Hilgerlicious – Luxus ist unsere Natur

Alles, was das Leben schön macht – aber nachhaltig!

Liegen bei euch auch die Nerven blank?

Ich kann mich genau an den Moment erinnern, als meine Stimmung kippte. Von geduldig, gelassen, vernünftig zu wütend und frustriert. Das war, als Herr Söder verkündete, dass in Bayern die Uhren anders gehen und unsere Geschäfte noch eine Woche geschlossen bleiben. Ich war jetzt nicht in besonderer Shoppinglaune, aber dieser Schritt erschien mir der erste, wichtige Schritt Richtung Normalität. Und der wurde verschoben, vielleicht eine Woche, vielleicht länger. Von geöffneten Gaststätten, Bars, Cafes ganz zu schweigen. Da wußte ich, die Hoffnung, dass es doch noch ein gutes Jahr werden könnte, ist dahin. Ich vermisse das Leben draußen, Freunde treffen, ratschen und andere Themen haben als die Krise. Ich weiß, dass es mir gut geht. Ein guter Arbeitgeber, der an uns Angestellte denkt. Eine große Wohnung, mein Freund und ich gehen uns nur im normalen Rahmen auf die Nerven… Mir tun die Menschen leid, die in betroffenen Branchen arbeiten oder die Inhaber von Firmen und Läden, die mit viel Fleiß gutgehende Geschäfte aufgebaut hatten – und nun durch ein paar Wochen Stillstand vor den Trümmern ihrer Existenz stehen. Ich hab versucht,  viel Optimismus zu verbreiten, mittlerweile ist mir mein Optimismus abhanden gekommen. Ich habe schlechte Laune und will, dass wir alle wieder weitermachen können. Aber so wie das aussieht, kann man das knicken – ein Normal wird es so bald nicht wieder geben. Millionen Arbeitslose, die Modebranche, die Kosmetikerinnen, die Gastronomie und die Kinos im Eimer, die Künstler und Musiker ohne Erwerbsmöglichkeit. Keine Thaimassage, kein Yogastudio, alles down, alles tot. Keine Feste, kein Oktoberfest, kein Tollwood, keine Festivals, Konzerte, kein Wacken und kein Kocherlball. Kein Urlaub, wie wir ihn gekannt haben. Womöglich auf Jahre nicht.  Viele scheint das nicht zu kümmern, die hocken offenbar gerne in ihren Wohnungen und fürchten sich.

Ich kann mich nicht mehr wegträumen

Ich kann mich nicht mehr in Gedanken in schönere Gefilde träumen, bei mir ist die Hoffnung am Ende. Ich hab gerade an nichts mehr Spaß. Am Kochen nicht, was der Diät, die ich mache, gut tut, an Serien und Filmen nicht. Ich mag nicht mehr im Blog schreiben, obwohl sich viele Geschichten türmen, ich mag nicht mehr telefonieren, keine Musik hören, Fernsehen und Internet will ich schon gar nicht mehr reinschauen. Denn was da abgeht, das bringt mich nur weiter runter. Auf der einen Seite die Kompletthysteriker, die Angst haben, dass der Boandlkramer (Bayerisch für Tod) in jeder S-Bahn wartet, und die sich nur noch wünschen Lockdown, Lockdown, Lockdown bis in alle Ewigkeit.  Auf der anderen Seite die völlig Schmerzbefreiten, die jetzt jeden Tag auf den Wiesen Party machen, in ihren Kellern und Scheunen geheime, illegale Clubs eröffnen…Gut, die meisten Menschen halten sich irgendwo im Mittel dazwischen auf. So wie ich. Aber auch wenn ich mich selbst weitgehend an die Bestimmungen halte, ich halte sie persönlich für maßlos übertrieben. Ich weiß, das haben Menschen beschlossen, die mehr Ahnung haben, es machen viele Länder mit. Dennoch wäre ich für den schwedischen Weg gewesen, nur inclusive besserem Schutz der Altenheime (ihr könnt mich jetzt teeren und federn). Ich finde es richtig und wichtig, dass wir darüber diskutieren dürfen, was Sinn macht. Und wenn man etwas in Frage stellt, bedeutet das nicht, dass man empathielos ist oder anderen Menschen den Tod wünscht. Ganz sicher nicht. Aber dennoch muss jede derartige Beschneidung unserer Grundrechte gut begründet sein, erklärt sein – und nicht mit einem „is halt so“ von der Politik abgetan. Es geht ja auch in anderer Hinsicht um Existenzen, es ist ja nicht die böse kapitalistische Wirtschaft, die da gerade abstürzt, es sind Menschen, die ihren Job verlieren, Freiberufler, Künstler. Die Menschen, die für unsere Unterhaltung und unser Wohlbefinden gesorgt haben. Es ist mehr als unfair, die jetzt im Regen stehen zu lassen.

Wie geht es euch in der Krise?

Ich merke an mir selbst und den Menschen in meiner Umgebung, was der Lockdown mit ihnen macht – nichts Gutes nämlich. Wir vereinsamen, weil Videocalls nun mal keine menschliche Nähe ersetzen. Wir werden traurig und antriebslos und unglücklich. Eltern sind maximal genervt vom Lockdown mit der Familie. Optimismusbomben kenne ich mittlerweile in meiner Umgebung nur noch wenige.  Wie geht es euch? Was macht die Situation mit euch? Was glaubt ihr, wird passieren?