Nein, das bleibt hier nicht leer! Ende der Blogpause

Hallo zusammen. Ich weiß, hier ist es lange still gewesen. Aber so ist das einfach manchmal beim Bloggen. Nenn es Schreibblockade, nenn es kreative Pause. Ich nenne es Neustart. Denn obwohl gerade nicht allzu viel los ist um mich herum – Corona-Klosterzeit – in mir drinnen passiert gerade sehr viel. Ich hab die Zeit für ein seelisches Großreinemachen genutzt. Was passt noch zu mir in meinem Leben, was kann weg? So eine Zeit der Ruhe macht ja was mit einem. Wenn die ganzen Einflüsse von draußen wegfallen, dann wird es sehr still und plötzlich höre ich die eigenen Gedanken wieder besser. Und ich habe keine Veranlassung gesehen, wegzuhören, zu betäuben, zu verdrängen. Auch, wenn einiges schmerzlich war. Ich habe mich nochmal mit dem Tod meiner Eltern beschäftigt, ich habe versucht, in mir aufzuarbeiten, was ich damit verbinde. Einige Muster sind mir klarer geworden, an anderen arbeite ich noch. Vielleicht auch mal mit einem Blick von außerhalb – das werde ich noch sehen.

Der kühle, klare Badeteich

Ich bin recht stolz auf mich, noch nicht durchgedreht zu sein. Viele halten Stille und dieses ewige Abwarten nicht gut aus und ich bin eigentlich auch ein Mensch, der gerne viel Action hat. Und jetzt ist das alles weg, keine Messen, keine Parties, keine Konferenzen, kaum Treffen. Es ist ja auch komisch. Eine Welt, die eigentlich alle 5 Sekunden eine andere Abwechslung bietet, die ist plötzlich ganz ruhig geworden. Entschleunigt. Und in der Ruhe schwimmen alte Dämonen ans Licht des Bewusstseins, die man durch Krawall und Action bislang verscheuchen konnte. Bloß nicht nachdenken, was fehlt oder was so schiefgelaufen ist im Leben.  Jetzt sind sie da. Dieses Auftauchen von alten Problemen, alten Denkmustern in der Ruhe der Corona-Zeit ist eins der großen Probleme, die wir derzeit haben. Wir alle werden auf uns zurückgeworfen, müssen uns selbst aushalten. Für manche scheint das unerträglich zu sein. Anders lässt sich so manches Verhalten nicht erklären. Ich hatte Glück, sehr viel ist in der letzten Zeit nicht schief gegangen, deswegen ist mein Leben recht gut aushaltbar. Trotz allem.

Wer an Reptiloiden glaubt, hat es schwer bei mir

Und hab jedenfalls erstmal alles zur Disposition gestellt. Bis auf meine Beziehung, da war mir sofort klar, die ist ab und an schwierig, aber die will ich behalten. Das Leben zu zweit ist einfach schöner, erfüllter, reicher und glücklicher als wenn ich Single wäre. Der Mann ist die Mühe wert. Meine Freundinnen standen auch nicht zu Debatte. Es gab zwar auch hier Brüche: von einer engen Freundin werde ich einfach geghostet, das tut schon ein wenig weh, andere, weitere Freundinnen oder Bekannte, sind leider Richtung Impfschwurbelei entschwunden. Ehrlich: mit Menschen, die mir ernsthaft erklären, dass „Angela Merkel vermutlich von Reptiloiden gelenkt würde oder sogar selbst ein Echsenmensch sei“ – ne, mit so jemandem möchte ich dann doch nicht befreundet sein. Das ist mir zu weird.

Du kannst achtsam und trotzdem ein Arschloch sein

Der Job passt, ich hab eh Stunden reduziert. Aber so der Rest… naja. Es bleibt recht wenig Kraft für viel weiteres Engagement und so stand eben auch der Blog auf der Kippe. Was mache ich damit? Passt das Thema noch zu mir? Und ich muss sagen, so ganz passt es nicht mehr. Denn Nachhaltigkeit wurde in den letzten Jahren zu einem fast beliebigen Begriff. Momentan ist alles irgendwie nachhaltig, selbst wenn Firmen mal 5 Prozent Biobaumwolle in ihre Polyester-Plünnen mixen, ist das eine Großtat, die von den PR-Menschen der Firmen umjubelt wird. Atomkraft und Gas sind plötzlich nachhaltig, Chemiefleisch mit 10.000 Zusatzstoffen und komische teure Kerzen, die „smells like my vagina“ heißen. Influencer entwickeln T-Shirt -Kollektionen, die nachhaltig sein sollen, aber halt auch nur den Konsum befeuern. Da will ich nicht mitmachen. Mich nervt das Bohei eigentlich mehr. Grün und Nachhaltigkeit sind zu Lifestyle-Moden verkommen. Menschen, die mit einem Gesichtsausdruck zwischen heiliger Jungfrau von Orleans und Kim Kardashian in nachhaltiger Yogawear ihre platten Weisheiten auf Instagram zum Besten geben. Ne, da will ich nicht dazu gezählt werden. Und – wie in vielen Fällen, geht es oft mehr um Virtue-Signalling als um echte Überzeugungen. „Ich bin ein besserer Mensch als andere, weil ich achtsamer bin, veganer bin, grüner bin“ – Man kann leider achtsam, grün und nachhaltig und trotzdem ein Riesenarschloch sein. Da gibt es viele Belege dafür.

Nicht weg vom Grün – aber den Blog erweitern

Und so wird das Themenspektrum erweitert. Um ein Thema, das mich wirklich beschäftigt: das Zusammenleben. Ich finde, das hat in der Pandemiezeit am meisten gelitten. Wir haben gesehen, wie sich alles spaltet, wie viele Egozentriker wir in der Bevölkerung haben, Leute, die nicht weiter sehen wollen als ihren eigenen Tellerrand. Und ich glaube, erst wenn wir diese Probleme in den Griff kriegen, dann werden wir auch die Klimathemen und alle anderen wichtigen Themen in Angriff nehmen können. Das schaffen wir nämlich nur gemeinsam. Und wenn mein Blog dazu was beitragen kann, das wäre ein Traum. Deswegen: mehr menschliches kommt jetzt dazu. Auch ein wenig mehr von mir und meinen Gedanken.