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Wenn bei Instagram der Sinn verloren geht oder Hauptsache Likes!

Derzeit geht ein neuer Challenge-Trend auf Instagram herum: schöne, schwarzweiße Selfies mit einem Aufruf an Frauen, für Solidarität unter einander einzustehen. Prinzipiell wäre das eine gute Idee, Frauen könnten Solidarität untereinander wirklich gut brauchen. So ist es wieder nur eine Möglichkeit, ein eitles Bild von sich auf die Plattform zu stellen und das mit einer deepen Message zu kombinieren. Das ist ja die Instagram Erfolgsformel: Sexy Bild plus Kalender-Spruch ist gleich Inspiration. Am Ende wird es genau gar nichts bringen, außer einen Haufen Likes. Gerade auf Instagram ist Frauensolidarität ein sehr zartes Pflänzchen. Immer wieder hört man von zuerst dick befreundeten und dann gnadenlos verfeindeten Influencerinnen. Weil immer wieder das Konkurrenzdenken dazwischen funkt. Wer hat die besseren Aufträge die meisten Follower, die meisten Likes, die besseren Fotografen und die bessere Media-Coverage? Influencer-Freundinnen sind oft Zweckgemeinschaften, die dann zerbrechen, wenn die Eine mehr Nutzen draus zieht als die andere. Eigentlich gönnt sich die Blogger- und Influencerinnenwelt nicht das Schwarze unterm Fingernagel. Buchprojekt? Erfolgreicher Blog? Gute Kooperationen? Die Messer sind gewetzt… Das ist schade, gemeinsam könnten wir so viel mehr reißen. Ich hab die Challenge genutzt, um meinen Freundinnen zu danken – das möchte ich hier nochmal unterstreichen…

Der eigentliche Sinn der Challenge ging verloren

Dabei ging es bei der Challenge überhaupt nicht um Schönheit oder um Freundschaft und Support. Der Hintergrund ist wesentlich düsterer. Es spricht auch nicht für Instagram, dass der eigentliche Sinn der Challenge verloren ging – es ging nämlich um das Bewusstmachen häuslicher Gewalt in der Türkei (und überall). Ich wusste das auch nicht, da hat die wunderbare Miyabi Kawai aufgeklärt: „Wieso sollte es eine Challenge sein, ein Schwarz Weiß Photo von sich zu posten? Der Ursprung dieser Challenge liegt in der Türkei, in der die Menschen JEDEN TAG mindestens ein Schwarz Weiß Photo in den Medien sehen von einer weiteren Frau, die an den Folgen häuslicher Gewalt gestorben ist. Dies ist kein rein türkisches Problem, weltweit leiden und sterben Frauen täglich, gequält und umgebracht von ihren Lebenspartnern, ob freiwillig gewählt oder zwangsverheiratet. Diese Challenge soll die Aufmerksamkeit auch international darauf richten, dass wir Frauen gemeinsam unsere Stimme gegen Gewalt an Frauen erheben müssen, wir in Solidarität mit unseren Schwestern stehen. Das Schwarz Weiss Bild soll dabei verdeutlichen, dass auch wir es sein könnten, die eines Tages betrauert werden. Denn es kann jede von uns treffen, Männern steht es nicht auf die Stirn geschrieben, ob sie gewalttätig sind oder nicht.“ Also alle posten Bilder, Hauptsache schön, Hauptsache Likes, der Sinn ist hin. Vielleicht tue ich da der einen oder anderen Unrecht – vorab Verzeihung, wenn du das aus anderen Gründen gemacht hast, gut – danke dir. Das Thema Zusammenhalt unter Frauen sollte viel präsenter sein.

Kompliments-Quallen vergiften Freundschaften

Denn mit Solidarität unter Frauen ist es meist nicht weit her. Das beginnt früh, schon im Kindergarten überbieten sich Frauen im fruchtlosen Wettkampf: Wer ist schöner, beliebter, niedlicher, wer wird von den Männern mehr gemocht, wer hat die cooleren Freundinnen? Das geht weiter bei den Teenies: Wer kennt sie nicht, die Spielchen, der angeblich besten Freundin den Schwarm in der Disco auszuspannen, nicht weil man den will, sondern weil man es kann? Und das bleibt so, ein ganzes Leben lang… Kaum jemand ist so biestig wie Frauen untereinander es sein können. Ganze Fernsehformate wie Promis unter Palmen oder GNTM leben davon, dass sich Frauen anzicken. Welche Frau hat noch nicht erlebt, Das andere sie permanent mit hinterfotzigen Kommentaren verunsichern wollen? „Der Rock ist toll, bei schlanken Beinen wäre der umwerfend“ „Du siehst noch so jung aus, kein Wunder, wer mollig ist, altert nicht so“ In den Bridget Jones Romanen heißen solche vergifteten Komplimente „Quallen“. Weil eine Qualle lange, unsichtbare Fäden durchs Wasser zieht und du im ersten Moment nicht weißt, woher der Stich kommt.Ich habe mich im Privatleben seit ewigen Zeiten von Frauen, die sich so benehmen, weit fern gehalten und bin sehr gut damit gefahren.Wer da die ersten Anzeichen zeigt, fliegt gnadenlos raus, sowas will ich nicht. Da ist mir mein Seelenfrieden zu schade. Ich kann alle Frauen nur ermutigen, das auch zu tun. Toxische Freundinnen braucht keine. Keine, die mit deinem Mann schläft, keine, die hinter deinem Rücken lästert, keine, die permanent „Mein Haus, meine Kleider, meine Handtaschen“ spielt. Verrückterweise kommen diese Gestalten auf den sozialen Medien super an. Da nennt das Protzen mit dem Geld und dem eigenen optimierten Körper sich plötzlich „Inspiration“ oder „Body Positivity“. Als ob es eine Challenge wäre, einen überdurchschnittlich schönen Körper perfekt trainiert, getunt und gefotoshopt auf Instagram zu stellen. Sich da tagtäglich zu vergleichen (und natürlich immer schlechter abzuschneiden) , was viele, besonders junge, Mädchen und Frauen tun, ist für mich eine Form des Masochismus… Ich glaube, das war schon immer so – dazu hat es keine Social Media gebraucht. Die verstärken und verdichten das alles nur und bringen es noch klarer zum Ausdruck. Frauen kämpfen selten mit offenem Visier, wir rivalisieren anders. Es gibt eine bescheuerte Hackordnung und der scheinen wir immer noch zu folgen. Gewinnen tut immer die, die den Hähnen am besten gefällt. Da muss ich oft an den Spruch denken: „Eine Welt ohne Männer wäre eine Welt voll glücklicher, dicker Frauen“. Und das ist eine ziemlich gemütliche Vorstellung…