Hilgerlicious – Luxus ist unsere Natur

Alles, was das Leben schön macht – aber nachhaltig!

Warum es hier gerade so still ist oder: vom Umgang mit bitteren Zeiten

Ihr habt euch bestimmt schon gewundert, warum es hier so still geworden ist. Das tut mir leid, denn ich habe noch einige Artikel in der Pipeline. Die kommen jetzt, keine Bange. Aber manchmal ist es einfach so schwierig, alle Bälle, die einem das Leben so zuwirft, zu jonglieren und in der Luft zu halten. Da gibt es nur eine Lösung. Am besten ein paar Bälle zurücklegen und schauen, wie man mit weniger eine gute Show hinlegt.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die alles können und schaffen

Immer wieder lese ich von Menschen, die gleichzeitig alles können: eine tolle Karriere machen, den Haushalt schmeißen, ein aufregendes Liebesleben haben, jeden Tag meditieren, jeden Tag Sport, jeden Tag frisch kochen und nebenbei noch eine vierstöckige Torte für die Hochzeit der Nachbarin mal so aus dem Ärmel zaubern. Und dann auch noch ein Ehrenamt, logisch. Das bin nicht ich. Ich bin derzeit sehr froh, wenn ich meiner Partnerschaft, meinem Job und meinen Freunden einigermaßen gerecht werde, zweimal die Woche zum Sport gehe und die Wohnung nicht im Chaos versinkt. Andere versichern mir, das sei genug. Ich denke nicht und habe ein permanentes schlechtes Gewissen. Ich sollte mehr machen, mehr schreiben, mehr rausgehen, mehr erleben. Ich habe ein schlechtes Gewissen den anderen gegenüber und auch mir selbst. Denn, ist nicht jeder Tag dazu da, bis zum Maximum ausgekostet zu werden. „Lebe jeden Tag, als ob es dein letzter wäre“ – naja, ich kann nur hoffen, zum letzten Tag ist es noch eine Weile hin, denn momentan möchte ich nicht, dass meine letzten Tage so derartig dröge sind, dass schon das „Sommerhaus der Stars“ ein Highlight im Terminkalender darstellt. Und ich habe ein schlechtes Gewissen gegenüber meinen Freunden, denn ich denke, ich vernachlässige sie ein wenig. Es gibt so viele Menschen, bei denen ich mich unbedingt einmal melden sollte. Aber wann treffen? Ich gehe derzeit nach meiner Arbeit heim und bin froh, wenn mein Freund da ist, dass wir gemeinsam kochen und essen können. Vielleicht sollte ich mehr Yogurette essen, die Frauen in den Werbespots für die Erdbeerschokolade haben ja überbordend Energie, während ich gerade meine kleinen Reserven gut einteilen muss?

Aber es ist eigentlich auch okay – es geht ja vielen so

Nicht missverstehen, es geht mir gut. Aber ich spüre, dass sich das ändern könnte, wenn ich zu viel mache, mir zu viel vornehme. Denn die Zeit ist momentan einfach schwierig. Wie eine bleierne Decke legt sich eine trübe Stimmung über die Gesellschaft. Es ist viel Trauer da, viel Angst und Wut. Viele haben derzeit wieder Angst, ihre Existenz zu verlieren, bangen darüber, ob sie auch in Zukunft die immer weiter steigenden Preise werden bezahlen können.  In jeder Nachrichtensendung ist ein Krieg zu sehen, der gefühlt immer weitere Kreise zieht und sich immer näher in unser Leben drängt.  Wer weiß, wie nah er uns noch kommen wird? Ich kann bei all den Nachrichten nie ausblenden, dass sich da auf beiden Seiten Menschen gegenüberstehen, dass jeder Sieg ein Schlachtfeld voller Leichen bedeutet. In den Nachrichten und sozialen Medien wird gern so getan, als ob man über ein virtuelles Strategiespiel berichtet. Das Blut wird gerne ausgeblendet. Aber jeder explodierte Panzer bedeutet explodierte Soldaten. Als Frau, die sich sehr für Geschichte interessiert, ist das einfach nicht zu leugnen. Krieg war seit Anbeginn der Menschheit ein sehr schmutziges Geschäft.

Der Krieg zieht weite Kreise, auch in unserer Wirtschaft ist er angekommen, alles wird teurer und Rohstoffe werden rar. Das geht auch an meinem Geldbeutel nicht spurlos vorüber – und dem geht es eigentlich recht gut. Aber ich hab momentan keine Lust, mir was zu kaufen, außer notwendige Dinge, Essen gehen macht mir nur so mittel Spaß.  Und immer noch ist – was mich besonders mürbe macht – in Deutschland allein das Corona-Virus am Wüten. Nur wir tragen noch Masken, testen und ein kleiner werdender, aber immer noch lauter Haufen will, dass alle Maßnahmen für immer fortgeführt und verschärft werden. Das könnte einem egal sein, wenn nicht einer der Corona-Fans der Bundesgesundheitsminister wäre, der alle anderen Länder zu Geisterfahrern erklärt. Da regt mich die trotzige deutsche Haltung auf, immer und überall einen Sonderweg zu benötigen. Die Stimmung in der Bevölkerung wird immer aggressiver, bei vielen Themen stehen sich die Leute unversöhnlich gegenüber, schon allein die Debatte, ob man Fleisch ist oder nicht, kann tagelange Wutdebatten auslösen. Zusätzlich frustriert mich, wie wenig beim Thema Klimaschutz vorangeht. Das steht momentan überall hintenan, weil erstmal der Atomkrieg verhindert werden muss, bevor wir uns weiter über den Weltuntergang Gedanken machen. Wenn es so weitergeht, regieren demnächst ein paar Idioten in unterirdischen Bunkern über verbrannte Erde.

Ich brauche meine ganze Kraft, um mich gegen diese Flut aus Negativität zu stemmen. Viel in mich rein hören, viel Ruhe, Tee trinken daheim und bloß nicht zu viel unternehmen. Sonst kippt das alles. Ich war schon mal depressiv, das brauche ich nicht wieder. Und wenn der Preis dafür ist, kleine Brötchen zu backen, dann ist das eben so, auch okay. Denn komplett rausnehmen, das geht nicht. Ich kann die Nachrichten nicht ignorieren, das geht schon beruflich gar nicht. Als PRlerin bin ich verpflichtet, mich zu informieren, die Medien zu lesen, ich muss wissen, was gerade so los ist in der Welt unserer Kunden. Klar, ich könnte mich in eine Blogger-Büllerbü-Welt zurückziehen, weiterhin Niceigkeiten posten, aber das will mir momentan nicht aus der Tastatur. Ich schwöre, ich hab rund 10 zu zwei Dritteln fertige Artikel hier liegen. Auch viele Reisethemen, die Gott sei Dank noch in den Herbst passen. Habt Geduld mit mir – ich muss sie momentan auch haben…