Lieblingslabels Mode Nachhaltigkeit

Wie unser Lieblingskleidungsstück Jeans fair und nachhaltig wird

Giftfreie Jeans von Armed Angels

Ab morgen bin ich auf der Fashion Week in Berlin – meist auf der Neonyt, der immer größer werden Messe für Fair Fashion, weil mich nachhaltige Mode einfach interessiert. Die ist schön, die ist tragbar – und es ist ein gutes Gefühl, weder Gift auf der Haut zu tragen, noch das Elend der Sweatshops weiter zu befeuern oder das Müllproblem. Ein Schwerpunkt auf der Messe sind neue Konzepte für Jeans. Denn…

…Jeansproduktion ist eine echte Dreckschleuder

Das Kleidungsstück, das jede und jeder besitzt, ist eine Jeans. Meist mehr als eine. Ich glaube, ich habe mindestens zehn Jeans – als Latzhose, High-Rise, Hiphugger, mit Schlag oder skinny, Pedalpusher und Ripcage. Mittlerweile sind die Hosen sehr figurfreundlich mit Strechanteil, meist auch stonewashed und auf preused getrimmt, um von Anfang an den coolen Look gebrauchter Jeans zu imitieren. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da mussten wir Jeans selbst „mühselig“ eintragen, was wir im Geschäft bekamen, waren steife, dunkelblaue Jeans, die wir teilweise  in der Badewanne anzogen, damit sie in die perfekte Passform schrumpften. Erst nach Jahren wurden es individuell abgenutzte Jeans. Tja. Wenn es heute noch so wäre, bliebe Umwelt und Arbeitern viel Leid erspart. Das Schweizer Tagblatt schildert die tödlichen Auswirkungen, die die modische Aufarbeitung der Jeans hat:  „Chinesische Arbeiter, die sandstrahlen – ohne Atemmaske und in einem Raum mit einer Lüftung, die ihren Namen nicht verdient. Arbeiter atmen quarzhaltigen Feinstaub ein, erkranken, sterben an der unheilbaren Silikose. Ein junger Mann Hosen mit Kaliumpermanganat. Die Chemikalie ist hochgiftig, belastet die Gewässer rund um die Fabriken. Jeansmachen ist ein Hochrisikoberuf. Die Entschädigung dafür: ein Hungerlohn und eine schäbige Unterkunft.“ Und wir kaufen das Ganze dann für oft weniger als der Preis einer Pizza…

Immer mehr Firmen sorgen für faire Jeans

Selfie in nachhaltiger Mode
Faires Jeans-Kleid von Hessnatur und Haarband von Lanius

Da wäre das Kölner Label Armedangels. Die denken an die Arbeiter und an uns Verbraucher. Denn wer will schon giftiges Zeug tragen? Eine Jeans ohne Giftstoffe – Armedangels hat sie. Für die Detox Denim-Kollektion verwendet die Kölner Brand Bio-Baumwolle. Mit chlorfreier Waschung, Patches aus Jacron-Papier (Jacron ist ein Stoff, der wie Leder wirkt und die Lederpatches ersetzt, für vegane Hosen) und schwermetallfreien Knöpfen kämpft das Label gegen „Everything Toxic“. Und das konsequent: Neben den nachhaltigen Denims verwendet Armedangels ausschliesslich nachhaltige Fasern wie Bio-Schurwolle, die umweltbewusste Zellulosefasern und recycelte Baumwolle.

Nudie gehört zu den konsequentesten Denim-Brands der Welt. Die Schweden setzen schon seit jeher auf radikale Nachhaltigkeit bei den Rohmaterialien und Produktionsprozessen. Wie Denim- und Sustainability Heads wissen, geht Nudie sogar noch weiter als zum POS – jede Jeans kann immer wieder zum Reparieren gebracht werden. In München gibt es so einen Laden in der Reichenbachstrasse. Auf der Neonyt sind sie auch: im Rahmen der Prepeek zeigen sie nun einen Pop-Up ihres Repair Shops im Hangar 4 des stillgelegten Flughafens Tempelhof.

 

Jeans von Mud

Mud Jeans hat nicht nur den höchsten Anteil an recyceltem Jeansgarn in ihren Hosen, sie produzieren fair und mit Biorohstoffen. Und haben noch einen weiteren Schritt eingebaut, der all die bedenkt, die Abwechslung im Kleiderschrank haben wollen: 2013 führte MUD Jeans das innovative Leasingsystem ein. Dieses System gewährleistet, dass die wertvollen Rohstoffe wiedererhalten und jedes Kleidungsstück recycelt wird. Reparaturen werden kostenlos angeboten und Kunden können die Jeans so lange sie möchten behalten oder sie nach Ablauf der einjährigen Lease-Dauer gegen ein neues Paar eintauschen. „Lease A Jeans“ finde ich als Konzept sehr klasse. sehr klasse…

Dass auch die Branchengrößen über bessere, nachhaltigere Lösungen nachdenken, ist ein gutes Zeichen. Es beweist, die komplette Branche ist im Umbruch. Einer der größten Jeans-Stoff-Hersteller der Welt, ISKO, ist auch auf der Neonyt vertreten. Das Unternehmen achtet sehr auf Nachhaltigkeit, schon aus wirtschaftlichen Gründen. Denn je weniger Abfall man hat, desto besser. ISKO R-TWO™ ist die neueste nachhaltige Entwicklung. Die Stoffe enthalten einen Mix aus wiederverwendeten und/oder recycelten Materialien, wobei die Vermeidung jeglicher Art von Abfall im Mittelpunkt steht. Auf der Messe gibt es Schulungen, die sich an Profis und Laien wenden. Zum einen können sich Marken informieren, was schon möglich ist, zum anderen erfahren die modebewußten Besucher viel zur Herstellung von Jeans. 

3 Kommentare zu “Wie unser Lieblingskleidungsstück Jeans fair und nachhaltig wird

  1. Was bin ich froh aus dem Used-Alter raus zu sein. Selber used – vom Leben gezeichnet, hihi…ich finde den Trend zu Nachhaltigkeit in jeglicher Produktkategorie natürlich sehr begrüßenswert. Aber Jeans sind für meine Begriffe die nachhaltigsten Kleidungsstücke überhaupt. Immerhin trägt man sie zig Jahre…zumindest, wenn sie nicht viel zu klein werden…
    Grundsätzlich bin ich dafür nicht immer aktuellen Trends hinterher zu laufen, sondern einfach in klassisch hochwertige Stücke (möglichst in Europa oder gar in Deutschland gefertigt) zu investieren. Das ist der beste Garant dafür, dass die Klamotten nicht nach einer Saison im Müll landen.
    Ich bekomme regelmäßig die Krise, wenn Influencerinnen auf Instagram Taschen im Wert von Tausenden Euro vorführen und dazu stolz einen Zara, oder H&M Fetzen inszenieren. Muss das denn?

    Egal, es kehre jeder vor seiner Haustüre. Mit diesem Motto fahre ich für mich gut und kann unbesorgt in den Spiegel schauen.

    Liebe Grüße,
    Nicole

  2. Das Problem für den Verbraucher: Es gibt nur Bekleidung bis max. Gr. 42 (wenn überhaupt), Frauen mit Problemfiguren (unter 160 cm, kurzer Oberkörper, lange Beine und Hohlkreuz, als Beispiel meinereiner) bleiben komplett auf der Strecke. Erst wenn nachhaltige Mode auch diese Frauen unterstützt, bin ich gerne bereit mehr zu zahlen. Bis dahin bleibe ich (bei Jeanshosen) bei meinem Modell und meinem Hersteller. Das hat mich schließlich 30 Jahre an Zeit, Nerven und Geld gekostet, bis ich endlich „mein“ Modell gefunden habe

    • katrin hilger

      Ich gebe dir vollkommen recht. Ich habe das Problem schon öfter angesprochen hier im Blog. Plussize kommt nicht vor. Begründung: nur 7 Prozent der gekauften Kleider sind fair, es ist also ein kleiner Markt und die vergleichsweise kleinen Hersteller können das nicht abbilden. Ich habe jetzt ein paar Labels kennengelernt, die ohne Aufpreis ihre Kleider nach maß schneidern. Und andere Labels wollen in den Plussize Bereich…es tut sich was und da kommt demnächst ein Artikel, den ich dir gerne via Mail zukommen lasse

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