bezaubernde, romantische Stadt voller kleiner Gässchen. Ich finde, die Stadt, die Hauptstadt Südböhmens, muss sich vor Prag nicht verstecken. Immer wieder geben die Gassen den Blick frei auf mittelalterliche Türme, Kirchen, Tore, dazwischen Jugendstil und Barockfassaden. An manchen Fassaden lassen sich noch mittelalterliche Fresken erkennen. Budweis ist wunderschön und jeden Besuch wert, nicht nur zu Weihnachten. Mich beeindrucken auch die hübschen Geschäfte, viele Blumenläden und Kunstgalerien wechseln sich mit internationalen Modefirmen wie Pandora ab. Vor einer Galerie hat jemand einen sehr künstlerischen Schneemann gezaubert – oder besser gesagt eine Schneefrau.  Und aus kleinen Bäckereien strömt der Duft von Mohngolatschen auf die Straße.

Budweis – ein Weihnachtsmarkt wie aus dem Märchen

Der Weihnachtsmarkt von Budweis liegt auf dem großen, rechteckigen zentralen Platz, vermutlich einem der schönsten Plätze der Welt. Jugendstilhäuser, ein barockes Rathaus, schmucke Fassaden überall. Und Arkaden unter allen Häusern, wenn es mal wettertechnisch ungemütlich wird. Und der Weihnachtsmarkt macht alles noch schöner. Im Zentrum liegt eine Eislaufbahn rund um einen bunt beleuchteten barocken Brunnen, die rege von Groß und Klein genutzt wird. Ich hätte auch Lust, aber ich bin nicht sehr sicher auf den Kufen und lasse es lieber. Um die Eisbahn stehen kleine Holzhäuschen in warmem Licht, voller Weihnachtsgeschenke, Weihnachtsschmuck und natürlich mit vielen Leckereien. Die Besucher sind nur wenige Touristen, aber viele Einheimische. Das spüren wir bei der Atmosphäre, und es macht sich auch bei der Preisgestaltung bemerkbar. Mondpreise wie in München sind hier Lichtjahre entfernt.

Aber die Qualität ist hoch. Der Markt ist authentisch, originell und voller Dinge, die ich so noch nirgends gefunden habe. Unter anderem verkauft ein Stand die aufwendigsten Plätzchen, die ich je gesehen habe – die Glasur mit Heidelbeeren oder Himbeeren gefärbt und mit hauchdünnen Marzipantieren belegt. Wunderhübsch! Besonders beliebt scheinen in Tschechien die Baumstriezel zu sein, die warm und frisch gebacken werden und dann in Zucker und Nüssen gerollt. Anders als bei uns werden sie in Tschechien auch gerne gefüllt, mit Sahne oder Pudding. Es gibt Langos und ganze Schweineschinken oder Spanferkel vom Grill, Stände mit salzigen Käsen, Glühwein oder Schnaps. Als Novität werden dieses Jahr an einem Stand „Budweis Balls“ angeboten, mit aromatisiertem Honig gefüllte Pralinen – wow! Das ist enorm lecker. Anders als bei uns dudeln auch nicht nur Last Christmas Klassiker, sondern ab 17 Uhr singen Bands, wir erleben mit Lelaci eine sehr gelungene Mischung aus Volksmusik und mitreißendem Rhythmus.  Das ist einfach großartig. Ein supersüßes, nostalgisches Riesenrad rundet den Markt ab.

Nase Farma – Steakhimmel in Budweis

Wir trinken Glühwein, essen ein Striezel, aber es schneit immer heftiger und langsam wird es kalt. außerdem haben wir im Netz gegoogelt und haben Lust auf die legendären Steaks bei Nase Farma – Unser Bauernhof. Das Lokal liegt nah am Markt, in einem Innenhof, der im Sommer bestimmt super ist. An der Straße hängt ein hölzerner Bisonkopf – da geht es lang. Das Restaurant bezieht sein Fleisch von bekannten Bauernhöfen der Umgebung, alles bio, alles bestens.

Wir nehmen die Steaks für zwei auf Heu. Mit gebackenem Gemüse, Knoblauchdip, Bratensauce ein Traum. Das Gericht ist fast auf jedem Tisch im Lokal zu finden, kombiniert mit der Vorspeise Tatar, hier pikant gewürzt, mit frisch geröstetem Bauernbrot. Und natürlich gibt es das legendäre Budweiser Bier, leicht herb, frisch, ein Genuss. 40 Euro kostet die Steakplatte für zwei, da sag ich: gönn dir! Da stört nicht mal der gigantische ausgestopfte Bison, der über unseren Köpfen hängt. Wenn ihr in Budweis seid, das ist ein toller Laden!

Der Schnee wird immer heftiger und heftiger, wir sind froh, dass das Hotel Budweis eine Tiefgarage hat. Deswegen müssen wir am nächsten Tag schweren Herzens den Stop in Krumau streichen, es ist einfach kein Durchkommen mehr. Nach einem hervorragenden Frühstück im Hotel Budweis machen wir uns auf den Weg. Wir sind froh, als wir (trotz einer Begegnung mit einem Geisterfahrer auf der Autobahn bei Plattling) heil in München ankommen.

Wenn ihr mehr über einen Urlaub in Tschechien und der Region Südböhmen wissen wollt: Da helfen euch die Website www.jiznicechy.cz sowie die der Tschechischen Zentrale für Tourismus – CzechTourism www.visitczechia.com  weiter, die bei der Reiseplanung unterstützen und die sehr viel kostenloses Infomaterial anbieten. Unbedingt einplanen solltet ihr schon mal die südböhmische Theatersaison im Sommer, wo auf einer der innovativsten Freilichtbühnen fantastische Stücke wie Smetanas „Verkaufte Braut“ oder Händels „Messias“ aufgeführt werden.

Ich durfte eine Nacht im Hotel Budweis übernachten.

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