Blogging Medien

Mein Selbstverständnis als Bloggerin – oder: wie viel muss ich in Technik investieren?

Symbolbild Bloggercamp Harz

Es gibt manchmal so Momente, da ändert sich schlagartig etwas im Denken. Mir ging es so, es ist schon eine Weile her, beim Blogger-Camp im Harz. Ein Teil der Reise war einer Art Minibarcamp vorbehalten. Die anwesenden BloggerInnen, viele davon sehr erfolgreich, debattierten darüber, wie man noch erfolgreicher wird, noch besser gefunden wird, wie man richtig SEO betreibt und den Blog technisch optimiert. Da komme ich noch drauf. Und da fiel vor allem ein Satz, der mich irgendwie nicht mehr losgelassen hat: „Texte und Blogbeiträge im Web sind vollkommen anders als Texte in klassischen Medien wie Zeitschriften oder gar Zeitungen“. Und ich dachte mir – wow, stimmt eigentlich, aber ich hab das bis jetzt noch nie so gesehen. Der Unterschied sei, dass man bei Texten fürs Netz die gesamte Technik mitdenken muss. Keyworte suchen und in den Text einarbeiten, Keyworte in den Zwischenüberschriften, Keyworte in der Überschrift, Keyworte bei den Bildtexten und den Bildbeschreibungen. Dass man schauen muss, wonach gesucht wird, und auf diese Suchen ganz gezielt hinschreibt. Dann belohnt das Google, dann wird man gefunden – und das möchte doch jede BloggerIn, gefunden werden. Oder?

Bloggen und Tee trinken – ich bin lieber gemütliche Schreiberin statt Technikzampano

Ich schreibe mit Begeisterung

Einerseits, ja klar. Ich fände es auch genial, wenn täglich 10.000 Menschen meinen Blog besuchen würden. So sind es meist 20.000 – 25.000 im Monat, gar nicht so übel, finde ich. Mir reicht das. Aber irgendwie hat der Satz doch an mir genagt. Und jetzt kommen wir zu meinem Dilemma. Ich schreibe einfach gern. Das mach ich mit Begeisterung, das kann ich gut. Was ich nicht so wahnsinnig gerne mache, sind jede Menge Fleißaufgaben, auf Pinterest Bilder einstellen, jeden Tag wie wild Instagramen, Reels drehen, Bildbearbeitung…Äh – kann ich bitte die Jobbeschreibung nochmal lesen? Der Satz hat trotzdem gewirkt: Ich schaue jetzt ein bisschen genauer hin, wie ich einen Text so schreiben kann, dass er womöglich auch Google gefällt. Ich plane auch eine SEO-Beratung zu machen.  Aber komplett umkrempeln? Nein.  Ich werde mich wohl mit meinen Lesern begnügen müssen – ne, im Ernst, danke an euch alle, die hier mitlesen, ihr bedeutet mir die Welt! Ich komme aus dem klassischen Journalismus. Nach dem Studium war ich Volontärin bei einer Tageszeitung, danach bei Zeitschriften und dem TV. Ich hab deswegen den Blog, der dieses Jahr 12 Jahre alt wird, immer als Fortsetzung meiner Arbeit gesehen, ich hab über Dinge geschrieben, die mir am Herzen liegen, ich war Chefredakteurin, rasende Reporterin, Fotografin zugleich. Als ich anfing, den Blog zu schreiben, ging es um Inhalte, weniger um eine schöne Form. Sowohl der Blog als auch dessen Schreiberin mussten keinen Modelkriterien entsprechen. Es hat sich viel geändert. Nur eines nicht: UserInnen wollen immer noch gute Inhalte, davon bin ich überzeugt. Nur, damit sie die finden, müssen wir Contentschaffende erstmal durch die unsichtbaren Wände der ganzen Algorithmen schlüpfen. Und das ist gar nicht so einfach. Da ist man mit miesem Content in perfekt aufgemachter Fassade oft leichter unterwegs. Bei vielen BloggerInnen, mich eingeschlossen, erzeugt sowas Frust. Es ist so oberflächlich, blöde Schminkreels, immer wieder der Sprung in den Pool… Ich will es nicht klein reden, es ist eine Kunst, diese Form perfekt hinzubekommen, perfekte Filme zu drehen, originelle Reels. Vielleicht sollte ich da doch mit der Zeit gehen? Manchmal fühle ich mich wie ein faules Fossil, ein Dinosaurier, der vor dem Meteoriten nicht wegläuft, weil er irgendwie keine Lust dazu hat…

Wer mit dem Blog Geld verdienen will, muss optimieren, optimieren, optimieren

Vor allem, wer mit dem Blog Geld verdienen will, muss schauen, dass die ganzen Kriterien genau eingehalten werden. Dieses Thema ist bei mir vom Tisch. Ich hab mich dagegen entschieden, weil es zweifelsohne eine Vollzeitbeschäftigung darstellt, mit dem Blog Geld verdienen zu wollen. Entgegen der Vorstellung vieler, die Glauben, BlogerInnen und InfluencerInnen würden nur ihr Gesicht in die Kamera halten und gut – das ist einfach falsch. Da muss rund um die Uhr gerödelt werden. Optimiert, gepostet, geschrieben, gedreht, retuschiert, auf alle Kanäle verteilt, Keywörter gecheckt. Macht das mal, aber lasst mich raus. Ich gönne euch jeden Erfolg. Ich bin mit meinem Blog auch da, wo ich hinwollte. Das ist vollkommen in Ordnung so.

Trotzdem, ich bin dankbar für jede Diskussion, für jeden Denkanstoß und für jede andere Erfahrung – nur so kommt man weiter. Deswegen danke an euch alle vom Bloggerworkshop!

Cindy von Runfurther

Claudia & Anita von Aktiv durch das Leben

Björn von Bergparadiese

Caro von Caros Küche

Monique von Teilzeitreisender

Susi von Texterella

Jenny von Weltwunderer

7 Kommentare zu “Mein Selbstverständnis als Bloggerin – oder: wie viel muss ich in Technik investieren?

  1. Hallo liebe Katrin,

    du kennst meine Meinung! Ich schreibe auch relativ SEO-frei, einfach weil ich gerne schreibe und mich da nicht einengen lassen möchte. Und ich glaube, gerade deshalb bin ich auch erfolgreich (darf ich das sagen?)! An deiner SEO-Beratung wäre ich trotzdem interessiert (vermutlich nur, um es dann doch sein zu lassen … ;-))

    Liebe Grüße, Susi.

  2. Du schreibst genau, was ich auch denke. Ich bin ständig dabei, meinen Blog zu optimieren, aber nur so lange es Spass mact. Ich finde es nur schade, dass Du auf die Kommentare nicht antwortest. LG Ulrike

    • katrin hilger

      Hallo Ulrike. Ich versuche es eigentlich immer zu schaffen, momentan bin ich gerade ein bisschen durch. Ich hinke auch mit dem Blogbeiträgen total hinterher. Es ist in letzter Zeit so viel passiert, leider keine schönen Dinge. Momentan gebe ich zu benötige ich viel Energie, um überhaupt nicht unterzugehen. Weil Kommentare sind das wertvollste, was man so als Blogger kriegen kann. Das macht mich jetzt gerade sehr betroffen, dass das offensichtlich eine Missachtung meinerseits wahrgenommen wird.

  3. Bleib genau so, wie Du bist liebe Katrin. Deine Bildunterschrift finde ich sehr passend: Bloggen und Tee tringen… also entspannt bleiben und nicht verbiegen. Und das gilt für alle Blogger:innen, die nicht vom Blog ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen.

    Deinen Beitrag empfehle ich den Fans und Followern von trusted-blogs.com gerne weiter: da hatte ich ihn auch entdeckt. Danke, dass Du bei uns an Bord bist!

    LG aus HB,
    Eddy

  4. Man darf nicht vergessen, dass es ja immer ums Ranking geht bei SEO. Suchmaschinen haben ein mehr oder minder geheimes Ranking-Verfahren, das ist quasi ihr innerstes, ihr Betriebs-Lebens-Elixir. SEO ist nun der Versuch, nach vagen Erkenntnissen über dieses Ranking eine Webpage so zu machen, dass sie in der Trefferliste oben landet.

    Ich mache das für mein Blog nicht, was einer der Gründe sein mag, dass ich komplett erfolglos bin. Ein anderer ist, dass ich mein Blog als eine Art Kunstform sehe und gestalte, und heutzutage muss man Leuten im Netz ja schon die geladene Waffe auf die Brust setzen, damit sie irgendwas mit Kunst geschenkt nehmen.

    Warum aber ist SEO neben Erfolgsgeheimnis auch Kappes? Zum einen, klar im Beitrag hier schon genannt: Warum soll sich mein Text an eine (Such)Maschine anpassen und dabei riskieren, kein guter Text mehr zu sein? Aber auch: Was, wenn Google seinen Ranking-Algorithmus verändert, schreibe ich dann alle Texte neu? Aber, der dickste Klopper am Ende: Wenn alle Leute nach ähnlichen Rezepten SEO machen, dann werden sich alle Texte technisch immer ähnlicher und damit wird es immer zufälliger, wer der Top-Treffer ist. Unter allen Optimierten bist du dann wieder nur einer von vielen, der in der Masse untergeht.

    Geld verdienen? Jaja, mir würde es schon reichen, wenn 1x im Monat jemand was kommentiert. Denke ich so jeden Monat, wenn ich die hunderte Spam-Kommentare aus der Moderationsliste lösche.

  5. Hallo Katrin!

    Ein paar interessante Gedanken… mir geht es ähnlich. Ich glaube auch, dass es nicht wirklich nur um die Reichweite geht. Es geht darum authentisch zu bleiben und seine Zielgruppe zu bedienen. Der Einbau von zig Keywords ist da oft einfach suboptimal. Wenn die eigene Zielgruppe dann auch mit der von potentiellen Partnern übereinstimmt, umso besser. Aber ein stückweit schreibe ich ja auch für mich. Zumindest habe ich so angefangen. Und daraufhin haben sich ja erst so viele verschiedene Menschen für mich und meine Gedanken und Themen interessiert. Ich glaube also, dass es genau die „nicht-über-professionalisierte“ und SEO-optimierte Sache ist, mit der Du Deine Zielgruppe begeisterst. Mikro-Influencer eben 😉 Mich begeisterst Du auf jeden Fall!

    Liebe Grüße

    Björn von Bergparadiese

  6. Diesen äußeren Zwang, sich den modischen Trends anzupassen und die eigenen Dinge optimieren zu müssen, damit man bei einem Thema leichter gefunden wird – ich finde das auch total ätzend. Und es interessiert mich auch nicht. Weil: Was bringt es denn, wenn man so zentral gefunden wird? Hat man dadurch mehr Aufmerksamkeit? Oder geht es um reine Zahlen?
    Bissi Instagram füttern und Stories droppen bringt da imo mehr als das Blog zu optimieren. Bei mir sind der Großteil der Besucher daher auch alles long tail Besucher. Also Artikel, die ich vor 3-12 Monaten geschrieben habe, ranken ob des Alters höher und bekommen dann erst ihre Aufmerksamkeit.

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