Dezember in Paris

Jeanne d’Arc Foto: Michaela Burch

Da es für Städtereisen immer mal wieder Schnäppchen gibt, haben meine Freundin Michi und ich ein 199 Euro Angebot genutzt, nach Paris zu fliegen. Natürlich ist der Dezember nicht der Traumreisemonat, es war durchaus kalt, windig, grau – aber ein guter Vorwand, ganz gemütlich im Cafe zu sitzen. Montag bis Donnerstag, genug, um viele, viele Kilometer der Stadt zu durchlaufen, den Louvre und den Eiffelturm zu besuchen, das Marais und natürlich viele Geschäfte, die sich in ihrer Dekoration überbieten. In vier Tagen und bei sehr trübem Wetter ist dennoch wenig lohnend, sich auf Entdeckungsreise in unbekannte Viertel zu machen…Wir haben uns gleich am Flughafen einen „Navigo Pass Decouverte“ für 5 Tage gekauft, damit kommt man vom Flughafen in die Pariser Innenstadt und kann dann alle Fahrzeuge nutzen, egal ob Bus, Bahn oder U-Bahn. Der Pass kostet für zwei Leute je 26 Euro – aber ein Passbild nicht vergessen! Unser Hotel war das Ibis Montparnasse/Alesia. Alles prima, das Hotel ist nicht megazentral, aber günstig, die Zimmer klein und recht effektiv geschnitten. Und mit der Metro ist man recht schnell überall….Zum Beispiel im Louvre.

Der Louvre bietet ja weiß Gott fantastische Artefakte zu bewundern. Nicht nur die Mona Lisa und andere Gemälde von da Vinci bis Ingres. Da ist zum Beispiel die Stele des Hammurabi zu sehen, das erste in Stein gemeißelte Gesetzeswerk der Welt, riesenhafte, aus Stein gehauene Fabelwesen aus dem Palast in Persepolis, gigantische Säulenköpfe oder Statuen aus Ägypten. Und versteckt in Seitengängen, in die sich nur wenige verirren, die Kaffeemühle von Madame Pompadour, das Reiseservice von Marie Antoinette und vieles mehr an Kleinigkeiten, die die Geschichte so hinterlassen hat. Wobei das Reisegeschirr keine Kleinigkeit war – immerhin hat es ihr und dem Rest der Königsfamilie letztendlich den Kopf gekostet: denn die königliche Familie packte für ihre Flucht so viel ein, dass sie eine auffällige, riesige Kutsche brauchten und damit viel zu langsam waren – so wurden sie geschnappt…Am Louvre begeistert mich jedoch das majestätische Gebäude selbst am allermeisten. Die riesigen Galerien mit den fantastischen Decken und Böden aus Marmor oder Parkett, gewaltige Treppenhäuser, Immer wieder neue Aussichten auf weitere Innenhöfe, Parks, Türme und und und…man merkt, das war mal ein Palast…und was für einer. Viele Touristen sind enttäuscht, weil die Bilder von Da Vinci nicht so hängen, wie der da Vinci Code von Dan Brown es beschreibt. Mies, wenn die Realität doch banaler ist. Immerhin kann man die Mona Lisa auch bei viel Geschiebe gut sehen – eine Milliarde ist das Bild wert. Wenn das der ewig pleite da Vinci das geahnt hätte. Vielleicht hat es das Malermodel gewusst und grinst deswegen so hämisch.

In Paris ist alles immer eine Spur größer und majestätischer. Ich hab mich gefragt, woher das kommt. Und das ist zumindest mein Erklärungsversuch: Frankreich ist seit Jahrhunderten ein Staatsgebilde mit immer einer Hauptstadt, die immer wieder noch üppiger gestaltet wurde. Das ganze Geld wurde in die Ausstattung dieses einen Juwels geballert. Frankreich ist nicht, wie Deutschland, ein Produkt von kleinen Staaten, die sich erst relativ spät zu einem Ganzen zusammengefunden haben und bei dem jede Hauptstadt (Wien, München, Berlin, etc) ihr eigenes Süppchen kocht. Berlin ist jetzt auch riesig, aber hat wenig von der unfassbaren Grandezza von Paris. Wer auf dem Eiffelturm steht, sieht eigentlich kein Ende der Stadt in irgendeiner Richtung, dafür jede Menge Prunkbauten, Kuppeln, Schlösser, Stadtpalais, Museen und Monumente, die über das Meer der bleigrauen Dächer ragen.

Auch wenn die asiatischen Touristen drohen und alles ein Klischee ist: Notre Dame, der Eiffelturm und der Louvre sind definitiv einen Besuch wert. Um das Anstellen zu vermeiden, empfiehlt es sich, alle Karten vorab online zu bestellen, das geht über das Tourismusbüro und kostet nicht mal extra. So spart man sich stundenlange Wartezeiten, die bei kurzen Städtetrips wirklich die Laune vermiesen können. (Bei langen auch). In Notre Dame hatten wir einfach Glück, um 10 Uhr wollten sonst nur wenige dorthin. Endlich mal in Ruhe die Kathedrale besichtigen. Mit Michi hat das Spass gemacht, sie hat ein unglaubliches Auge für Details. So haben wir uns ausführlich die lustigen Wasserspeier angesehen…

Am Eiffelturm sparten wir durch eine Vorbestellung viel Zeit und übersprangen die Schlange. Fast. Denn eins kann man nicht überspringen: die Sicherheitskontrollen. Und die sind in Paris mittlerweile heftig. Am Eiffelturm gibt es Schleusen wie am Flughafen, genauer gesagt gleich zwei davon, durch die man durch muss. Im Louvre ist man unter dauernder Beobachtung. In jedem Geschäft werden die Handtaschen gecheckt und auf allen Strassen patrouillieren bis an die Zähne bewaffnete Soldaten. Das macht richtig beklommen. Vor allem de Handtaschenkontrollen empfand ich als verstörend. Das ist jetzt wohl die neue, buntere Welt, über die sich unsere Politiker so unfassbar freuen…

Als solche Tore noch ausgereicht haben… Foto: Michaela Burch

 

 

Verfasst von

Best Ager über 50. Redakteurin, Bloggerin, PR-Beraterin Infuencer Relations, Twitterfan. Spezialistin für das gute Leben: Nachhaltigkeit, Fair Trade, schöne Dinge aus Manufakturen - if you wanna have a good time, gimme a call