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Lena Salmi – Helsinkis älteste Skaterin (mein Idol)

Was würdest du tun, wenn dir die Meinung anderer Menschen völlig egal wäre? Würdest du dich anders kleiden, andere Dinge ausprobieren? Das sind die Fragen, die eine Begegnung mit Lena Salmi in mir hervorruft. Denn Lena ist wirklich frei. Sie macht was sie will, isst was sie will, zieht an, was sie will. Und sie erscheint für mich der glücklichste Mensch der Erde zu sein. Ihr erster Rat zum Thema Glück: „zum Frühstück esse ich immer eine Kugel Eis. Früher musste ich Porridge essen. Das hat mir keinen Spaß gemacht, jetzt entscheide ich nur noch für mich selber, deswegen gibt es Eis“ Eigentlich easy, oder?

Auf die Begegnung mit ihr habe ich mich bei den Helsinki Happiness Hacks am meisten gefreut. Denn sie lebt das, was ich mich nicht traue. Sie ist 70 Jahre alt, ehemalige Sportredakteurin, begeisterte Schwimmerin und – die älteste Skaterin Finnlands. „Ich  war 60, als ich damit angefangen habe, ich habe es ausprobiert und es hat bei mir einfach Klick gemacht.“, erklärt sie ihre Leidenschaft lakonisch. Die Kids auf dem Skatepark lieben sie, sie ist ein geachtetes und gern gesehenes Mitglied der Community. „Skating ist total demokratisch. Hier ist jede und jeder willkommen“.

Nein, Lena Salmi  ist nicht die typische 70-Jährige, die du erwarten würdest. Im wehenden Tutu düst sie auf ihrem Skateboard durch Helsinki und fordert mit jeder Pirouette die Schwerkraft heraus. Die frühere Profischwimmerin und Sportreporterin trotzt ihrem Alter und geht das ganze Jahr über mindestens fünfmal in der Woche morgens schwimmen, entweder in einem der städtischen Freibäder oder direkt in der Ostsee.

Glück ist für Lena die Freiheit, sie selbst sein zu dürfen, so, wie sie eben ist. Diesen Glücksbegriff teile ich, aber ich lebe ihn bei weitem nicht so kompromisslos wie Lena. Ich denke viel zu viel darüber nach, was andere Leute von mir denken, was in meinem Alter passt und was nicht. Es kann natürlich auch sein, dass wir Deutschen da ein bisschen spießig sind, vor allem in München – hier ist das Thema, möglichst nicht aufzufallen. Schade. Verrückte Exzentriker, die einst die Stadt bevölkerten, gibt es nicht mehr in München.


Das ist in Helsinki anders. Lena Salmi fällt nicht besonders auf. Helsinki ist bunt und voller Individualisten vom Heavy Metler bis zur knallbunten Marimekko-Ultra. Die Stadt ist ihr Tummelplatz und ohne Angst vor dem Urteil Fremder kurvt sie durch die Straßen, wo die anderen Skateboarder sie mit einem High Five begrüßen. Das Skaten ist ihre Leidenschaft und Helsinki der perfekte Ort dafür. Die Finnen sind da völlig tiefenentspannt. Leben und leben lassen, ist dort nicht nur ein hohler Spruch, sondern gelebte Realität.

Am besten findet sie am Skateboarden, dass es Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenbringt. Gelegentlich gibt Lena Jüngeren wie Älteren Skateboard-Unterricht und ermutigt sie, einfach Spaß zu haben und ihr Leben zu genießen – genau wie sie selbst. So durften auch wir das Skaten ausprobieren, die Wände des Skateparks mit Graffitis verzieren, einfach Spaß haben, ohne uns zu schämen. Und ich muss sagen, das hat lange nachgewirkt. Ich hab jetzt auch ein Skateboard…

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Ein Kommentar

  1. Hmmm, hoert sich an nach UMziehen, denn Muenchen wird’s wohl kaum schaffen, waehrend Deiner (noch zur Verfuegung stehenden) Lebenszeit seinen ‚Arsch‘ anders zu bewegen/anders zu werden?!
    In generell ist’s wohl auch sehr stark das Neidgefuehl, welches Menschen (fast ueberall?) auf (s)ein jeweils dort akzeptiertes Niveau ‚einbuegelt‘.

    Zumindest dies selbst schon durch einige unterschiedliche, aehem, ‚geographische Lebensumstaende‘ in meinem auch fast ‚Lena-Alter‘ erlebt.
    Uebrigends: Wirklich NICHT ‚typisch Deutsch‘, denn selbst dort kann man seine, aehem, ‚regionalen (seeeehr unterschiedlichen!) Blauen Wunder‘ erleben!
    Ich stimme ‚Frau Lena‘ zu und bin auch auf einem sehr guten (aber auch tapfer zu verteidigenden!) Weg zu diesem mM Menschenrecht.
    Meine Devise: so lange es legal ist; Niemanden wirklich weh tut (in Form von wirklich koerperlichem Schmerz!) und Niemand daran stirbt ….. ausser vielleicht ich selbst an (m)einer unterschaetzten Leichtsinns-Aktion …..

    Ich wuerde/muesste Deine Frage also ehrlicherweise mit einem profunden „Getting there!“ beantworten. Wohlwissend, dass auch ich hierbei ordentliche ‚Lebenserwartungs-Limits‘ zu akzeptieren habe. Ich gestehe allerdings auch: mit derzeitigem Wissenstand haette ich VIELLEICHT ein paar meiner frueheren Entscheidungen doch anders gemacht. Nachdem mir aber fuer/bei diesen (evtl. anders zu entscheidenden) Beschluessen EINST schon grosse Informations(an)teile fehlten, koennte es gut noch einmal zu denselben Wiederholungen kommen, welche ich manchmal zweifelnd ‚(zer-)gruebele‘. Wie nannte das einst ein Bloggerfreund so schoen: Das ist Läääben!

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