Warum wir noch reisen dürfen – nein, reisen müssen!

Momentan tobt ja in Deutschland die Debatte, darf man reisen oder nicht? Die Meinungen gehen wie immer weeeeeiiiit auseinander, für die einen trägt der Urlaub zur Klimakrise bei und sollte dringend verboten werden. Die anderen bestehen auf ihr Recht auf Mallorca und Erholung für die Familie. Dass Flugreisen nicht die umweltfreundlichste Art des Reisen ist, ist ja unbestritten. Gemeint sind natürlich Fernreisen. Die lange Flugzeit, das viele Kerosin, die Belastung für die Umwelt. Das ist natürlich ein bedenkenswerter Grund. Derzeit kommt auch noch die Situation mit Corona dazu. Darf man sich der Unabwägbarkeit aussetzen, in ein fremdes Land zu reisen und sich dort womöglich anzustecken? In diesem Sommer haben sich viele für eine Zwischenvariante entschieden, keine Fernreise, sondern Urlaub in Europa. Die Bilder von kroatischen oder griechischen Stränden lassen zweifeln, ob das so eine gute Idee war, zumindest im Hinblick auf die Pandemie. Mehr Gewusel geht eigentlich nur noch auf dem Oktoberfest. Ich habe dieses Jahr auch lange gegrübelt, wir haben uns lange gestritten, ob wir es wieder wagen können, nach Asien zu reisen. Mein Freund war vehement dafür. Mir selbst war das alles zu riskant, zu unsicher, zumal Vietnam ein Land war, in dem wir noch nicht gereist sind. Und natürlich war für mich der Umweltaspekt ein Problem. Um es vorweg zu nehmen: Ich bin froh, dass wir es letztendlich doch getan haben. Ich bin überzeugt, dass, wollen wir den Planeten retten, wir weiter reisen sollten – ja, es sogar müssen. Reisen tut viel mehr Gutes als dass es Probleme schafft. Lassen wir uns den Spaß am Reisen nicht verderben, dazu ist es zu wichtig! 

Unser Planet ist wunderschön. Vielfältig, reich an wunderbaren Landschaften, magischen Orten voller Zauber. Wir sollten diese Orte besuchen, achtsam, ohne sie zu zerstören. dann sehen wir nämlich, wie wert diese Erde es ist gerettet zu werden. Ich glaube, solange viele Menschen die Paradiese dieser Erde nur aus dem Fernseher kennen , bleiben sie abstrakt. Sie sind wie Landschaften in einem Fantasyfilm. Reisen verschafft einen ganz anderen Zugang. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht, was schief läuft und was woanders besser gehandhabt wird. Auf einer kleinen Insel, auf der wir während unserer Vietnam Reise zu Besuch waren, hab ich von einem Umweltschutz-Projekt gehört. Da arbeite ich jetzt mit und versuche, auch Menschen in Europa auf dieses Projekt aufmerksam zu machen. Und möchte so etwas an mein Gastland zurückgeben. Da werde ich euch noch dazu berichten. Alle Reisenden, die ich kenne, sind auch aktiv im Umweltschutz. Ist das ein Widerspruch? Für mich nicht.

Die Menschen rund um den Globus sind verschieden, wir kennen einander oft nur mit den immer gleichen Klischees, die überall reproduziert werden. So richtig kennen wir uns kaum. Immer noch nicht, trotz Internet, trotz Tourismus. Und da kann Reisen, richtiges Reisen, dazu beitragen, dass wir uns besser kennenlernen. Wir lernen auf unseren Reisen so viel. Wir überwinden Grenzen – in jeder Hinsicht. Klischees verschwinden und fremde Menschen schließen echte Freundschaften. Wir erkennen, dass hinter anderem Aussehen, anderen Religionen, anderen Gebräuchen Menschen stecken wie wir. Das macht offener, wenn es wieder nach Hause geht. Reisen verhindert Rassismus.

Reisen heißt: sich einlassen auf ein Land

Die zweijährige Pause, die Corona gebracht hat, bietet nun eine einmalige Chance: die Länder können von uns Westtouristen wieder neu entdeckt werden. Die Lokale haben ihre internationalen Speisekarten weggeschmissen, die Hotels haben sich wieder mehr auf ihre Landleute fokussiert. Dadurch, dass wahnsinnig wenig Touristen im Land sind, lässt sich ein Land wie Vietnam wunderbar neu erkunden. Wir haben auf unserer Reise sehr viele Menschen getroffen,, die sich sehr gefreut haben, dass endlich wieder der Tourismus anläuft. Denn die leben davon. Die Länder sind auf uns angewiesen. Das dürfen wir nicht vergessen. Wenn wir ihre eigenen kleinen Hostels und Homestays buchen, die von einheimischen Besitzern betrieben werden und in ihren originalen Lokalen und Streetfoodstalls das köstliche Essen genießen, dann tun wir eine Menge Gutes. Etwas, das direkt dem Land zugute kommt.

Statt zu überlegen, ob man reisen lassen sollte oder nicht, sollten wir vielmehr die Art und Weise überdenken, mit der wir reisen. Das würde ich euch gerne erläutern. Es ist einfach meine Meinung, wenn ihr eine andere habt, schreibt es in die Kommentare, ich freu mich über einen Austausch dazu.

Badeurlaub als Fernreise kann weg!

Was nach meiner Meinung weg kann, sind reine Badereisen. Es ist komplett bescheuert, in ein Ressort in die Dominikanische Republik zu jetten, um dort den gleichen Badeurlaub zu verbringen, den man auch in Kroatien oder Kreta verbringen könnte. Was soll sowas? Vor allem gibt es Menschen, die ihre Ressorts, meist betrieben von großen internationalen Hotelketten, nie verlassen. Also hat das Gastgeberland auch nichts davon. Die Ressorts gehören meist internationalen Gruppen, das Geld bleibt nicht im Land. Diese Art Urlaub ist nach meiner Meinung so überholt wie Kreuzfahrten. Die Menschen, die solche Urlaube machen, bekommen auch nichts mit von der einheimischen Bevölkerung. Denn vor denen haben sie Angst. Die könnten sie berauben, überfallen etc. Klar, es gibt Länder, da ist Vorsicht angebracht. Aber Vorsicht muss nicht völligen Verzicht auf jeden Kontakt bedeuten. Auch die Befürchtungen beim Essen sind meist übertrieben. wir haben in keinem Urlaub, in dem wir waren, sei es Ägypten, Thailand oder Vietnam auch noch annähernd ernsthafte Probleme mit dem Essen gehabt. Es war weder zu scharf noch war es irgendwie für uns nicht geeignet. Faustregel: Da hingehen, wo viel Betrieb ist und dann passt das schon.

Manchmal denke ich, dass die Panik, die die Ressorts verbreiten von wegen gefahren außerhalb, nur erfunden sind, um die Touristen möglichst bei der Stange zu halten. In all den Ländern, die ich bis jetzt bereist habe kann ich keine dieser Gefahren bestätigen. im Gegenteil. Das Essen ist besser, die Leute sind sehr freundlich. Und wenn man ihnen nicht unbedingt mit Goldschmuck und einer dicken Brieftasche vor der Nase wedelt, gibt es auch keine Probleme. Das war in der Karibik nicht anders als in Südost-Asien. Ich will niemanden seine anderen Erfahrungen absprechen, und ich bin sicher es ist beim Reisen eine gewisse Vorsicht geboten, aber im Großen und Ganzen ist es überall: fast alle Leute sind nett. Und diese Erkenntnis hilft auch zu Hause. Denn der Abbau von Vorurteilen ist einer der wichtigsten Aspekte am Reisen. Wer gute Erfahrungen mit anderen Menschen im Ausland macht, wird Ihnen auch zu Hause freundlicher und offener begegnen. Nicht immer das Schlimmste von Leuten annehmen hilft ungemein. Dieser Aspekt der gewonnenen Welt-Offenheit kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Mit Sicherheit ist es einer der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste Grund überhaupt, weiter zu reisen. Und Menschen begegnen heißt nicht, sie nicht als Angestellte im Ferienressort wahrzunehmen, als Kellnerin oder im Massage Salon, sondern sich mit Ihnen unterhalten, auszutauschen – einfach auf Augenhöhe begegnen. Dieser koloniale Ansatz kann bitte weg.