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Mondfest, Mondkuchen und Mondpreise in Singapur oder: mehr Prada dort als Aldi hier

Leuchtende künstliche Bäume vor dem Hotel Marina Bay Sands in Singapur

Wir verbringen ein paar Tage in Bangkok, relaxen am Fluss, erwandern den Chinamarkt, entdecken die Malls – wir waren beide schon mal in dieser Stadt, deswegen schenken wir uns die klassischen Sehenswürdigkeiten. Nur ein kleiner Tipp: mit den billigen Booten am Fluss kann man sich die Flussrundfahrten für teures Geld schenken.

Schenken kann man sich auch die Khaosan Road, die mittlerweile nur noch öde ist. Vielleicht schreibe ich einmal über Bangkok, lustig war es schon, mit Manga Cafes, Bars über den Dächern, vor allem in der wunderschönen Lebua Bar, einer königlichen Barkenparade und verrückten Shops in Chinatown…

Aber jetzt geht es erstmal zum letzten Punkt unserer Reise, nach Singapur. Mit Singapur habe ich wenig verbunden außer: modern, sauber, Finanzmetropole, Singapur Food – und das stimmt auch alles. So viele Hochhäuser, so viel Marmor, Banken, Geld, so viel Luxus, so viele Lichtshows, so viele Wunder. Nach den Urwaldinseln und den kleinen Städten in Thailand schon ein mächtiger Kulturschock. Wir haben uns als Kirsche auf der Urlaubs-Torte im Marina Bay Sands einquartiert. Nach all den Dschungellodges, einfachen Hotels und Hippiehütten fühle ich mich wie ein Dschungelcamp Teilnehmer, der endlich im Versace einchecken darf. Das Hotel wirkt mit seinen 57 Stockwerken und dem längsten Infinitypool der Welt auf dem Dach wie ein gelandetes Ufo. Wir haben auf der Webseite des Hotels direkt gebucht und so viel weniger für das Hotelzimmer gezahlt als bei Booking.com oder anderen Anbietern, wo alles gleich das Doppelte kostet. Der nette Herr vom Empfang hat uns auf das 20. Stockwerk upgegraded.

Das Marina Bay Sands Hotel in Singapur ist ein Wunder für sich!

Es war ein Traum! Unser elegantes, beige-goldenes Zimmer liegt im 20. Stock, wir haben einen Blick auf die wunderschönen Gärten und auf den Hafen, vor dem sich Schiffe bis zum Horizont stauen. Das Highlight ist natürlich der Skypark auf der Dachterrasse, der längste und schönste Infinitypool der Welt – den haben wir 10 Minuten nach der Ankunft gestürmt. Der Pool hat 150 Meter Länge, die vermutlich beste Aussicht auf Singapur und die größte Handydichte pro Quadratmeter Pool. Wer hier schwimmen geht, ist ein Exot. Die meisten stellen sich an den Rand und fotografieren sich dabei. Was wir natürlich auch tun, aber halt nicht nur. Ab 6 Uhr morgens ist der Pool geöffnet, dann ist auch schon was los – aber nie so viel, dass man keine Liege bekommen hätte. Im Hotel haben Kochgrößen wie Wolfgang Puck, Gordon Ramsay und viele andere ein Restaurant, es gibt ein Spago, dazu einen Foodcourt und viele Cafes. Ich muss gestehen, wir wollen nicht in die edlen Lokale, wir sind ziemlich zerzauselt nach vier Wochen Rucksackurlaub. Ich fühle mich hier richtig und total fehl am Platz zugleich. So viel Neureiches, so viele Statussymbole. Da kann ich nicht mithalten – und will das auch gar nicht. Deswegen auch keine teuren Lokale…Ich hole mir lieber in der früh im Foodcourt Kopi, die lokale Kaffeespezialität oder einen Mix aus Tee, Milch und Kaffee, was erstaunlich gut schmeckt und derzeit vor allem in Hong Kong populär ist. Kaya Toast, also Toast mit Butter, Kokos und Zucker, das traditionelle Frühstück in Singapur, ist nicht meins. Das Hotel ist wunderschön und das Personal ausgesucht freundlich und hilfsbereit – egal, wie viele Labels man trägt oder eben nicht. Jeden Abend verzaubert uns vor dem Hotel eine Lightshow mit dramatischer Musik, Fontänen, Lasern und riesigen Projektoren, die fantastische Bildwelten kreiieren.

 

Auch wenn wir problemlos den Resturlaub im Hotel verbringen könnten: Es gibt viel zu sehen in Singapur: Die traditionsreichen kleinen, bunten Viertel wie Chinatown oder Little India samt deren „Fressgassen“ mischen sich mit großen Attraktionen wie eben dem Marina Bay Sands, dem botanischen Garten, dem Baumwipfelpfad durch den Urwald. Dazu die Partyinsel Sentosa, gigantische Vistas der Skyline und vor allem – Shopping. Die Stadt ist übersät mit Malls. Geht man durch die Straßen, fragt man sich an jeder Ecke: haben hier alle kollektiv im Lotto gewonnen? In einer Strasse, der Orchard Road, reiht sich nicht eine, nicht zwei, nicht fünf, sondern eine zweistellige Zahl an Malls hintereinander. In jeder Mall gibt es viele, viele, viele Luxusläden – Prada, Louis Vuitton, Gucci, Chanel, Versace, Phillip Plein, Offwhite, Supreme – am liebsten alle Outfits und Taschen mit dicken Logos drauf, damit es auch wirklich jeder mitbekommt, was man da trägt – das ist vor allem den Chinesen vom Festland wichtig, denn der neue gewonnene Reichtum muss ja irgendwie sichtbar sein. Es ist wie die Maximilianstrasse auf Speed.

Louis Vuitton Store im Marina Becken von Singapure

Crazy Rich Asians – mehr Prada als Aldi

Singapur ist die Stadt mit der höchsten Millionärsdichte der Welt, die Heimat von Crazy Rich Asians. Das spüren wir an jeder Ecke. Und da können wir armen Gäste aus der alten Welt nur mit offenem Mund staunen und uns fragen, wie viele Taschen man eigentlich verkaufen muss, um so ein Shoppingwunderland wie den Louis Vuitton Store zu finanzieren, der als Insel im Meer konzipiert ist. Der Store hat einen Extrazugang von der nahen – natürlich – Über-Luxusshoppingmall des Hotels Marina Bay Sands. Von dort führt ein Gang und eine Rolltreppe zu einem glitzernden Pavillon über dem Meer. „Hier gibt es mehr Pradaläden als bei uns Aldis“, meint mein Freund rätselnd und er hat natürlich recht. Diese Welt ist ihm noch fremder als mir. Es ist lustig, mit ihm in eine Boutique wie die von Offwhite zu gehen. „So, der zerrissene Pullover kostet jetzt über 600 Euro? Wäre er billiger oder teurer, wenn er heil wäre?“ Ich versuche, ihm die Feinheiten des Modebusiness zu erklären, aber er lacht nur. Männer…Aber es ist seltsam. Ich liebe Shopping. Eigentlich. Aber dieses Überangebot in Singapur überfordert mich. Je mehr ich von all den Marken sehe, umso weniger will ich was davon. Da bin ich wohl die Einzige. Der Erfolg scheint den Labels recht zu geben, in jedem Geschäft ist die Armada von höflichen Verkäufern beschäftigt, die begehrten Luxusgüter an die Reichen dieser Welt zu verkaufen. Und die kommen nicht mehr aus Europa, sondern aus China oder den Emiraten. Wir sind da nur Zaungäste. Aber es muss ja auch irgend wen geben, der die Reichtümer anstaunt, oder? Wenn alle sich die Taschen leisten könnten, wären sie ja nix besonders mehr. Eben.

Mondfest in Singapur

Mondkuchen zum Mondfest

Man will andere beeindrucken und sich gegenseitig auch. Dazu taugt nicht nur Mode. Das geht auch zum Beispiel mit Mondkuchen, die zum nahen Mondfest verkauft werden. Teilweise zu Mondpreisen – 4 kleine Kuchen können dann über 100 Euro kosten. Es gibt überall Märkte für die Kuchen und alle Luxushotels der Stadt bieten eigene Versionen an. Mal traditionell mit einem Eigelb in der Mitte, das den Vollmond repräsentieren soll, mal mit modernen Füllungen mit Yuzu oder Matcha. Die Kuchen werden verschenkt und dann mit Freunden und Familie verzehrt, während man den Herbstvollmond betrachtet. Das soll Glück bringen.  Ich kaufe für uns Kuchen mit aromatisch-säuerlicher Yuzufüllung – Yuzu ist eine japanische Zitrusfrucht, die gerade beginnt, auch hierzulande Trend zu werden. Alle Strassen in Chinatown und Little India (auch das hinduistische Lichterfest Diwali steht an) sind festlich beleuchtet und die Garden by the Bay haben derzeit freien Eintritt, so kommen wir in den Genuss einer fantastischen Lightshow. Inmitten der Parkanlagen sind beleuchtete Inseln mit chinesischen Szenen aufgebaut, Lampions schimmern magisch entlang der Wege und riesige künstliche Bäume bezaubern, wenn sie täglich um 8 und um 9 Uhr zu exotischer Musik im Licht pulsieren. Fantastisch, futuristisch – you’re not in Kansas anymore, you’re on Pandora. Wir fühlen uns wie in einer anderen Welt.

Huhn mit Michelinstern – Food in Singapur

Alle Reiseführer betonen, dass Singapur ein Mekka für Foodies ist. Und das stimmt auch. Aber wo sie nicht ganz recht haben: wo dieses Mekka zu finden ist. Es werden einige Märkte in de Reiseführern erwähnt, aber dort hat uns das Essen eher weniger zugesagt. Am Stand von Hawker Chan, dem billigsten Michelinsternrestaurant der Welt etwa, haben wir gut gegessen, aber nicht so umwerfend, wie ich das erwartet hätte. Das Sojahuhn mit dem Stern war saftig und fein, aber der Reis dazu zu trocken. (Wirklich sensationell war der Limonensaft am Stand gegenüber, nur so als Tipp). Ich war zwar froh, es probiert zu haben, damit ich den Punkt abhaken konnte, aber ich hätte es mir weitaus spektakulärer vorgestellt. Wir haben den Stand mehr oder weniger zufällig gefunden, in einem Foodcourt in Chinatown. Durch die lange Schlange davor haben wir gemerkt, hier muss was Besonderes zu holen sein. Und was machen Deutsche, die eine Schlange sehen? Genau: anstellen.

Matcha Baumkuchen in Singapur
Matcha Baumkuchen in Singapur

 

Und der Hawkermarkt in Little India brachte auch nicht sehr viel wirklich Sensationelles. Im Gegenteil, da hat es mir gar nicht geschmeckt. Schade, denn ich liebe indische Spezialitäten fast mehr als alle anderen Küchen. Mir ist dort eine Kakerlake über den Fuß gelaufen, da war eh alles aus – und ich wollte eighentlich einen Sari kaufen, aber die Verkäufer waren so pushy, dass ich es gelassen habe. Schade. Ein Traum war stattdessen der Foodcourt vom Takashimaya an der Orchard Road. Gut, günstig, sauber und voller nie gekannter Speisen. Den Foodcourt kann ich euch allen ans Herz legen. Wir hatten Spaß mit den japanischen Verkäufern von Baumkuchen, die uns ihre Varianten probieren ließen und dann von uns Deutschen wissen wollten, was besser ist: das deutsche Original oder die japanischen Varianten. Nationalstolz hin oder her, die Japaner können den Kuchen besser backen. Spaß haben uns auch die Spießchen am Hawkermarkt von Lau Pa Sat gemacht. Mitten im Finanzdistrikt ist dieser schöne Markt die älteste viktorianische Struktur in Singapur. Unter Gußeisenranken ist ein riesiger Markt voller Essenstände, man sucht sich aus, worauf man Lust hat – und nimmt es mit nach draußen. Denn: die Grillstände außerhalb sind nur einem einzigen Gericht gewidmet, den Satay Spießchen. Hat man erstmal die nervigen Werber, die die einzelnen Stände losschicken, weggewedelt, gibt es wunderbar zarte, fein marinierte, saftige Spießchen mit einer fein komponierten Erdnusssauce. Da kann man ganze Reihen verputzen – was wir auch gemacht haben. Dazu holt man sich diverse andere Gerichte an den Tisch, als Beilage. Nachher kann man einen mittellangen Verdauungsspaziergang zum Merlion machen.

Die große Figur am Hafen, halb Löwe, halb Fisch, ist das Wahrzeichen von Singapur. Die Touristen versuchen, verrückte Fotos zu schießen, bei denen sie den Strahl des Löwen mit dem Mund auffangen – optisch. Lustig, bei den Verrenkungen zuzusehen. Food in allen Variationen ist allgegenwärtig, von den viereckigen Dörrfleischflecken, die in Chinatown gegrillt werden, bis zu den hochpreisigsten Obstständen im japanischen Supermarkt. Da kosten zwei Pfirsiche schon mal 40 Euro und mehr – oder für 200 Euro kann man sich ein Kilo erlesener Trauben nach Hause holen. Wer kauft sowas???? Was wir wiederentdecken: den einstigen Trend Bubbletee. Aber der Originale, ohne Chemie: Milchtee mit braunen Tapiokakugeln. Schmeckt richtig gut und vielleicht gibt es eine Renaissance hier. Wobei die Asiaten schon wieder was neues haben: Cheesetea, Tea mit einer säuerlichsüßen Frischkäsehaube. Leider geil.

 

Aber nach vier Wochen Natur überfordert Singapur: Deswegen sind wir schon kurz nach der Ankunft wieder in der Natur unterwegs, am Baumwipfelpfad am Stadtrand. Denn gleich hinter der Stadt beginnt der Dschungel. 7 Kilometer lang ist der traumhaft gepflegte Pfad, der einfach mit dem öffentlichen Bus zu erreichen ist und der fantastische Ausblicke von einer Hängebrücke aus bietet. Bergauf-bergab, treppauf, treppab ist aber kein so leichtes Unternehmen bei 30 Grad und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit, ausreichend Wasser mitnehmen ist Pflicht. Aber Begegnungen mit einer Affenfamilie, Leguanen, Schmetterlingen und Eichhörnchen entschädigen für die Mühe.

Der öffentliche Nahverkehr ist top ausgebaut und extrem einfach, wir kommen überall mit Bus oder U-Bahn hin, auch zum Flughafen Changi. Der hält zum Abflug noch eine besondere Überraschung bereit: the Jewel. Eine gigantische Halle, durch die ein riesiger Wasserfall (der größte Indoorwasserfall der Welt) stürzt, umgeben von Regenwald. Dahinter wieder – logisch – eine Mall und unzählige Restaurants. In Singapur sind die Attraktionen vor dem Einchecken, bitte genug Zeit mitbringen! Das Jewel ist von Moshe Safdie entworfen, der auch das Marina Bay Sands gezaubert hat und macht den Flughafen zum Schönsten, den ich je gesehen habe. Natürlich gibt es auch im Jewel eine Lightshow. Mit diesen Eindrücken treten wir traurig die Heimreise nach München an.

Ein Regenwald im Flughafen mit gigantischem Wasserfall – das gibt es nur in Singapur!

2 Kommentare zu “Mondfest, Mondkuchen und Mondpreise in Singapur oder: mehr Prada dort als Aldi hier

  1. Hach Singapur <3 Ich muss definitiv wieder dort hin, ich träume ständig von der Stadt. Das halbe Jahr dort hat sich irgendwie in mein herz geschlichen.

    Die Gardens by the Bay haben immer kostenlosen Eintritt, lediglich Aufbauten rund um die Supertrees (zu Weihnachten gibts ne Art Weihnachtsmarkt) kosten Eintritt. Aber sonst kann man immer dort hin.

    Es gibt so unfassbar viel dort zu entdecken und der Flughafen ist ja schon ein Highlight für sich 🙂

    • katrin hilger

      Danke, das haben die uns vom Hotel dann falsch kommuniziert. Das ändere ich 🙂 Aber ja, die Stadt hat was, definitiv…

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