Sex and the Giesing – SatC über 50?

Als die Serie SatC im deutschen Fernsehen lief, war ich Fan. Ich konnte mich enorm gut mit Carry identifizieren, ich arbeitete für deutsche Magazine, liebte Mode sehr, vor allem exzentrische Outfits, nur ohne Absätze, war auf irren Parties und hatte (und habe immer noch) wunderbare Freunde. Nur so dünn war ich nie. Na gut, mein Liebesleben war nicht ganz so abwechslungsreich und statt dem reichen Manager Mr Big bin ich schließlich beim netten Handwerker ala Aidan hängen geblieben. Ich zog unglaublich viele Mode-Inspirationen raus (wie alle, die Sendung hat eine ganze Reihe von Designern berühmt gemacht) ich verstand die Probleme, die dort debattiert wurden, ich fand es fantastisch, wie vier Frauen nicht als vier unangenehme Bitches dargestellt wurden, sondern erfolgreich, intelligent, selbst bestimmt und untereinander unbedingt loyal. Auch dieses Gefühl „Ich will eine Beziehung und trotzdem kein Heimchen am Herd werden“ konnte ich gut nachvollziehen. Kurz und gut: Was ich da sah, war überhaupt nicht so abgedreht und fern meiner Welt, wie es das vielleicht für andere gewesen ist. Jetzt soll die Serie wiederkommen. Aber ein Gefühl der Vorfreude auf ein Treffen mit lang verschollenen Freundinnen, das will bei mir nicht aufkommen. Aber ich bin natürlich megagespannt, ob die Serie mit mir gealtert ist und immer noch zu mir passt. Statt Highlife in New York jetzt gemütlich in Giesing.

Mit Sex and the City Kostümdesignerin Pat Fields auf einer Fashion Party

Das Heute ist nicht mehr so unbeschwert wie damals

Denn dieses Damals liegt lange in der Vergangenheit. Wenn ich mein Leben ansehe und schau, was davon geblieben ist, kann ich sagen: nicht viel. Also nicht, dass ich jetzt im Elend lebe, im Gegenteil. Und der Handwerker ist auch noch da. Aber die Einstellung hat sich so geändert, die Sicht auf die Welt. Dieses sehr hedonistische , dieses „Hey, nach mir die Sintflut“, dieser Spaß am unbekümmerten Konsum, der ist vorbei. Nicht erst seit Corona ist die Party irgendwie vorüber. Statt „Was ist hip?“ frage ich mich: „Was ist nachhaltig?“ oder „Was werde ich lange tragen?“ Statt „Wo ist die nächste Party?“ frage ich mich „Wann kochen wir wieder mit Freunden?“. Es ist nicht so, dass ich mich groß geändert hätte. Aber die Welt hat sich geändert. Heute wäre vieles, was damals noch völlig okay war, undenkbar. Sprüche zu Sexismus, Rassismus, alberne Stereotypen – da reagiert die Öffentlichkeit viel, viel sensibler. Da muss sich die Sendung extrem ändern. Es wird eine Gratwanderung, denn diese Frechheiten, dieses manchmal bewusst Unkorrekte haben viel vom Charme ausgemacht. Der zur Schau gestellte Reichtum, der Glamour. Aber ist das noch zeitgemäß? Sowas bekommen wir ja zur Genüge auf Instagram serviert und da wirkt es nicht mehr charmant, sondern hohlbirnig. Crazy rich Asians, Dödel in Dubai und Rich Kids of Instagram.

Der zweite Film hat Frauen Ü50 lächerlich gemacht

Ich hab ja so meine Bedenken, wenn ich an den letzten Sex and the City Film denke, in der Samantha als von den Wechseljahren und Hormonschwankungen geplagte Karikatur ihrer selbst dargestellt wurde. Ein so gutes Bild hatten die Macher von Ü50 Frauen offensichtlich nicht. Das wirkte lächerlich, verzweifelt, uncool. Ich hoffe schwer, dass das nochmal überarbeitet wird, Samantha ist ja nicht mehr dabei. Stattdessen soll JLo einsteigen. Gerade dieser Move lässt mich bezweifeln, dass ein relaxtes, modernes Bild von etwas älteren Frauen gezeichnet werden soll. Denn Jennifer Lopez steht für ewige Jugend dank stahlhartem Training, Diäten und allem, was die Beautyindustrie gegen das Altern in ihrem Arsenal hat.  Relaxt scheint bei ihr ein Fremdwort zu sein.  Und auch sowas wie Nachhaltigkeit müsste sie vermutlich googeln. Die wird die glamouröse, ultrareiche Powerfrau geben. Ansonsten kann ich nur raten. Charlottes Kinder sind in der Pubertät, was sicher thematisiert wird, Carrie ist womöglich geschieden und hat eine neue Karriere als Influencerin auf Instagram oder als Bloggerin ala Goop (Gwyneth Paltrows esoterischer Blog). Am Spannendsten kann ich mir noch die Figur von Miranda vorstellen: vielleicht geht sie in die Politik? Werden Themen wie Umwelt oder #metoo ein Thema sein für dieses Update? Ich werde es mir sicher angucken – und dann entscheiden. Vielleicht sollte ich einfach unvoreingenommen rangehen – aber das ist auch so eine Sache, wenn man älter wird. Man wird misstrauisch.