Hilgerlicious – Luxus ist unsere Natur

Alles, was das Leben schön macht – aber nachhaltig!

Seid ihr auch so Social Network-müde?

In letzter Zeit spüre ich es deutlich: die Social Networks sind nichts mehr für mich. Naja. Gut, ich werde mich nicht löschen bei Facebook oder Instagram, so weit bin ich noch nicht. Aber ich hab schon ab und an darüber nachgedacht: wäre es der soziale Tod für mich, dort nicht mehr präsent zu sein? Was würde das für diesen Blog hier bedeuten? Irgendwie sind die Zuckerberg-Netzwerke und ich keine Freunde. Facebook weigert sich seit Jahren, meine Blogseite von „Hobbyweltverbesserer“ zu „Hilgerlicious“ zu ändern. Und mit Instagram habe ich erst so richtig angefangen, als es eigentlich schon zu spät war. Definitiv mein Fehler, aber es ist, wie es ist. Ich lebe nun mal nicht davon, zu auf WordPress oder Instagram zu bloggen – und deswegen bin ich da ein wenig nachlässig. Deswegen drehe ich keine Reels, wenn es mir nicht Spaß macht, ich stelle nicht dauernd Outfits online, wenn es keinen Spaß macht. Ich fotoshoppe mich nicht in die Unkenntlichkeit, ich schöne meine Welt nicht. Und es macht mir immer weniger Spaß und ich sehe immer weniger Sinn darin. Deswegen erlaube ich mir, nur ab und an was auf die Plattformen zu stellen. Und in letzter Zeit mach ich das immer weniger. Ich habe nun überlegt, woran das liegen könnte und habe einige Punkte gefunden. Manche liegen an der Plattform und deren Strukturen, manche am Content und manche an mir selbst.

1. Die Netzwerke sind nicht gut für mich (und andere)

Ich habe das Gefühl, wenn die Hölle ein Netzwerk der sieben Todsünden hätte, wäre es Instagram. Jede davon wird perfekt bedient. Neid, Hochmut, Wolllust, Zorn, Völlerei, Trägheit und Habgier. Ich behaupte mal (und freu mich über Gegenrede) Es gibt kaum wen, der sich durch Instagram klickt und sich nachher besser fühlt. Es bleibt immer ein schales Gefühl zurück. Neid, auf das Leben der anderen, die mit Reichtum, fantastischen Reisen, tollen Modeteilen etc gesegnet sind. Die die Habgier in einem wecken. Oder man selbst zeigt ganz stolz sine Pretiosen her, ziemlich eitel und hochmütig. Ich sehe Videos, in denen meist käsetriefende Gerichte zubereitet werden (Völlerei) oder es werden die neuen Gummibrüste zur Schau gestellt (Wolllust)…und so fort. Klar sehe ich auch die Möglichkeiten, gute PR für Dinge wie Nachhaltigkeit oder gegen die Verschmutzung der Weltmeere zu machen – und da kann einiges bewirkt werden. Aber diese Vorteile verschwinden hinter dem gigantischen Nachteil, Millionen User mit einem unguten Gefühl im Magen zurückzulassen. Das Selbstbewusstsein der meist jungen User durch verzerrte Schönheitsideale zu erschüttern, völlig lebensfremde und künstliche Ideale als Nonplusultra zu stilisieren. Will ich diesen Netzwerken durch mich weiter Power geben? diese Frage stelle ich mir immer öfter…

Das Hühnerthema vom Farmhouse ist überall durchgezogen

Eigentlich bin ich sehr häufig auf Twitter. Aber dieses Netzwerk hat sich während Corona zunehmend radikalisiert, immer unversöhnlicher hacken die politischen und gesellschaftlichen Gruppen aufeinander ein. Auch hier wurde der Diskurs auf Panikmodus geschaltet. Es geht nur noch größtmögliche Eskalationsstufe und lauteste Lautstärke – Wie Hühner beim Feueralarm. Als Stimme der Mäßigung dringe ich hier nicht mehr durch. Es frustriert, wenn mir ein Gedanke wichtig ist, wenn mir eine Abstufung oder Nuance wichtig ist, und das dann sofort von anderen niedergebrüllt wird.

2. Blöde Algorithmen

Facebook und Instagram wollen mit ihrem Content was verdienen, schon klar. Deswegen wird Werbung gern gesehen. Was bezahlt wird, wird gezeigt. Das war schon immer so, aber mittlerweile ist gefühlt jeder dritte Beitrag gesponsert. Immer mehr Werbung für Social Shopping, für Marken und Mode. Langweilt. Dazu werden die Accounts, denen ich folge, weil es Freunde sind, von denen ich was sehen möchte, immer weniger angezeigt, zugunsten von generischem Instagram- Mist wie große Influencer. Nein, mich interessieren die Harrisons nicht, ich will auch nicht wissen, wie das perfekte Contouring geht, sowas mache ich nämlich nicht.

Auf Facebook bekomme ich viel zu wenig gezeigt. Werbung und dazu immer wieder die gleichen 5 Accounts. Nach allem anderen Inhalt muss ich aktiv suchen. Das würde ich mir anders wünschen. Deswegen schau ich immer seltener rein. Und seltener und seltener. Das neue Layout, luftig und mit viel Weiß, mag dem Zeitgeschmack entsprechen, meins ist es nicht. Ich bin noch nicht mobile only, vielleicht liegt es daran. Was mich auf Facebook wirklich interessiert, sind Events, und die haben 2020 ja kaum stattgefunden – erst jetzt suche ich wieder verstärkt nach Flohmärkten, Biergärten und so weiter. Aber das macht das jetzige Layout schwieriger. Facebook und ich haben uns irgendwie auseinander gelebt – ich denke, das geht anderen auch so, wenn ich mich umhöre. Schade eigentlich.

3. Uninspirierender Content

Außerdem bekomme ich in die Timeline geschaufelt, was andere gut finden. Anscheinend mögen viele Leute, denen ich folge, polierte Modebilder von Styleraccounts, retuschiert bis zum Geht nicht mehr mit immer der gleichen, langweiligen Influencermode. Ich mag das nicht besonders, ich entdecke gerne Fair Trade Label, Ethno Label, Mode aus dem Senegal oder Taschen aus Thailand. Ich versuche mit gezieltem Liken und Suchen den Feed dahingehend zu beeinflussen – mit mäßigem Erfolg. Ich hätte gerne echte Inspiration, die mir irgendwie nicht gewährt wird. Stattdessen das 50 Acrylnägeltutorial als Vorschlag. Ich habe auch die 49 davor nicht angeklickt.

4. immer mehr und mehr Videos

Mich interessieren auch die meisten Stories nicht. Ich bin einfach keine Videofrau. Es langweilt mich, ich sehe da kaum Mehrwert. Vielleicht bin ich langsam wirklich zu alt für das alles. Ab und an schau ich auf TicToc rein, teilweise Quark, teilweise beeindruckend kreativ. Nette Unterhaltung, mehr nicht. Aber zu hause habe ich Besseres zu tun, als Videos zu gucken, draußen im Freien auch . Und leider haben wir immer noch nicht überall W-Lan, so dass ich mein Datenvolumen lieber mit anderen Dingen aufbrauche. Auf Instagram hätte ich die Reels weiß Gott nicht gebraucht, die nur noch weiter den Content in Richtung nichtssagend und eitel drehen. Ich geb zu, ich mag die Videos, die der Pocher dreht, auch die Videos anderer Comedians wie Ines Anioli oder Celeste Barber mag ich sehr, extrem lustig. Und teilweise sogar sehr nützlich, denn sie zeigen, die grotesk diese Plastikwelten mittlerweile sind.