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Ich wollt, ich hätt ein Huhn – über Hühnerhaltung und Hühnerliebe

Ich träume seit geraumer Zeit davon, mir einen Garten anzulegen, der auch Platz für Hühner bietet. Hühnerhalten stelle ich mir großartig vor – dass es das auch ist, haben mir immer die Tweets der lieben Lieselotte gezeigt. Ich habe sie um einen Gastbeitrag gebeten – netterweise hat sie meine Bitte erfüllt. Danke dafür!  Der Text ist zauberhaft  und macht mir noch mehr Lust auf das Thema – und ist voller hilfreicher Tipps für alle, die das Thema Hühnerhaltung angehen wollen. 

Wie ich auf die Hühner kam, ist leicht beantwortet. In meiner Kindheit lebten wir einige Zeit bei meiner Großmutter auf dem Land. Dort gab es Hühner und Kaninchen und alles war leicht. Früh gab es frische Eier. Gekochte und auch Rührei aus der großen gußeisernen Pfanne. Großmutter heizte die Kochmaschine mit kleinen Holzscheiten aus einem Korb, dann legte sie die Ringe auf die Kochstelle und es ging los. Es zischte und duftete und mir wurde wohl.

Als ich es dann, als junge Frau, selbst aufs Land geschafft hatte und im eigenen Haus war, holte ich mir als erstes einen zweiten Hund und als nächstes Hühner. Es braucht nicht viel dafür. Ein kleiner abgegrenzter Platz in einem Gebäude, mit einer erhöhten Schlafstange, einer Tränke und einer kleinen Futterraufe. Der Stall ist schnell eingerichtet. Einen Sack Hobelspäne ausgestreut und fertig. Stroh oder Heu gehen zur Not auch, aber dann muss man oft misten, weil alles schnell feucht wird. Sägemehl macht es zu staubig. Die Hobelspäne bekam ich bei einer kleinen Tischlerei für eine Packung Eier. Der Stall hatte eine erhöhte Luke, vom Maß 30x50cm, damit die Hühner mittels einer kleinen Leiter, jeweils innen und außen, hinaus und herein kommen konnten. An der Luke eine verschließbare Türe, um ungebetenen Gäste zu vermeiden.

Dann ging es ab zum nächsten Landhandel Weizen und Grit zu kaufen. Futterraufe und Tränke holte ich später auch da, weil die von mir aufgestellten Schüsseln ständig umgestürzt waren. Da meine Hühner freien Auslauf haben, brauche ich nichts weiter an Futter kaufen. Täglich eine Handvoll Weizen und eine Tasse Wasser je Huhn. Im Freien nehmen die Hennen Grünes jeder Art auf und fressen was ihnen über den Weg läuft. Insekten stehen genauso auf dem Speiseplan wie Mäuse oder Schnecken. Hühner sind nicht wählerisch und packen beherzt zu.

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Auch Hühner lieben Sonne, Grünes und ein Bad im Sand

Ein wunderbarer Nebeneffekt ist, dass nie wieder Lebensmittel in die Tonne kommen. Praktisch alle Küchenreste gehen an die Hühnerschar. Kartoffelschalen müssen abgekocht und abgekühlt werden und Brot sollte einmal hart durchtrocknen, damit es verträglich ist, aber wie gesagt, wählerisch sind sie nicht. Viele Bauern geben den Hennen leider immer noch Legemehl, eine Futtermischung mit Zusätzen, die das Eierlegen antreiben, das tut nicht Not. Wenn genug Licht und Grünzeug da ist, legt ein normales Huhn zwischen fünf und sieben Eier in einer Woche, da kommt schon etwas zusammen. Wir begannen unsere Hühnerhaltung mit Tetrahybrid-Hühnern vom Geflügelhof. Diese Hühner legen dort in Bodenhaltung ein Jahr Eier zum Verkauf. Und da ab dem zweiten Legejahr die Leistung etwas nachlässt, werden sie aussortiert und billig abgegeben. Bei uns kamen sie zu neuen Ehren. Die braunen Hennen wurden nach kurzer Zeit zutraulich und flogen eigentlich nie. Nur als sie das erste Mal in Freie kamen, da stürmten sie über die Wiese und waren nicht zu halten, sie rannten und flatterten und schauten nach dem Himmel und jagten Insekten, dass es nur so eine Freude war.

Ein Ei pro Tag pro Henne – da kommt was zusammen!

Da unsere Hühner gleich alt und gleich groß waren und zur selben Zeit hier eintrafen, gab es keine Probleme bei der Eingewöhnung, aber dennoch musste eine Hackordnung hergestellt werden. Das heißt, anfangs gab es hier und da einmal Zank und es wurde sich schon gelegentlich mit dem Schnabel auf den Kopf geklopft, aber das war nach wenigen Tagen geklärt. Früh, wenn ich die Luke öffnete, kamen sie mir freundlich gackernd entgegen, sprangen die Hühnerleiter herunter und eilten in den Garten. Es gab viele Hühnerdinge zu erledigen, Gras zupfen und am Boden scharren und und in den Himmel schauen und im Sand baden. Gegen vormittag ging dann eine nach der anderen in den Stall setzte sich ins Legenest und legte ihr Ei. Danach kommt sie laut gackernd wieder heraus. Mittags füttere ich Essensreste aus unserer Küche, da geht fast alles, einzig Kohl und Zwiebeln sowie Avocado und Milch dürfen sie nicht bekommen. Sobald es abends zu dämmern beginnt, gehen die Hühner selbstständig in den Stall und sortieren sich auf die Schlafstange. Dann noch die Luke zumachen und dann ist der Hühnertag zu Ende.

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Als Legenest im Stall reicht eine Holzkiste in der etwas Stroh und ein Ei aus Plastik oder Gips liegt. Das sehen die Hennen und legen ihr Ei dann einfach dazu. Die braunen Legehennen legen hellbraune Eier. Wer weiße Eier haben will, braucht Leghorn-Hennen, nur sind die oft schreckhaft und fliegen über Zäune. Blausperber sehen schön schwarzweiß gesprenkelt aus und legen dunkelbraune Eier, Araucaner legen grüne Eier, aber so sanft und freundlich wie die braunen Hennen werden die genannten meiner Erfahrung nach nicht. Unsere Wohnlage direkt am Wald machte es dann erforderlich,  dass wir uns einen Hahn zulegten. Kurt 1.0 war groß und weißgolden gesprenkelt. Ein Italienerhahn. Sanft und freundlich zu den Hennen, stets rief er sie zuerst zum Futter bevor er selbst etwas nahm, und heldenhaft mutig gegenüber Feinden auch wenn es nur der Hofbesen war. Ein guter Hahn hütet seine Hühner, das heißt er hält immerzu Ausschau ob irgendwo eine Gefahr lauern könnte und gibt dann einen Warnlaut. Sofort stieben alle Hühner auseinander und verstecken sich. Bei Angriffen
der Luftwaffe, hier bei uns hat es sehr viele Bussarde, muss er selbst wegrennen und sich verstecken, aber wenn etwas auf dem Boden nahte zog Kurt aufgeplustert wie ein Ritter in Rüstung und mit geschwollenem Kamm selbst in den Kampf.

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Sobald es im Frühsommer warm wird, beginnt die Brutzeit. Welche Henne „brütig“ wird lässt sich vorher nicht genau sagen, nur wenn eine Henne einmal Glucke war ist es zu erwarten das sie es im darauffolgenden Jahr wieder wird. Zur Zeit ist Hilde unsere ranghöchste Henne das dritte Jahr in Folge Glucke. Das heisst sie setzte sich eines schönen Tages im Mai auf die von allen Hühnern gelegten Eier und stand nicht mehr auf. Dieses Mal bemerkten wir es eher, letztes Jahr hatten die Hühner täglich Eier dazugelegt und wir fanden sie auf knapp 30 Eiern brütend. Dieses Jahr waren es ein Gelege von 9 Eiern, aber als wir sie nach einem Tag in ein separates Heunest umsiedelten waren es nur noch 7 Eier. Das kann vorkommen.

Nach drei Wochen schlüpfen normalerweise die Küken aus dem Ei. Bei Hildes Gelege tat sich nichts. Wir warteten noch etwas, die Eier können ja zu unterschiedlicher Zeit befruchtet worden sein. Am 24.Tag der Brut nahm ich Hilde vom Gelege um die Eier mit einer Lampe zu durchleuchten. Zu meiner Freude war zu dem schwarzgrauen Küken vom Vorabend morgens noch ein weissblondes Küken geschlüpft. Das leise Piepsen war schon tagelang zu hören gewesen, aber ich hatte gedacht das wären die noch ungeschlüpften Küken. In der letzten Zeit kurz vor dem Schlupf unterhalten sich Glucke und Küken leise miteinander. Die Durchleuchtung ergab, dass drei Eier unbefruchtet und zwei nur angebrütet waren. Das kann vorkommen. Es bleibt also dieses Jahr bei zwei Küken. Wir nannten sie Arno und Betty. Eigentlich sieht man erst nach einigen Wochen, welches Geschlecht die Hühnerkinder haben, aber ich vertraue da gern auf mein Feeling.

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Jetzt heisst es täglich frisches Kükenfutter machen, genau wie Großmutter nehme ich dafür hartgekochtes Ei und zarte Haferflocken und Brennnessel zu gleichen Teilen und hacke das fein. Es wird gern genommen und die Kleinen entwickeln sich prächtig. Nach knapp zwei Wochen kommen die ersten Schwungfedern und die kleinen Flauschis flattern munter um die Glucke herum. Für die erste Zeit lebt die Glucke mit ihren Küken separiert zum Schutz der Kleinen. Um die 6.Lebenswoche können sie dann mit in die Hühnerschar integriert werden. Am Anfang besser unter Beobachtung. Im Herbst sind sie schon genauso groß wie die anderen.

Unsere aktuelle Hühnerschar ist bunt gemischt. Da sind Hilde, Helga und Berta, sie sind wie der Hahn Balthasar Malayen. Außerdem Selma und Wilma das sind Sussex, eine Tetra sie heisst Meta. Huberta und Mafalda sind graue Araucaner und Maggy und Peggy schwarze Bovans. Apolonia ist eine schöne Blausperberhenne. Achso und Betty und Arno, da sehen wir im Herbst was ausser Malayen da noch mit dabei ist. Das Landleben hat viele schöne Seiten und die Hühnerhaltung ist eine davon. Auf die freundliche Gesellschaft dieser liebenswerten Tiere und auf den Genuss der tagesfrischen Eier würde ich nur ungern verzichten wollen.

Schöne Grüsse von meinen Hühnern, liebe Grossmutter!

2 Kommentare zu “Ich wollt, ich hätt ein Huhn – über Hühnerhaltung und Hühnerliebe

  1. Ja, eine schöne Hühnergeschichte, die Stadtmenschen vermutlich Lust auf Hühnerhaltung macht.

    Nun, ich hatte die Gelegenheit, mit Hühnern zu leben, als ich der Stadt entflohen und aufs Land gezogen bin (2 Jahre, dann hab ich es nicht mehr ausgehalten und zog zurück nach Berlin).

    Es war ein umgebautes Gutshaus mit mehreren Mietwohnungen, dahinter ein „Schlossgarten“ mit einem Stückchen Wald und einem ca. 400² großen „Hühnerbereich“ – eingezäunt wegen der Hunde. Darin der Hühnerstall, ein kleines Häusschen mit Sitzstangen, Nestern und der Leiter zum rein und rausgehen – natürlich mit Hühnerklappe.

    Die ca. 8 Hühner haben Sitzstangen und Stall derart vollgeschissen, dass wir alle 2 Tage ausmisten mussten – ziemlich egal, was wir reinstreuten. Die schiere Kotmenge war erstaunlich groß, sammelte sich auch auf den Sitzstangen, die wir also regelmäßig säubern mussten.

    Abends gingen die Hühner selbständig in den Stall. Wir mussten jedoch die Klappe schließen, wegen der Gefahr, dass der Fuchs sich einfindet. Und morgens? Hühner erwachen bei Sonnenaufgang und wollen raus! Im Winter geht das ja, aber im Frühjahr/Sommer bedeutet es, verdammt früh aufzustehen, um die Hühnerklappe zu öffnen. Jeden Tag! Will man mal wegfahren, muss es jemand anders übernehmen, morgens um 5 die Klappe zu öffnen, zu füttern, auszumisten etc.

    Im „direkten Auslauf“ um das Häuschen herum, wo die Hühner gefüttert wurden, wuchs bald nichts mehr und alles war total verschissen. Es ist ungesund, wenn die Hühner zu lange auf so einem Boden herum laufen! Nicht umsonst haben Bio-Hühnerhalter mittlerweile fahrbare Ställe, die immer wieder an andere Orte gefahren werden, damit der Boden sich erholt.

    Sie hatten natürlich Auslauf ins größere Gebiet, allerdings interessierte sich der Hund des Hauses dann doch für sie und entdeckte seinen Jagdinstinkt wieder. Zweimal hatte jemand vergessen, das Tor zu schließen (Kinder…), einmal brach er irgendwie durch / über den Zaun. Insgesamt drei Hühner fielen ihm zum Opfer.

    Auch nicht schön war das Verhalten der Hühner untereinander. Ich sag nur „Hackordnung“! Ein Huhn war immer „ganz unten“, wurde gemobbt, gehackt, angegriffen – und sah bald aus wie der Schatten seiner selbst. Ein Elend!

    In diesem Blogpost ist ein Foto der Hühner im „direkten Auslauf“
    https://www.claudia-klinger.de/digidiary/2015/04/05/ostern-eier-hasen-fruehling/

    Alles in allem hab ich die Hühner nicht vermisst, als ich wieder in die Stadt gezogen bin – heute mit einem Kleingarten, der mein „Landbedürfnis“ ausreichend befriedigt.

  2. diealex

    Danke für diesen interessanten Einblick in das Leben mit Hühnern! Als Stadtpflanze finde ich das überaus faszinierend 🙂

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