München Mode Nachhaltigkeit

Lokalverbot für Pelzträger – echt jetzt?

Es ist ja so: sobald die Temperaturen in München unter 10 Grad rutschen, sind sie wieder da, die Anoraks mit Kapuze, meist ein wenig verbrämt mit Pelz. So weit, so gewöhnlich. So weit, so unnütz. Ab jetzt werden diese Kapuzenfraggles es schwerer haben, in diverse Clubs und Bars in München reinzukommen „Pelz unerwünscht“ heisst es im Blitz, Bahnwärter Thiel, in verschiedenen veganen Lokalen. Und zwar nicht nur für Pelzkapuzen und moderne Lammfell- oder Nerzmäntel, sondern auch für Vintagepelze aus den 60ern und sogar für Kunstpelz! Weil man könne den Türstehern nicht zumuten, sich durch den Filz zu wuseln, um tiefschürfende Echtheitstests vorzunehmen. Also alles Plüschige außer dem Chihuahua muss raus.

Die Anti-Pelz-Aktion ist aus vielerlei Gründen bescheuert.

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Ganz viel No-Go auf einem Foto Photo by Yaroslav Kurtichan on Pexels.com

Zum einen dürfen Ledertaschen und -Turnschuhe auch rein in die Läden, und ich sehe wenig Unterschied zwischen einem Stück Haut mit Fell oder ohne. Zum anderen: im Rahmen der Nachhaltigkeit fände ich es unglücklich gelaufen, wenn sich Leute extra zum speziellen Kneipenbesuch neue Winterjacken kaufen müssten, weil die alten Jacken nicht mehr den moralischen Standards entsprechen. Und was ist mit Daunen? Und wie schlecht die ganzen Plastikjacken für die Umwelt sind, die ihr Microplastik bei jedem Waschgang munter an das Wasser abgeben – darüber reden wir an der Stelle lieber auch nicht. Damit wir uns nicht missverstehen: ich bin absolut dagegen, dass noch neue Pelzmäntel hergestellt werden. Es sollten die alten Mäntel aufgetragen werden, geliebt und geehrt und voll Respekt für die Tiere, die ihr Leben für dieses Kleidungsstück gelassen haben. Ich möchte gerne meine uralten Second Hand Mäntel in Frieden auftragen dürfen. Und wenn die alle kaputt sind, dann ist eben Schluss. Kein neuer Pelz mehr. Jemals. Dann sind die Pelzmäntel sozusagen ausgestorben.

Meinetwegen kann man auch die Kapuzenpelzschnösel nicht reinlassen, die sind meist eh kein Verlust für eine Kneipe. Bis dahin ist die Aktion das was sie ist: ein netter Werbegag, eine zu kurz gedachte Aktion für die Umwelt, die eher schadet als nutzt.

6 Kommentare zu “Lokalverbot für Pelzträger – echt jetzt?

  1. Sabine Emmerich

    Word ! Da stimme ich Dir völlig zu, meine Liebe. Und der Vergleich mit den Rauchern hinkt auch ein wenig, denn Pelzträger oder Kunstpelzträger gefährden jetzt nicht wirklich meine Gesundheit, im Gegensatz zu Rauch

  2. Das man Gäste mit fetten Echtpelz-Mäntel vor diversen Kneipen aussortiert, könnte ich noch verstehen. Aber die Jacke mit dem Pelzverschnitt an der Kapuze? Das halte ich für sehr übertrieben.
    Aber es gibt ja in München noch genug andere Kneipen.
    LG
    Sabienes

  3. claudia gurisch

    Ich bin absolut fuer das Verbot, denn ohne das Rauchverbot wuerden ja alle Raucher in Cafés und Clubs immer noch Nichtraucher gefaehrden. Genauso halte ich es mit Pelz, sonst hoert dieser Irsinn ja nie wieder auf. Im backstage sind Pelze uebrigens seit Jahren verboten. Und Leute die ne Pelzjacke tragen haben auch noch mehr Jacken im Schrank.

    • katrin hilger

      Wie gesagt, dann auch tschüss zu Daunen und allen Lederprodukten. Ich bin überzeugt, in drei, vier Jahren wird es keine Pelze mehr geben, das ist eine ganz normale Entwicklung, weil es genug warme Alternativen ohne Tierleid gibt. In China udn Russland etc wird es vermutlich länger dauern.

  4. Es ist echt der Wahnsinn, was in der Welt abgeht. Jeder, wirklich jeder maßt sich an, über andere uneingeschränkt urteilen zu dürfen. Ja, sogar richten zu dürfen. Es versteht sich, dass Qualzucht und Tierleid auf keinen Fall mehr zeitmodern sind. Aber klar müsste auch sein, dass das Pelztragen ja nicht immer eine Modeerscheinung war, sondern früher die einzige Möglichkeit darstellte, überlebenswichtige wärmende Kleidung haben zu können.

    Das Tier wurde geschlachtet und vollständig verwertet. Das was heute in den Pelzfarmen abgeht, MUSS angeprangert und MUSS strikt gesetzlich verboten werden. Kein Tier darf leiden und qualvoll sterben, um ein Pelzprodukt zu tragen, das wir heute nicht mehr benötigen!

    Da aber nach wie vor Tiere wegen der Fleischproduktion sterben, kann man darüber nachdenken, dass es eine möglichst umfassende Verwertungskette gibt. Dazu gehören auch Leder- und Pelzprodukte. Aber nur wegen des Pelzes töten? NIEMALS.

    Dein Beitrag ist kurz und bringt das Thema perfekt auf den Punkt!

    Gruß, Stephanie

    • katrin hilger

      Danke für deinen Kommentar! Ja, es ist wirklich Irrsinn. Ich mag diese Verbotsunkultur gar nicht.

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