Das Essigmuseum Giusti von Modena – 400 Jahre Foodtradition
Wenn man in den USA herumfährt, gibt es überall kuriose Museen. Das Idaho Kartoffel Museum, das UFO-Museum in Roswell oder das Neonmuseum in Las Vegas. Aber auch bei uns in Europa gibt es lustige und interessante Museen, die manchmal auf beliebten Strecken in den Süden zu finden sind. Das Zahnmuseum in Linz zeigt die Geschichte der Zahnmedizin, in der Bar des Auracher Löchls in Kufstein gibt es die größte Ginsammlung der Welt zu bewundern. Und in Modena, nicht weit von den Touristenzentren Verona oder Venedig, gibt es ein Museum, dass dem Aceto Balsamico gewidmet ist. Und zwar einem, den vermutlich jede und jeder, der italienische Küche liebt, bei sich zu hause hat.

Seit 1605 in guten Küchen zu finden – Essig von Giusti
Es gibt Produkte, die dürfen bei uns in der Küche nicht fehlen, zum Beispiel der wunderbare Aceto Balsamico von Giuseppe Giusti. Der muss sein. In Weiß und Dunkelbraun gibt der feine, zähflüssige Essig vielen Gerichten den letzten Schliff. Bitte nicht zu verwechseln mit den fies süßen Balsamicocremes, die in günstigen Restaurant verschwenderisch über alles gegossen werden. Das ist nicht der echte Stuff. Was ich auch nicht wusste und was das Museum lehrt: Acetaia Giusti wurde bereits im Jahr 1605 in der italienischen Region Emilia-Romagna gegründet und ist so die älteste Essigmanufaktur der Welt. Claudio Stefani Giusti, der 17fache Enkel des Firmengründers, führt 400 Jahre alte Familiengeschichte fort. Mich faszinieren derart historische Lebensmittel sehr. Der Essig kann mehr als nur Salat und Mozzarella, er verfeinert sogar Desserts und Cocktails – ein paar Rezepte gibt es hier. Dass zum Beispiel Erdbeeren mit einem Hauch Essig besser schmecken, ist kein Geheimnis.
Acetaia Giusti: Jahrhundertelange Tradition
Die ersten Spuren der Essigfermentation gehen bereits auf die Zeit des römischen Reichs zurück. Aber erst in der Renaissance wurde der Balsamessig zum ‚schwarzen Gold von Modena‘ und zum ‚Elixier der Könige und Fürsten‘, das sich einen Ehrenplatz an Tischen der europäischen Aristokratie erobert hat. Wir essen wie die Könige und wissen es nicht! Die Rezeptur wurde mündlich von Generation zu Genration weitergeben und als kostbares Familienerbe geschützt. Ebenso wurden die gereiften Holzfässer auf den Dachböden Modenas mit Adleraugen bewacht.
In der Belle Époque wurden Balsamessige aus Modena über die Landesgrenzen hinweg bekannt. Die Teilnahme an den damaligen Weltausstellungen hat Giusti 14 Goldmedaillen eingebracht. Und er wurde Hoflieferant der italienischen Könige. Die Essige gibt es von relativ einfach (für Leute wie uns) bis zu wertvollen Editionen für die Spitzengastronomie. Die Krönung sind die beiden Riserva ‚50‘ und ‚100‘, die jedes Jahr nur in extrem limitierter Menge, aus einer Reihe ausgewählter Fässer aus dem 17. Jahrhundert, entnommen werden. (Und ja, die Essige werden wirklich über ein Jahrhundert gelagert)

Ein Museum für den Essig – was für echte Foodies
Wenn ihr jetzt Richtung Süden fahrt, macht doch einfach mal in Modena Halt. Die Stadt ist berühmt für Ferrari und Lamborghini, die hier ihren Hauptsitz haben und für ihre üppige, wunderbare Küche. Parmesan und Prociutto haben hier ihren Ursprung – und eben der Balsamessig. Im Museum könnt ihr erleben, wie er hergestellt wird und welcher aufwand nötig ist, nach manchmal über 100 Jahren ein Qualitätsprodukt zu erhalten. Im Herzen der Essigmanufaktur, einem großzügig angelegten Landsitz mit mehreren freistehenden Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert, wurde im Oktober 2018 das Museum eingeweiht.
Eine Reise durch Zeit und Raum, veranschaulicht durch zahlreiche kostbare, wiederentdeckte Gegenstände und überlieferte Dokumente. Zu den wertvollsten Stücken gehören jahrhundertealte Fässer verschiedener Größen, die teilweise noch heute zur Essigherstellung genutzt werden. Darunter ist auch das Fass ‚A3‘ mit dem Giuseppe Giusti 1861 in Florenz, anlässlich einer Ausstellung des Hauses Savoyen, eine Goldmedaille für seinen 90 Jahre alten Balsamico gewann. Der restaurierte Weiler beherbergt neben dem Museum und den Räumlichkeiten zur Essigreifung in antiken Fässern auch einen Verkostungs- und Empfangsbereich, in dem Besucher die Produkte der Essigmanufaktur erfahren und verkosten können. Geschichte zum Essen ist doch ganz wundervoll und lehrt uns wieder, die Speisen so richtig zu wertschätzen.
Acetaia Giusti S.r.l.. P.IVA IT 01509010367 – Strada Quattro Ville, 155 – 41123 Modena
