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Bloggen und damit Geld verdienen – die richtige Akquise hilft dabei

Ich habe am vergangenen Wochenende auf der BlogBig einen Workshop zum Blogger-Dauerbrenner gehalten: Wie arbeiten Blogger idealerweise mit  Agenturen und Unternehmen zusammen? Welche Preise kann man aufrufen? Denn da gibt es immer noch viele Missverständnisse, viele Hürden – auf beiden Seiten. Um da ein wenig Aufklärungsarbeit zu leisten – hier der Workshop als Blogartikel.

Was Blogger wollen – und was die Agenturen und Unternehmen

Was Blogger wollen, ist relativ klar: für ihre Arbeit bezahlt werden, ehrliche Artikel und Tests mit Bezahlung  schreiben, zusätzlich zu Reisen auch Geld bekommen und als Wert wahrgenommen werden. Denn wir Blogger können viel mehr als nur Artikel schreiben. Wir schreiben sie SEO-optimiert, liefern hochwertiges Bildmaterial, können Rezepte kreieren, die Zielgruppe so richtig gut erreichen, wertvolles Feedback geben und wir können – in Zusammenarbeit mit Agenturen und Unternehmen – genau das bieten, was Unternehmen brauchen.  Augenhöhe und gegenseitiger Respekt ist der Schlüssel! Aber der Respekt fehlt häufig: Unternehmen und Agenturen wollen leider immer noch zu oft: Blogger als günstige Alternative zu Journalisten, Agenturen schauen zu viel auf die reine Reichweite und nicht darauf, ob ihre Zielgruppe optimal erreicht wird oder ob die Dienstleistungen noch richtig gut weiter verwertet werden können.

Das Problem liegt in der Historie: PR Abteilungen koordinieren in der Regel die traditionellen Mediarelations. Dort werden Pressemitteilungen samt Bildmaterial und Produktsamples an Journalisten ausgesendet, in der Hoffnung, dass diese die Themen für ihr Blatt gut finden. Geld fließt (meist) keines, die Journalisten werden ja von ihren Verlagen bezahlt. Dafür darf man schreiben, was man will (wenn man wichtig genug ist – ansonsten bekommt man nach dem Verriss halt nichts mehr). Hier sind auch meist die Bloggerelations verortet und es wird angenommen, dass diese nach dem klassischen Prinzip funktionieren. Text und/oder Produkt gegen Berichterstattung.

Im Gegensatz dazu läuft es im Marketing ganz anders. Das Marketing hat das Geld für Anzeigen, Mediakooperationen, Werbeaktionen – aber die wollen klaren Value for Money. Klar belegbare, messbare Zahlen, am besten noch einen Link für den Absatz, sie wollen messbaren Absatz, einen messbaren Wert für die derzeit laufende Kampagne.  Deswegen liebt das Marketing Instagram, denn das bietet dem reichen Marketing alles, was es sich nur wünscht. Instagram ist der Feuchttraum jeder Marketingabteilung.  Eine perfekt inszenierte Werbeumgebung, klare, sichtbare Zahlen, dank Swipeups auch gleich einen neuen Vertriebskanal. Was könnte besser sein? (Viel, wenn wer mich fragt)

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Werbeplattform werden – das muss man wollen Photo by Bhavana t on Pexels.com

Als BloggerIn muss man sich fragen: will ich dieses Geschäftsmodell? Soll mein Blog eine Werbeplattform werden und ich damit eine Werbetafel? Denn natürlich kommt da viel Druck auf einen zu. Druck, Kooperationen abzuschließen, Druck von den Firmen, geschlossene Kooperationen in ihrem Sinne abzuschließen, Druck von den Lesern…nicht wenige große Blogs haben diesem Druck nicht standgehalten und ihre Arbeit mittlerweile eingestellt. Ich empfehle immer, zumindest noch ein weiteres finanzielles Standbein zu haben.

Wie kann man als Blogger punkten und seinen Wert klar kommunizieren?

Um seinen Wert deutlich zu machen und mit dem Blog Geld zu verdienen, sollte man durchaus mit einer unternehmerischen Denke herangehen. Und sich folgende Fragen stellen:

  • Was macht meinen Blog aus?
  • Was macht mich aus?
  • Welchen Mehrwert kann ich Unternehmen bieten?
  • Wie kann ich mein Blogbusinessmodell erweitern?
  • Wo ist eine Marktlücke, die ich mit meinem Blog schließen kann?

Als Beispiel: Mein Hilgerlicious Blog. Ich möchte dort zeigen, dass Nachhaltigkeit kein Verzicht oder Bürde ist, sondern im Gegenteil das Leben wirklich verbessert.  Der Blog ist so eine tolle Plattform für wertige Manufakturen, Reiseanbieter oder Restaurants und Händler. Auf Koops mit Greenwashing oder mit Zalando und Co muss ich halt verzichten… Wer einen Reiseblog aufmacht, wird sich mit der bereits etablierten Konkurrenz schwertun, aber es gibt vielleicht Lücken? Spezialisieren auf: Reisen Südosteuropa, Reisen in den Norden, Reisen nach Georgien und Usbekistan, Reisen in China – bei Mode sind die Randgebiete der Winner: der Haute Couture Blog, Plus-Size, Mode 50+, 60+, Sneaker etc etc …

Und es gibt viele weitere Vermarktungsmöglichkeiten als nur Blogbeiträge: Biete ich Onlinekurse an? Berate ich Unternehmen? Mache ich einen Shop auf?  Schreibe ich Bücher? Die Möglichkeiten sind da und es liegt an der eigenen Energie, diese Möglichkeiten zu nutzen.

Und immer – genau wie bei einer Jobbewerbung gilt es, die Bedürfnisse der Gegenseite mitzudenken – was braucht der potentielle Kunde – welchen Mehrwert liefere ich? Für Agenturen gilt: es macht Sinn, dem Blogger die Bedürfnisse zu kommunizieren – in welche Richtung soll der Beitrag gehen?  Was kann der Blog? Das muss sorgfältig aufgedröselt werden, dazu braucht es Recherche und Analyse – aber es kann sich lohnen: Denn das beeinflusst, wie viel Geld zu fordern möglich ist. Dazu zu jedem Anschreiben ein Mediakit mit allen greifbaren Zahlen zum Blog – es gibt online dafür viele Vorlagen, einfach googeln. Nicht vergessen: Der Mediakit wird bei einer Kaltakquise immer mitgeschickt.

Welche Unternehmen passen zu mir?

Ist das Thema des Blogs gefunden, ist es notwendig, die Firmen und Agenturen zu finden, mit denen man zusammenarbeiten möchte und die passen. (ich möchte auch gerne eine Handtasche von Hermes, aber das passt halt nicht) Am besten eine Top 20 Liste erstellen, deren Pressebereich durchforsten – was passt von den aktuellen Produkten oder Projekten gerade, dann daran anknüpfen.

  • Auf Pressemitteilungen steht oft der oder die Ansprechpartnerin, sich dort direkt melden. Erlaubt Firmen, euch Pressemitteilungen zu schicken und
  • geht auf Blogger-und PressDays. Dort lernt man sich gleich real kennen, ein unglaublicher Pluspunkt
  • Zudem gibt es sehr nützliche Sammelagenturen, wie Beautypress, fashionpress oder Livingpress – dort unbedingt anmelden!
  • Ihr könnt euch mit eurem Blog eintragen in die Verteiler von Cision oder dpa, da werdet ihr nach euren Themen gefunden

Nehmt euch Zeit für die Akquise und eure Recherchen – ich kenne eine erfolgreiche Bloggerin und Instagrammerin, die jede Woche einen kompletten Tag auf die Akquise aufwendet. Recherche, Anschreiben, Verhandlungen, etc. Das könnt ihr so ernst nehmen wie eine Jobbewerbung.

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Bloggerrelations für eine Messe – auch das kann ein Weg zu Monetarisierung sein 🙂

Gretchenfrage: Was kann ich für einen Blogbeitrag verlangen?

Zu guter Letzt die Frage, die euch allen vermutlich am meisten auf den Nädeln brennt: Was kann ich verlangen? Hier gilt es abzuwägen: wollt ihr unbedingt mit einem Unternehmen oder einer Reisedestination zusammenarbeiten oder übersteigt der Wert der Produkte eine gewisse Richtmarke, arbeiten viele Blogger auch mal umsonst.  Auch, wenn einem ein Artikel Tür und Tor für weitere Kooperationen öffnet. Auch wenn kleine Startups anfragen, arbeiten viele umsonst – wobei ich mit denen meist weitere Kooperationen vereinbare, wenn Investoren einsteigen oder ich biete Beratung in der PR an und werde dann darüber vergütet – da ist viel möglich…

Ansonsten gilt folgender Richtwert:  ca 70 Euro die Stunde, je nach Arbeitszeit zwischen 350 – 700 Euro (Letzteres mit Fotoproduktion). Dazu kommen extra Boni für große Reichweite, Buyouts der Rechte etc. Realistisch sind bei einem guten Blog 500 -1000 Euro pro Beitrag fällig. Warum ihr das wert seid, das müsst ihr den Agenturen und Unternehmen sinnvoll begründen – niemand kauft die Katze im Sack, aber Reichweite allein ist es nicht, was den Wert von Blogartikeln ausmacht – der wirkliche Wert liegt meist woanders (siehe oben).

Wenn ihr weitere Fragen habt, stellt sie mir bitte 🙂

5 Kommentare zu “Bloggen und damit Geld verdienen – die richtige Akquise hilft dabei

  1. Sehr gut geschrieben und wie immer auf den Punkt gebracht! Danke!

  2. Danke für die Tipps Katrin, so ganz schaue ich allerdings nicht durch: wo genau melde ich mich z. B. bei dpa oder livingpress mit meinem Blog an und welche Vorteile habe ich dadurch?

    • katrin hilger

      Simpel. Bei zB Cision stellen sich viele Agenturen ihre Verteiler zusammen, so wird man gefunden. Ich bin so schon auf viele wertvolle Events gekommen – und damit zu Kooperationen – weil mein Blog als Nachhhaltigkeitsblog oder Reiseblog gelistet war. (https://www.cision.de/pr-software/mediendatenbank) Beautypress veranstaltet regelmäßig Events speziell für Blogger. Da kann man sich mit den entsprechenden Marken direkt austauschen. Immer hilfreich. außerdem: du siehst, welche Kampagnen Marken gerade fahren und kannst dich konkret darauf beziehen.

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