Konsum Nachhaltigkeit

Schwarzer Freitag für das Herz (und die Umwelt)

Diese Woche ist wieder „Black Friday“ „Cyberweek“ oder auch „wir brauchen nix, aber scheiss drauf, Hauptsache billig“- Woche. Dann kaufen wir einen Zweitfön „für Reisen“, noch mehr Bekleidung, Schnickschnack, den wir nie in Erwägung gezogen hätten, wenn er nicht grade im Angebot wäre. Wohlgemerkt: Es ist absolut nichts falsch daran, wichtige und notwendige Einkäufe auch preiswert zu erledigen (auch wenn wir dann wieder zur Problematik mit dem lokalen Einkauf kommen) aber ansonsten fängt genau hier das Problem mit der Umwelt an. Der Konsum wird immer überbordender und nimmt immer üblere Ausmaße an. Beim Singles-Day, dem asiatischen Äquivalent (das wir auch schon übernehmen, heuer zum ersten Mal) wird sich nach Schätzungen von Umweltorganisationen der Verpackungsmüll bei Alibaba und Co bis 2025 vervierfachen. Vervierfachen!!!!! Ach ja, derzeit sind wir schon bei 250.000 Tonnen…und bei uns wird das nicht besser aussehen. Wir kaufen, kaufen, kaufen…aber macht uns das happy? Ich befürchte: nein. Es ist schlecht für uns und für die Umwelt sowieso

img_5208Es ist nicht schön, so viel zu haben, dass man irgendwann nicht mehr selber weiß, was im Kleiderschrank zu finden ist. Wenn man die neue Pfanne verstauen will und verdutzt feststellt, dass man schon so eine hat. Der 40. Lippenstift und der 30.Nagellack werden sich nur in Nuancen von bereits Existierenden unterscheiden. Verstopfen aber die Regale und machen irgendwann ein schlechtes Gewissen, weil man alle halbgebraucht und verklebt wegwerfen muss.

Frage: welche Lücke fülle ich wirklich?

Die Frage, die ich mir derzeit immer öfter stelle, wenn ich mich beim Shoppen ertappe: Was will ich denn damit kompensieren ? Welche Lücke füllen? Vermutlich keine im Kleiderschrank, da sind nämlich keine Lücken mehr. Bin ich wegen etwas anderem frustriert, vielleicht, weil es in irgendeiner Hinsicht nicht so läuft im Leben? Will ich Leute mit meinem Erworbenen beeindrucken, die ich eigentlich nicht mag? Hab ich das Gefühl, mit jugendlicheren Kleidern etwas von der Jugend zurückzuholen, die unwiederbringlich vorbei ist? Wenn ich mir was kaufe, bleibt die Lücke ja weiter bestehen. Ich kann meine Probleme nicht zuhängen mit Einkaufstüten. Ja, im Gegenteil, der Kaufrausch schafft weitere Probleme: Platzprobleme in der Wohnung, gähnende Leere auf dem Konto. Irgendwann bin ich pleite und frustriert. Ich hab zwanzig Blusen, aber kein Problem gelöst.

Zu viel Krusch lähmt

Zu viel Krusch und Kram lähmt, verbaut die Sicht auf das was man hat – auf das Wesentliche. Das meine ich wortwörtlich als auch im übertragen Sinn. Wer nicht mehr sieht, was er alles besitzt, kann nicht gut damit arbeiten, die Wohnung schön einrichten, Kleider gut kombinieren. Und man sieht nicht mehr, was wirklich wichtig ist im Leben. Zeit für Liebe und Nähe und Freunde. Ich bin auch keine Minimalistin, aber ich versuche mittlerweile, dem Irrsinn ein wenig Herrin zu werden. Mehr zu besitzen macht mich nicht zu einem netteren Menschen, macht mich nicht sexier, nicht liebenswerter, ja, es ist auch kein Statussymbol (falls da wer drauf abzielt) – denn viel Billiges ist weniger wert als ein gutes Stück…Außerdem: ein paar der unangenehmsten Menschen, die ich so getroffen habe, waren mitunter am besten gekleidet.

Best Ager über 50. Redakteurin, Bloggerin, PR-Beraterin Infuencer Relations, Twitterfan. Spezialistin für das gute Leben: Nachhaltigkeit, Fair Trade, schöne Dinge aus Manufakturen - if you wanna have a good time, gimme a call

1 Kommentar zu “Schwarzer Freitag für das Herz (und die Umwelt)

  1. Wohl wahr und mir absolut aus der Seele gesprochen. Der Black Friday scheint tatsächlich bestens geeignet, den gesunden Verstand vieler Mitmenschen kurzzeitig lahmzulegen. Der Spar- und Schnäppchenwahn, der dazu verführt, Dinge zu kaufen, die man eigentlich gar nicht braucht, erschreckt mich immer wieder.
    Ich werde ganz sicher am BF auch enorm sparen. Weil ich einfach weder digital noch klassisch auf Beutezug gehen werde.
    Was übrigens enorm entspannend ist.

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