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„Hässlich, sexy oder Mama“ Zum Weltfrauentag oder: #unhatewomen

UnhateWomen - Mein Beitrag zum Weltfrauentag

Heute ist wieder Weltfrauentag, kein Tag für Blümchen und Sekt, sondern ein Tag der Bestandsaufnahme, wie weit wir gekommen sind mit der Gleichberechtigung. Und vorweg das Positive: Es hat sich viel getan. Frauen und ihre spezifischen Bedürfnisse werden verstärkt wahrgenommen in der Berufswelt, es wächst das Verständnis, dass wir vieles ändern müssen. Dennoch ist es für Frauen ungleich schwerer, in Führungspositionen zu gelangen, immer noch gibt es Unterschiede bei der Bezahlung. Und so woke Redaktionen wie Bento kommen auf die glorreiche Idee, am Weltfrauentag alle Texte von Männern schreiben zu lassen – die männliche Sicht auf die Frau wird ja noch nicht genug gesehen, ist klar…

Trash-TV voller Frauenhasser

Aber ich will heute gar nicht über die Arbeitswelt schreiben, sondern über ein Thema, das mich im Bezug auf uns Frauen noch stärker beschäftigt: der anhaltende Hass auf und die Verachtung für Frauen. Frauen werden von vielen Männern als schmückendes Accessoire gesehen, als Partnerin bist du perfekt, wenn du super aussiehst und den Mund hältst. Frauen werden von diesen Männern eingeteilt in drei Kategorien: hässlich, fickbar und Mama. Was anderes ist nicht drin. Wer sich jetzt gleich aufplustern will und sagt: ja, ja, ja, aber die meisten Männer sind ganz nett, die sehen ihre Frau als gleichberechtigte Partnerin und bringen sogar den Müll runter. Ja, klar stimmt. Die meisten Männer sind nett und lieb und das passt schon so. Aber dieser verachtende, widerliche  Blick auf die Frau ist leider medial so unfassbar präsent, denn der stammt aus einer gewissen (Unter)schicht und die macht sich gerade im TV und in den Charts breit. TV-Trash-Formate sind voller misogyner Gestalten, sei es der letzte Bachelor, der Frauen schon mal befielt, sie mögen bitte ihre eigenen Befindlichkeiten daheim lassen, wenn das mit ihm was werden soll. Auch Bachelor in Paradise, Temptation Island, Hotel Paradise, und wie der Schlonz nicht alles heißt, lässt die Männer als coole Checker dastehen, die die „Bitches“ nach Rammelbarkeit einsortieren. Heißer Tipp: Verstand und Humor gehören nicht zu den vorrangigen Bewertungskriterien.

#UnhateWomen – Kampagne gegen misogyne Texte im Rap

Noch ekelhafter wird’s im Rap, wo Proleten wie Kollegah, Gzuz, Fler, Finch Asozial und andere Honks ihr pubertär-ekelhaftes Gesabbel raushauen, Frauenfeindlichkeit vermischt mit Gewaltfantasien, dass einem übel werden kann. Und das Ganze wird einem als „Rap-Kultur“ verkauft und bekommt 55 Mio Aufrufe im Netz. Feuilletonisten arbeiten sich an dem Schund ab, erklären, machen Interviews mit den modernen Minnesängern und erheben den Scheißdreck zur Hochkultur. Why? Terre des Femmes nimmt das Thema wichtig und hat dazu eine Kampagne ins Leben gerufen #Unhatewomenunhatewomen-Kampagne-gegen-Gewalt-gegen-Frauen-von-Terre-de-Femmes,1583493117323,unhate-women-terre-des-femmes-100__v-16x9@2dXL_-77ed5d09bafd4e3cf6a5a0264e5e16ea35f14925

HipHop-Medien und auch klassische Medien wiegeln ab und versuchen, mit der Kunstfreiheit oder einer Gangsta-Attitude als Stilisierung um die Ecke zu schrappen. Äh, nein. Wenn den Müll 55 Mio vermutlich pubertierende Typen hören, kann ich leider nicht mehr von einer vernachlässigbaren Randerscheinung sprechen. Wie werden die Frauen im echten Leben behandeln? Zuvorkommend und höflich? Oder nicht vielleicht so, wie es die coolen Checker mit dem Gucci-Käppi vormachen? Es hat sich in der Jugendkultur, vermutlich auch durch die neuen, oft patriarchalischen Kulturen, die immer stärker den Mainstream beeinflussen, eine sehr seltsame Gemengelage gebildet. Was geht in diesen Hirnen vor? Wie sehen die sich? Gefallen tut mir das nicht. Ich habe keine Ahnung, wie in den Köpfen der Weg der Gedanken vom Hören dieser Texte zur tatsächlichen Misshandlung von Frauen ist, aber klar ist, diese Texte liefern Frauenhassern eine Folie, eine Rechtfertigung, ihren Hass auszuleben und als cool und männlich zu definieren. Dass es nicht bloß eine Stilfigur ist, sieht man an der Fehde,

Bei den Texten wird mir übel: Ein Zeichen gegen frauenverachtende Rap-Kultur
Bei den Texten wird mir übel: Ein Zeichen gegen frauenverachtende Rap-Kultur

die Fler mit einer Frau austrug, die es auf Instagram wagte, seinem verachten Geplärr etwas entgegenzusetzen und auf die er bei seinen Fans ein „Kopfgeld“ aussetzte. Die das irgendwie dann doch nicht als Kunstaktion sahen, sondern ernst nahmen:  „Ich weiß, dass das nicht die Mehrheit ist, sondern seine Fans. Die drohen, dass sie mich finden werden, dass sie mich fertigmachen werden, die drohen mir mit allem“, erzählt die Frau eingeschüchtert bei Stern-TV.

Ich habe Angst um junge Frauen

Ich habe Angst, dass junge Frauen beim Daten an solche Idioten geraten, dass auch sie es ganz normal finden, herabgewürdigt, verachtet, missbraucht zu werden. Ich finde es entsetzlich, dass Frauen den Affen auch noch zustimmen und sich bereitwillig als Accessoire verwursten lassen. Ja, man kann die extrem sexy Outfits und Texte weiblicher Rapperinnen als neue Weiblichkeit lesen, als feministische Selbstbestimmung über den eigenen Körper und die eigene Sexualität, aber dafür kommt das Ganze doch arg unterwürfig daher. Und allzu bereitwillig, die Klischees der Männer zu erfüllen. Das ist meine Leseweise, wer das anders sieht, soll’s mir erklären. Ich halte es jedenfalls für kein gutes Rollenvorbild – und ich hoffe, dass sich weibliche Sexualität auch andere, coolere Wege findet, als ihren Hintern in die Kamera zu halten und „gibs ihm, gibs ihm, gibs ihm“ zu stöhnen.

Deswegen will ich mit diesem Artikel ein Zeichen setzen. Gegen misogyne Texte, gegen Gewalt gegen Frauen, gegen Hass und diese Prollkultur. Wenn ihr das auch wollt, teilt ihn und setzt auch euren Kopf als Zeichen unter den #Hashtag

 

3 Kommentare zu “„Hässlich, sexy oder Mama“ Zum Weltfrauentag oder: #unhatewomen

  1. Hi Katrin, ich schätze Deine Beiträge ja immer sehr und bin selbst Frau und muss ehrlich sagen, dass mir diese Weltfrauentag-Nummer auf die Nerven geht. Das mag wichtig in der Vergangenheit gewesen sein, aber wir sind doch längst angekommen. In meinem Fall verdiene ich entsprechend und bekomme trotzdem die Tür aufgehalten. Auf rappende Deppen gebe ich einen feuchten Furz und mal ganz ehrlich: wer schaut den den Bachelor? Männer???? Wohl kaum….
    Muss natürlich jeder selber wissen, aber ich sehe keine Gefahr für die Jugend, denn es gibt unzählige Beispiele an denen man sich orientieren kann. Und das, selbst wenn man sich hübsch macht.

    LG und einen schönen Sonntag, Nicole

    • katrin hilger

      Danke für den Kommentar, we agree to disagree. 😉 ich gebe dir recht, im Bereich der Arbeit sind wir weit gekommen (ganz da sind wir noch nicht) . Was diese Texte etc angeht, da sehe ich wirklich ein Problem, auch wenn ich selbst das nicht anhöre. Ich möchte nicht, dass Frauenfeindlichkeit cool ist, nicht bei einem Mann, bei hundert oder vielen Tausenden, die das anhören…

    • 😊 damit kann ich leben. Bin ja Frau und auf Harmonie bedacht, hihi…
      Lustig. Sehe gerade auf SR einen bericht über die 50er bis 70er Frauen fahren Autos – Emanzipation – Abtreibung usw.
      Da war ein offiziell ernst gemeinter Werbespot für Frauen in Autos zu sehen, wo die Frauen bei Schwierigkeiten die Motorhaube öffnen sollen, damit Männer wissen, dass Hilfe benötigt wird.
      Haben Frauen beim Kampf vielleicht vergessen ihre natürlich vorhandenen Stärken zu pflegen. Kann ein Mann einen Frau um den sprichwörtlichen Finger wickeln, oder ist das eher unsere Spezialität. Und muss eigentlich jede Frau Mutter werden? Also meine biologische Uhr hat nie getickt, so dass ich gar nicht in die Verlegenheit kam einen Job anzunehmen, der nun die Statistik der Gehältergleichheit zu ungunsten der Frau darstellt?
      Kochen kann ich überhaupt nicht, putzen ist mir ein Greuel und ich teile den Haushalt mit meinem Mann. Nachteilig daran Frau zu sein ist die Periode, bzw. mittlerweile die Menopause und die bescheuerte Cellulitis. Denn „warum haben Männer keine Cellu?“ – Weil es Sch… aussieht….
      Aber ich verstehe Deinen Punkt. Wobei…intelligente Kinder / Jugendliche können doch differenzieren und die anderen verstehen ohnehin nicht genügend Englisch, um den Rappern zu folgen.
      Es gibt m.E. gravierendere Probleme als die Gleichberechtigung. Z.B. Fremdenfeindlichkeit. Und auch hier können wir festhalten, dass nur dumme Menschen andere heruntersetzen. Vielleicht weil sie tief in ihrem Inneren wissen, wie dumm sie sind.
      Wie auch immer….das Wort zum Sonntag Ende…sorry für’s spamen 😉

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