Blogs – die Oldtimer unter den Onlinemedien…

Meike Leopold hat zur Blogparade eingeladen – es geht um ein Thema, das mich als Bloggerin sehr bewegt: Sind Blogs ein Medium von gestern? Waren Blogs vor 10 Jahren noch hip, sind sie nun die Mercedesse auf der Datenautobahn. Die mit einem Klohut im Heckfenster. Ziemlich müde und ziemlich alt aussehend. Jedenfalls dann, wenn dein Schwerpunkt auf dem Text liegt, weniger auf den perfekten Bildern. Denn das hat sich in den letzten zehn Jahren rasant gewandelt – es wurde alles professioneller. Immer geilere Bilder, immer schönere Bearbeitungen von Selfies, immer bessere Inszenierungen. Nur die Textqualität ging dafür den Bach runter. Diese Entwicklung entspricht einfach dem Zeitgeist: Wenn du da mitmischen willst, wo die Marketingleute hinschauen, musst du unfassbar viel Zeit in die perfekte Fassade investieren, weniger in den Inhalt dahinter. So sind heute andere Kanäle gefragt: Instagram, TikTok, YouTube. Derzeit ein Podcast – allerdings auch hier mit der Top Inszenierung drumherum. Eigentlich müsste ich jetzt mein Ringlicht aufbauen. Einen Reel für Instagram oder TikTok drehen, Outfits in die Luft werfen und mit einem Fingerschnipp plötzlich neu angezogen sein. Ich müsste durch Sonnenblumenfelder tanzen oder in Dubai Party machen, das Smartphone fest vor dem Gesicht und die Follower sogar ins Bad mitnehmen. Pampasgras in die Hose stecken und verführerisch lächelnd für Fitnesstees werben. So wäre ich auf der Höhe der Zeit unterwegs. Oder? Rein objektiv gesehen ja. So machen es die Influencer auf Instagram. Ich könnte auch jede Menge Fotos schießen, ästhetisch astrein, mit viel Weiß-Anteil, clean und minimalistisch und unendliche Textriemen darunterschreiben, in der Hoffnung, nicht alle klicken nur aufs Bild, sondern lesen, was ich schreibe. Ich könnte auch Videos drehen, in die Kamera sprechen, mit oder ohne perfect Babyface und meine Themen rund um Nachhaltigkeit so vermitteln. Ja, das könnte ich. Ich bleibe dennoch meinem Blog hier treu. Weil das das Medium ist, das zu mir passt. Bei dem ich mich wohlfühle. Ich bin ein altmodisches Mädchen. Ich war im letzten Jahrtausend Redakteurin – und das Schreiben ist das, was mir liegt. Lesen ist das, was mir liegt.

Ein Blog ist ein altmodisches Medium – aber retro rockt

A retro Girl in a retro Blog

Es ist – das gebe ich zu – ein ewiger innerer Kampf. Klar, ich würde auch gern viel Geld mit dem Bloggen auf Instagram verdienen, viele Likes und viele Follower einheimsen. Ich weiß auch ganz genau, was ich machen müsste, um das zu erreichen. Ich weiß, welche Content von mir gefragt wäre, wie die Fotos aussehen müssten, was ich darunter schreiben müsste, welche Hashtags laufen würden. Aber: wäre das dann noch ich? Wäre das nicht purer Zynismus, nur aus Gewinnstreben eine Plattform hochzuziehen, Dinge zu tun, hinter denen ich nicht zu 100 Prozent stehe? Ich hab mich ganz bewusst dagegen entschieden. Es fühlt sich falsch an. Und TikTok ist nun absolut nix für mich. Das Blog macht mir Spaß, das Blog ist nicht unerfolgreich, auch wenn es sich nie in solche Höhen aufschwingen wird, wie es mit Instagram möglich wäre. Er hat seine treuen Leser, auch wenn derzeit die Marketingmenschen eher nach Gelegenheiten für direkten Umsatz  suchen. Das ist dieses Blog nicht. Aber ich kann schreiben, was ich will, wann ich will, wie ich will. Komplexe Themen erklären, für mich wichtige Themen anschneiden, ohne permanent auf Kundenfang zu zielen. Schreiben fällt mir leicht, im Gegensatz zum Inszenieren, Schneiden, Vertonen, Verschönern von Bildern und Videos. Verrückterweise ist das ganze Bearbeiten nur für kurze Zeit sichtbar. Ein Blogartikel dagegen bleibt bestehen, der wird auch Jahre danach noch gefunden.

Ein Medium für alle Leser

Das sind meine privaten Gründe, den Blog zu mögen. Das ist aber keine Antwort auf die Frage, ob es ein Medium von Gestern ist. Und da muss ist sagen: jein. Der Blog ist nicht schnell konsumiert, lesen fordert Aufmerksamkeit. Ich weiß, dass es dem Gegenüber einiges abverlangt. Zeit mitbringen, Lesen, sich auch mal einlassen auf unangenehme Themen. Deswegen bin ich den Lesern dieser Seite so dankbar. Die Anzahl ist überschaubar – und doch gewaltig für mich – rund 20.000 -25.000 Menschen lesen jeden Monat hier den Blog. Eine halbe Kleinstadt. Ich finde das überwältigend. Und sie kommentieren sogar. Mit eigenen Texten, nicht nur mit: wow, so schön! Aber ich weiß auch: Influencer haben 100 Mal so viele Follower, bewegen Millionen mit ihren Bildern vom schönen Leben. Und auch die Printmagazine entfernen sich im Web vom Text: Medien wie Brigitte online, Bunte, Stern etc haben sich auf Clickbaitcontent mit Videos und vielen Bildern verlegt. Sie werden ihre Gründe haben, werden die Kundschaft genau analysiert haben, denn sie wollen wirtschaftlich erfolgreich sein. Insofern – Text ist im Netz out. Und damit sind Blogs out. Nur – es gibt immer noch eine Minderheit, die auf Text steht. Die es liebt, Content in ihrer eigenen Geschwindigkeit zu konsumieren. Mal was überfliegen, anderes nochmal nachlesen. All das geht bei Video oder Podcast nicht. Warum kann ich nicht genau die Leser bedienen? Es muss ja nicht alles hipper Mainstream sein. Es gibt neben RTL und Pro7 ja auch noch ZDFplus oder Phoenix. Gucken auch nicht so viele, sind aber trotzdem wichtig. Außerdem ist der eigene Blog eine sichere Bank. Wenn Instagram (oder Twitter, Facebook oder TikTok) beschließen, deinen Account dort für alle Zeit zu löschen, dann war es das. Aus, Nada, Finito, Schicht im Schacht. Das müssen sogar US-Präsidenten auf die harte Tour erleben. Für mich der wichtigste Grund, dem Blog treu zu bleiben.