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Zum Teufel mit den Schmetterlingen – oder: Liebe und Leben sind kein Disney-Musical

Was tut man so momentan, wenn man nicht raus kann? Zuhause Yoga, Meditieren, ein Drei Gänge Menü vorbereiten, bei Kerzenschein verzehren, dann ein gutes Buch mit einem Glas Chateau Lafitte auf dem Sofa….Natürlich nicht. Ich schau derzeit viel Quatsch bei Netflix und Amazon, Kinderserien wie „Legends of Tomorrow“ und im Fernsehen Trash TV wie „Hochzeit auf den ersten Blick“ oder „Bachelorette“ – bei dem einen Format muss sich eine Frau aus 20 Männern den Richtigen aussuchen und bei dem anderen, für die, die es noch nicht kennen, begegnen sich zwei Wildfremde zuerst am Altar und müssen gleich heiraten. Und sich dann erst kennenlernen.

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Shows, die uns Romantik vorgaukeln wollen und die klar enthüllen, warum es so oft schief geht mit der Liebe.  Bei der einen Show liegt es in der Natur der Sache: Bachelorette ist bewusst in einer Traumkulisse und Märchenwelt angesiedelt. Da ist alles überdimensional: alle schön, alle telegen, die Kulisse wie aus einem Roman von Pilcher. Da wird mit Rosen und Musik gekitscht, was das Zeug hält. Da geht nichts unter völlig übertrieben. Und die Bachelorette sortiert in jeder Staffel todsicher die netten, freundlichen , verlässlichen Männer aus, um am Ende die Auswahl zwischen zwei toxischen und eitlen Idioten zu haben, die die Show mitgemacht haben, um ihren Instagram-Account über die 100.000er Grenze zu wuppen. Das war dieses Jahr immerhin ein Novum, dass der schlimmste Pickup-Artist im Halbfinale ausgeschieden ist und ein sehr netter und ein seminetter Mann verblieben sind. Sie wählt natürlich den Seminetten, der eigentlich völlig distanziert ist – was ihn aber geheimnisvoll und begehrenswert macht. Und er ist ein guter Freund ihres Exfreunds, damit ist schon mal bewiesen, dass er auch in ihre Kreise passt – was immer das bedeuten mag. Das wird bestimmt halten bis zum nächsten Sommerhaus der Stars.

Warum haben so viele Menschen für die Liebe ihr inneres Drehbuch?

Unfassbar realistische Romantikdarstellung Photo by Dimitri Kuliuk on Pexels.com

Das ist bei „Hochzeit auf den ersten Blick“ (oder wie wir Twitterer sagen:#HADEB) anders. Da prallt die Wirklichkeit hart rein in den TV-Kitsch. Ja, viele Leute sind durchaus attraktiv, aber normal, nicht modelperfekt. Ich frage mich oft, wieso macht man da mit? Ich persönlich glaube, dass all diese Leute von der Realität bereits enttäuscht wurden. Beziehungen waren nie so wie die, die man im TV und dem Film gesehen hat. Was liegt da näher, als einen TV Sender zu beauftragen, dieses Glück für einen zu inszenieren? Gerade bei den Frauen wirkt es oft, als ob die einfach nur heiraten wollen, erstmal egal wen, egal wie. Prinzessin für einen Tag sein und dann sieht man schon. Bei Disney funktioniert das auch. Prinz gesehen, beide verlieben sich, besiegen die Bösen gemeinsam und beim Hochzeitskuss wird abgeblendet. Es sind richtige Hochzeiten bei #HADEB, Verwandte und Freunde spielen die seltsame Charade mit. Mit verbissen ausgesuchtem Hochzeitskleid und Anzug, mit Essen und Tanz und Feuerwerk. Am Altar sagen sie alle ja. Aber da sind oft schon die ersten Risse in der Fassade erkennbar. Alle erwarten irgendwas. Sie erwarten, zum richtigen Moment eine Umarmung, ein Händchenhalten, einen Kuss. Zum richtigen Moment wieder loslassen. Und so wenige von denen können auch einfach mal machen – wenn ich will, dass der Partner meine Hand nimmt – warum nehm ich nicht seine oder ihre? Als ob das alles ein Drehbuch wäre. Und das ist es auch – ein Drehbuch im Kopf der Beteiligten. Wenn der Partner, der das Drehbuch nicht kennt, es nicht errät, wird es tragisch. Dann gibt es keine Chance für die Liebe mehr, dann wird gejammert und gebarmt, dass „keine Schmetterlinge im Bauch“ sein.  Und die müssen doch, oder?

Aus Freundschaft kann Liebe werden

Als alte, erfahrene Frau sag ich: Nein, müssen sie nicht. Dieser ganze Quatsch ist doch Mumpitz. Statt dass sie sich einfach kennenlernen, mal zuhören, gemeinsam Neues entdecken und sich einlassen aufeinander, schauen alle nur nach innen, auf die eigenen Befindlichkeiten, warten auf Gefühle, die doch jetzt unbedingt kommen müssten. Gesten, die der andere doch erahnen müsste. Zugehört wird dem anderen nicht, sondern nur verzweifelt im inneren Drehbuch geblättert, wo diese Szene jetzt steht und was eigentlich richtiger wäre. Weil in Hollywood käme doch jetzt mit Sicherheit das… Aber Hollywood ist nicht das reale Leben. Filme sind Märchen. Ich kann euch sagen, dass die besten und längsten Beziehungen die waren, die aus Freundschaft entstanden sind, weniger aus lodernder Leidenschaft. Das ist langsam gewachsen und zu Liebe geworden. Kein unter Druck setzen „Das MUSS jetzt was werden“ – nein, muss es nicht. Das Leben ist kein Instagramaccount, inszeniert mit Zuckerwatte und Sonnenuntergang. Echte Liebe ist nicht zugekleistert mit Kitsch.  Ich glaube, manche der Leute bei #HADEB bräuchten eher eine Psychotherapie, um zu ergründen, warum ein Partner die eigenen Defizite auffangen soll. Warum bis jetzt alle Partnerschaften an den eigenen Ansprüchen gescheitert sind. Es ist schlimm, dass das Fernsehen das so unkommentiert lässt. Klar, das ist Trash und Unterhaltung, aber man könnte mehr draus machen. Ich fände das Kratzen an Klischees außerordentlich unterhaltsam – und vielleicht sogar lehrreich.

3 Kommentare zu “Zum Teufel mit den Schmetterlingen – oder: Liebe und Leben sind kein Disney-Musical

  1. super meine Liebe !! Absolut richtig, wie Du das beschreibst.

  2. Ich kann nur bestätigen, was du da geschrieben hast. Als alte, „abgeklärte“ Frau kann ich auch nur sagen, dass ich früher immer „rasend verliebt“ war und dann kurze Zeit später mit den Typen wieder Schluss gemacht habe, wenn die erste Euphorie verpufft war. Geheiratet habe ich dann einen Mann, den ich einfach total nett, herzensgut, intelligent und empathisch fand. Wir waren 20 Jahre glücklich verheiratet, und ich hätte mir keinen besseren Mann und Vater unserer Söhne vorstellen können.

  3. Habe deinen Beitrag gerne gelesen und kann dir in vielen Punkten zustimmen. Letztlich sind diese Shows aber doch sehr unterhaltsam und ich schaue sie unglaublich gern. Aber warum „normale“ Leute da mitmachen, werde ich wohl nie verstehen. Du hast aber recht, eine Serie, wo Klischees auf den Kopf gestellt werden und nicht nur komplett ausgenutzt wäre sehr spannend. LG Luisa von http://zungenspitzengefuehl.com

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