Maskenzwang? Machen wir das Beste draus!

Seit letztem Montag haben wir in Bayern Maskenzwang. In den öffentlichen Verkehrsmitteln und in allen Geschäften müssen wir Mund und Nase mit Atemmasken verhüllen. Oder mit halt irgendwas – eine Freundin hat jemanden mit zweimal Klopapier um Mund und Nase im örtlichen Penny gesehen. Okay… Alles in allem ein Szenario, für das wohl jeder ausgelacht worden wäre, der es an Silvester 2020 als Zukunftsvision vorgestellt hätte…diesen Samstag bin ich in die Stadt. Die ganze Stadt war eine einzige Polonaise. An jedem Geschäft stand eine Schlange Menschen im Regen an. An den durchweichten Masken zupfend, oft die Nase frei oder – das war ziemlich schräg – die Maske wurde zum Niesen abgenommen. Und das alles mit maximal einem Meter Abstand. Da frag ich mich schon, ob es nicht besser wäre, einfach die Geschäfte aufzumachen. Trotzdem hat mich der Trubel für die Shops gefreut. Aber ich muss gestehen, wirklich wohl habe ich mich in der Stadt nicht gefühlt. Zu dystopisch erschien mir das Szenario – und so stark war die Shoppinglaune nicht, dass ich mich irgendwo angestellt hätte.

Maske
Maske

Es ist interessant, wer welche Masken verwendet – die meisten nutzen Einwegmasken, die schon wieder ein Müllproblem darstellen. Die effektiven Masken überlassen fast alle lieber den Risikopatienten und den Angestellten bei Pflege oder Krankenhaus, nur wenige haben diese Filtermasken auf. Uns Normalos genügen sowieso wiederverwendbare Stoffmasken, um unsere Tröpfchen bei uns zu behalten – mehr können diese Stoffstreifen nicht. Ich MUSS Stoff tragen, denn ich hab zudem eine Allergie auf die Gummibänder der medizinischen Masken entwickelt, Braucht wirklich niemand. Das ist ein Problem gewesen, denn bei den Tafeln hab ich schon länger Maskenzwang, aber die hatten nur die Einwegmasken, Deswegen hat die liebe Claudia von Twitter mir schon einen Schwung genäht, Mauvefarben mit kleinem Herz und Neongrünen Bändern, mittlerweile hab ich noch einen Haufen mehr, auch dank Saskya, die auf Facebook diverse Näherinnen gefunden hat.

Gastbeitrag von Saskya Olympio

Eigentlich wollte ich meine rudimentären Handarbeitskünste reaktivieren und einen Mundschutz aus einem Stofftaschentuch, das mir meine Oma vor langer Zeit geschenkt hatte, basteln. Die Anleitung ohne Nähen aus dem Netz hat mich angesprochen, denn mit zwei linken Händen gestaltet sich das Nähen etwas schwierig.
Voller Enthusiasmus machte ich mich an das Falten des Tuches. Doch als es daran ging, die Gummibänder in die Origamiarbeit einzuflechten, schwahnte mir schon Böses. Leider bewahrheitete sich mein ungutes Gefühl und beim Aufsetzen der scheinbar fertigen „Maske“ war – um es nett zu umschreiben – das Ergebnis ernüchternd. Die Gummibänder haben gedrückt, das Taschentuch hat sich wieder entfaltet. Tja, ein Versuch war es wert. 😞
Bei meiner Arbeit bei 1000 Teller habe ich dann eine professionelle 1-Tagesmaske bekommen, aber stylish ist was anderes.

Deshalb habe ich ein wenig im Netz recherchiert und bin auf Melanie Hoheneck gestoßen, die ihre selbstgefertigten Masken ehrenamtlich herstellt.
Die rosafarbenen, gestreiften, geblümten, usw. Masken verkauft sie zum Selbstkostenpreis und berechnet nur die Materialkosten, also das Streckband. Ehemalige Gardinen, Bettwäsche, Tischdecken, Hemden wurden von Melanie recycelt und schmiegen sich jetzt gut um das Gesicht.
Diese sogenannten Behelfsmasken kann die Verteilung von Tröpfchen verringern. Für mich ist der große Vorteil, dass sie wieder verwendet werden kann und waschbar sind. Sie sollten bei mindestens 60° C ohne Waschmittel gereinigt oder können bei hoher Temperatur gebügelt und maximal 3 Stunden getragen werden (Quelle: Auszug aus „Stadt Essen – Nähanleitung für Behelf-Mund-Nasenschutz).
Ich habe mich für Melanies Landkartenmasken entschieden und bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung, dass ich die künstlerische Ausfertigung anderen überlasse 😀.

Bleibt gesund!