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Erlöse uns von den Blöden – nur wer sind die? Kritik am Wutbuch von Monika Gruber

Ganz klare Sache: ich mag Monika Gruber. Ich war schon bei ihren Auftritten im Circus Krone, wenn sie im Fernsehen auftritt, schalte ich nach Möglichkeit zu. Ich mag ihre Art, ihren sehr geerdeten Verstand, ihre direkte bayerische Art. Bei ihren Programmen denke ich mir immer: genau so – genau das denke ich auch!  Als Bayerin aus einem ähnlichen Jahrgang, aus einer oberbayerischen Kleinstadt – wie soll ich sie da nicht verstehen? Mit Monika Gruber wär ich immer gerne mal auf ein Bier gegangen und ich wäre sicher, es wäre ein lustiger Abend. Deswegen habe ich auch ihr Buch „Und erlöse uns von den Blöden“ gekauft, dass sie zusammen mit dem Journalisten Andreas Hock geschrieben hat. Und, leider, ich hab das Gefühl, diese Kooperation war nicht die beste Idee. Denn so sehr ich Monikas Beiträge zum Buch schätze, so wenig gefallen mir die doch arg konservativen und uninformierten Beiträge ihres Coautors. Das Buch soll, nach der Meinung seiner Autoren, ein Plädoyer sein für „Menschenverstand in hysterischen Zeiten“. Prinzipiell eine gute Idee, aber das Buch ist einfach rückwärtsgewandt, konservativ-dümmlich. Das hat Monika Gruber nicht verdient, neben solchen müden und völlig unlustigen Beiträgen stehen zu müssen.

Beim Spiegel stand das Buch lange auf Platz 1 der Bestsellerliste – es gibt also einen breiten Markt für Bücher, in denen sich CSU-Wähler ihr Weltbild bestätigen lassen können. Ganz ehrlich? Da kommt bei mir Fremdscham auf, da denke ich, ich wäre an einem sehr konservativen Männer-Stammtisch für angehende AfD-Mitglieder gelandet. Andreas Hock mosert über Influencer, wobei er anscheinend alles in einen Topf wirft, vom seriösen Blogger bis zur Fitnesstee-Mieze auf Instagram, er beschwert sich, die würden ihr Geld für „nix“ verdienen. Ich könnte ihm schon gern sagen, dass der Beruf „Influencer“ in etwa das Gleiche beinhaltet wie sein Job als Journalist, dass großer Erfolg dort meist viel mit Arbeit und Disziplin zu tun hat, aber gerne die paar schwarzen Schafe als Pars pro Toto hergenommen werden, aber das würde ihm vermutlich nicht gefallen… Und er greift in jede Mottenschublade, die man nur finden kann: Natürlich ist er gegen das Gendern. Die Vehemenz, mit der viele Leute gegen diese Inklusion von Frauen in den Sprachgebrauch wettern, ist das allerallerbeste Argument dafür, wie notwendig das alles ist. Neben dieser Kritik geht es natürlich auch gegen die Coronadiktatur, gegen die angebliche Zensur aller anderen Meinungen, gegen Veganer, gegen Klimaschützer und gegen Eltern, die ihre Kinder Scarlett-Soraya nennen. Und Zigeuner-Schnitzel will er auch bestellen können. Mit anderen Worten: Leute, die die Welt wegen der Kolumnen von Don Alphonso abonniert haben, finden sich hier wieder – und das sind eigentlich keine Zeitgenossen, mit denen ich gerne viel Zeit verbringen möchte.

Die Beiträge von Monika Gruber sind wesentlich besser, wesentlich gemäßigter – aber auch geprägt von einem Weltbild, das man vermutlich so nicht mehr kennt, wenn man nicht in den 60er oder 70er Jahren des letzten Jahrhunderts geboren ist. Oder nicht aus ländlichen Gegenden kommt. Da ich, wie gesagt, beides tue, verstehe ich Frau Gruber gut. BerlinerInnen aus Prenzelberg bekommen da vermutlich Schnappatmung. Ich möchte – wie Monika Gruber – mich auch nicht als „menstruierender Mensch“ statt als Frau titulieren lassen, schon allein deswegen, weil es sich mit dem Menstruieren schon länger hat. Ich vertrete auch eher einen sehr altmodischen Feminismus, den auch Alice Schwarzer pflegt und die damit schon fast in die rechte Ecke gestellt wird, was ich extrem schräg finde. Ich teile das Männerbild von Monika Gruber, mein Freund kennt auch nur Modemarken wie „Levis“ oder „Engelbert-Strauss“ und ich finde das nicht schlimm. Im Gegenteil. Aber trotzdem dürfte mir Herr Kubicki – anders als bei Frau Gruber – nicht auf den Hintern hauen. Wir leben nicht mehr in den Zeiten von Mad Men.

Fazit: Schade drum. Es gäbe viel anzuprangern, bei dem gesunder Menschenverstand wirklich abhanden gekommen ist. Aber das ist beim Gendern und bei der Abschaffung rassistischer Begriffe nicht der Fall. Auf Twitter wurde vermutet, die Autoren hätten mit populistischen Meinungen auf das schnelle Geld spekuliert. Das glaube ich nicht, sondern ich denke, die beiden hinter den Meinungen stehen – das gefällt mir noch weniger. Dass Julia Klöckner das Buch empfiehlt, macht es nicht besser.