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Ende 2022 – eine Dystopie nach Corona

Es ist zwei Tage vor Silvester 2022…endlich, kurz vor Weihnachten, sind nun auch die Letzten geimpft, um Herdenimmunität zu erreichen. Auch gegen die Mutation, die Anfang 2022 im 7. Lockdown aufgetreten ist. Ab kommendem Jahr soll nun wieder endlich alles, alles so weitergehen, wie es „vor Corona war – so gemütlich und voller Freiheiten“, wie Kanzler Söder in seiner Weihnachtsansprache betont hat.  Nun ja, so ganz stimmt das nicht, es ist vieles nicht mehr da, was es vor Corona gegeben hat. Zum Beispiel stehen nun zwei Drittel der Geschäfte in der Münchner Innenstadt leer, es gibt nur noch je ein Auslieferungslager für Zara und H&M, dazu sind ein paar Showrooms für Adidas, Zalando und Amazon gekommen – dort kann man vor Ort bestellen und am kommenden Tag liefern lassen. Die Teenager-Attraktion ist ein vollautomatischer Wish-Laden sowie ein paar Läden von Alibaba-Händlern. Einige Schnellbäcker mit Cafe-Automaten dazwischen. Alle anderen Geschäfte mussten aufgeben oder haben sich im Gebäude von Ludwig Beck zusammengeschlossen, um dort kleine Filialen zu betreiben, das Projekt wird von der Stadt gefördert, anders hätte es die langen Durststrecken genauso wenig überlebt wie alle anderen.  Nach dem Ende der Pandemie, heißt es jetzt aber, soll alles wieder gut werden. Wie das gehen soll, das weiß niemand. Die Staatskassen und die Geldbeutel sind leer, nach und nach sind alle Branchen betroffen. Der Bau der zweiten Tunnelröhre ist eingestellt, hinter dem Rathaus klafft eine riesige Baugrube. Die öffentlichen Bäder, der MVV und Kultureinrichtungen sind pleite, ebenso wie die Hotels der Stadt.

Der Mietmarkt ist im rapiden Fall. Das freut einige, aber der Weggang von Siemens und BMW ins asiatische Ausland, wo die Pandemie schneller erledigt war, macht der einst so reichen Stadt stark zu schaffen. Auch die Münchner Gastronomie, es sind noch McDonalds, einige Döner-Shops und diverse Bowl- und Asialäden übrig – und natürlich das Hofbräuhaus – hofft auf zahlungskräftige Kundschaft aus Nah- und Fernost. Das Oktoberfest, das auch 2021 und 2022 ausgefallen ist, zusammen mit allen anderen Festen wie dem Kocherlball und den Tegernseer Seefesten (und natürlich jedem anderen Volksfest überall in der Republik), wird mit der Hälfte der Fläche auskommen, der Großteil der Schausteller und Wiesnwirte ist ruiniert und kann das Fest nicht mehr stemmen. Die Dirndldesigner sind mittlerweile pleite. Eventplaner und Hochzeitsshops gibt es nach fast drei Jahren Flaute auch nicht mehr. Hochzeiten sind kleine schmucklose Behördengänge am Standesamt, danach lässt man sich Essen nach Hause liefern. Oder – das ist zwar illegal, aber geduldet – in den englischen Garten, wo man maximal zu fünft um eine Decke sitzt. Irgendwann wollen alle das große Fest feiern – aber manche sind schneller geschieden als das Hochzeiten erlaubt sind.

Die lokalen Künstler, viele schon obdachlos, wurden in leerstehenden Hotels untergebracht, in den verlassenen Kinos dürfen sie musizieren und Theater spielen, es wird via TV in die Haushalte übertragen, wer noch kann, spendet etwas. Spaß macht das keinen – aber was macht noch Spaß? Es war schon schlimm, als der Tierpark 2021 schließen musste und die letzten Tier nach Dubai geliefert wurden, um dort in einer Art Streichelzoo als Kulisse für all die ausgewanderten Influencer zu dienen. Aber voller Hoffnung kommen die Menschen hinter ihren Masken hervor. Vielleicht, vielleicht ist jetzt endlich das lang ersehnte Happy End da?

Best Ager über 50. Redakteurin, Bloggerin, PR-Beraterin Infuencer Relations, Twitterfan. Spezialistin für das gute Leben: Nachhaltigkeit, Fair Trade, schöne Dinge aus Manufakturen - if you wanna have a good time, gimme a call

6 Kommentare zu “Ende 2022 – eine Dystopie nach Corona

  1. Anonymous

    Früher unvorstellbar, mittlerweile doch garnicht mehr so abwegig…die Coronapolitik, eine die uns ganz bald sogar ruinieren wird. Ich hab jedoch den letzten Funken Hoffnung an ein baldiges Erwachen noch nicht aufgegeben, denn die stirbt ja bekanntlich zuletzt

  2. Dystrophie oder Dystopie wären ähnliche Wörter, die tatsächlich existieren. Vermutlich meinst du eher das letztgenannte.

  3. Unheimlich. Ich glaube an die Menschen und ihre Energie, Inspiration und ihre Kraft zur Erneuerung. Vielleicht haben sich allzu viele in diesen Zeiten auch ein bisschen zu sehr auf den Staat verlassen? Jetzt, da die Pandemie längst nicht an ihrem Ende angekommen ist, zeigt sich, dass der Mensch auch diesem Naturereignis wenig entgegenzusetzen hat. Wir müssen uns irgendwie durchlavieren. Es wird viel aufzuarbeiten sein. Hoffentlich bleiben unsere liberale Demokratie bei alldem nicht auf der Strecke.

  4. oh, ich hoffe sehr das Du mit Deinen Prognosen daneben liegst.

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