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Mit Babyschrittchen zurück ins neue Normal – oder: huch, so viele Menschen!

Während der strengsten Phasen der Pandemie hab ich mir nur eins gewünscht: endlich wieder unter Leute, endlich wieder ganz normal Bahnfahren, Restaurants besuchen, mit Leuten feiern, Oktoberfest, Biergarten, Weihnachtsmärkte. Das hat mir so gefehlt und fehlt mir teils immer noch. Der Austausch, das kreative Momentum, das entsteht, wenn man auf lustige, intelligente Menschen trifft. Wir alle hatten vor der Pandemie dauernd verrückte Pläne, ich reiste viel, traf inspirierende Menschen. Es war wunderbar. Und von einem Tag auf den anderen war es damit vorbei. Treffen, Messen, Kongresse via Zoom, das war nett, aber ein wirklicher Ersatz war es nicht. Die Kollegen saßen alle im Homeoffice, viele Freunde blieben zuhause, Lokale waren geschlossen – wo hätte man sich auch treffen wollen? Nur die Hoffnung, dass der Spuk der Pandemie bald vorbei ist, gab mir ein bisschen Mut. Deswegen war der zweite Lockdown mit Abstand die schlimmste Zeit für mich – da hatte ich das Gefühl, das endet ja nie. Immer wieder neue Ziele, die erreicht werden mussten, immer wieder Verschiebung des Impfstarts, es war nervenaufreibend.  Dafür, dass wir aus dieser Dauerschleife rauskommen, habe ich mich impfen lassen, dafür habe ich Maske getragen und meine Kontakte eingeschränkt.

Wer gibt sich die Hand?

Jetzt, im Herbst, ist es eigentlich so weit – mit ein paar Ausnahmen und ein paar Maskenregeln ist das Leben wie vorher. Und – verrückterweise – es fällt mir manchmal schwer, mich wieder daran zu gewöhnen. Das, was ich so herbeigesehnt habe, ist mir noch nicht ganz geheuer. Diese blöde Pandemie hat definitiv etwas gemacht mit mir. Mich verändert. Ich habe nicht das Gefühl, problemlos in eine Postcovid-Welt zu gleiten. Das hat so viele Gründe. Zum einen sind die Masken immer noch omnipräsent. Das verhindert, dass es aussieht wie früher. Zum anderen bin ich es schlicht nicht mehr gewohnt, dass ich so viele Leute in einem Platz treffe. Zwei Jahre ohne Feiern und Party, das macht was mit einem. Auch wenn ich Dinge wie das Oktoberfest vermisse wie die Hölle. Nicht, dass es sich für mich falsch anfühlen würde, viele Menschen zu treffen, wie es andere meinen, das nicht. Und ich freue mich auch. Ich habe keine Angst vor Ansteckung. Es ist nur einfach ungewohnt. Und viele Menschen haben total andere Bedürfnisse nach Nähe oder Abstand. Die einen winken, andere fistbumpen, manche geben die Hand und mit einigen Freunde umarme ich auch wieder. Aber dieses Messen des Abstand muss jedes Mal neu herausgefunden werden. Es entstehen kleine, peinliche Momente. Oder großartige Wiederbegegnungen – je nachdem. Im Laufe des Abend entspannt es sich sowieso immer. Mittlerweile gibt es wieder Feiern, Press Days, Messen die Food & Life Anfang Dezember. Alles gibt es wieder – und doch will sich bei mir irgendwie dieses Gefühl von Freiheit nicht so recht einstellen. Ich glaube, ich bräuchte auch so etwas wie einen „Freedom Day“. Mit Feuerwerk und Party und Alkohol, nicht so ein langsames Ausschleichen. Es sind ja Babysteps, die wir machen, immer begleitet von mahnenden Worten, meist von Karl Lauterbach.

Impfstatus – ein Problem?

Liegt es am Impfstatus? Kaum. Natürlich ist auch in meiner Bekanntschaft der Streit um geimpft oder ungeimpft ausgebrochen. Es gibt Menschen, die ich sehr schätze, die sich nicht impfen lassen. Was soll ich machen? Ich habe für entschieden: ich bin geimpft, das muss reichen. Wer das für sich selbst ablehnt, dem muss ich nicht helfen. Bleiben sie meine Freunde? Natürlich, wenn sie sich nicht den Zeugen Hildmanns oder den Wendlerjüngern angeschlossen haben und seltsames Zeug schwurbeln, gerne. Ich hab mich impfen lassen, um mich zu schützen, wenn die krank werden wollen – bitte. Ich möchte es nur wissen und bin dann einen Hauch vorsichtiger. Und ja, klar, es nervt und ich empfinde es als völlig unvernünftig, so wie Homöopathie. Aber: eigene Entscheidung. Klar werbe ich auf den sozialen Netzwerken für das Impfen. Weil ich es besser finde, sicherer und ich wüsste gerne die Leute, die ich leiden kann, gut geschützt. Klar nervt das einige, die das anders sehen. Aber solange man sich noch streiten kann und nicht mit Hassparolen um sich wirft, ist alles im Lot.

Maske draußen nervt einfach nur noch

Was mich aber genauso nervt, sind die völligen Übertreibungen bei den Maßnahmen und es macht mich traurig, das nicht sachlich debattieren zu können: Was mich besonders nervt, weil es so unsinnig ist: Masken draußen tragen müssen. Auf Flohmärkten, auf der Auer Dult oder demnächst auf Weihnachtsmärkten. Was soll das? Neulich war Eröffnung des neuen Volkstheaters, 1000 Leute drinnen ohne Maske, weil: Kultur. Und draußen stehen Marktstände mit Riesenabstand und die Besucher dazwischen müssen Maske tragen. Weil: Markt. Das sind so Regeln, die keine Sau mehr versteht. Auch in Restaurants bis zum Platz 6 Sekunden lang Maske tragen, dann am Platz zwei Stunden nicht, dann wieder 6 Sekunden auf. So etwas nenne ich Schikane. Ich hoffe, dass damit bald endgültig Schluss ist. Die Maske in öffentlichen Verkehrsmitteln dagegen finde ich gut, die kann gerne bleiben. Ich werde das vermutlich beibehalten, auch wenn es nicht mehr Pflicht ist, weil ich letztes Jahr so wenig erkältet war wie schon lange nicht mehr. Es sind wirklich Babysteps – und ich weiß nicht, wie das alles enden soll. Enden wird. Gibt es eigentlich einen klaren Punkt, an dem wer einen Schlussstrich zieht? Es sieht nicht danach aus. Das wäre vielleicht der beste Weg aus dem Drama. Klar definieren, wann der Spuk vorbei ist. Sonst geben die Politiker den komischen Querdenkern recht, die sagen „wir kommen da nie wieder raus, Impfung hin oder her“ Und das will ich eigentlich nicht glauben. Oder wie seht ihr das alles?

3 Kommentare zu “Mit Babyschrittchen zurück ins neue Normal – oder: huch, so viele Menschen!

  1. Schöner Artikel und das mit dem Freundeskreis ist mir sehr bekannt. Würde sagen oder würde mir wünschen: zurück ins „Normal“ in kleinen überlegten Schritten, aber an dem Homeoffice halten wir fest 😉

    • katrin hilger

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Ja, Homeoffice ist eine feine Sache. Da werde ich auch dran festhalten. Aber für die Abstimmung mit Kollegen ist 50/50 ganz gut. So handhabe ich es zumindest derzeit

    • Ja, kommt immer auf den Job an. 🙂

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