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Fair Fashion: Haltung und Stil müssen wieder in Mode kommen

Ich war neulich auf der GREENstyle in München. Die Messe, ins Leben gerufen von der inspirierenden Mirjam Smend, hat mich begeistert, das Angebot an fair hergestellter Mode aus fairen und/oder nachhaltigen Materialien wird immer größer und schöner. Hess Natur, Thokk Thokk (haben eine Boutique in der Barerstrasse – unbedingt vorbeischauen), Me & May oder Fit Buddha aus München, dazu viel Ethno (was ich gerne trage) aus aller Welt und fairer Schmuck. Dennoch muss jedem klar sein: eigentlich ist faire Mode keine Mode im eigentlichen Sinne. Denn diese Bekleidung ist dazu gemacht, anzudauern und jahrelang als geliebte Stücke getragen zu werden – und das ist eigentlich das Gegenteil von Mode. Mode ist: It-Bag, jede Saison neue Styles, Mode ist schnell und arrogant und liebt den Überfluss. Mode ist designt, um morgen schon wieder entsorgt zu werden, Mode ist Fast Fashion vom Discounter.

Die Fast Fashion Hölle – es begann ca 2004

Wenn man Fast Fashion betrachtet, lohnt ein Blick zurück, wie das alles angefangen hat. Es mag verwundern, weil wir gefühlt schon lange konsumieren wie die Irren, aber so alt ist das System der sich permanent erneuernden Mode nicht. Erst 2004/2005 nahm Fast Fashion raketenartig Fahrt auf. Discounter wie H&M gibt es in Deutschland schon länger, aber erst 2004/2005 schossen die Verkäufe nach oben. Es war eine Verkettung unterschiedlichster Umstände – und die Zeit war wohl einfach reif dafür. 1999 eröffnete der erste Zara in Köln, weitere folgten rasch. 2003 eröffnete Mango die ersten Shops in Deutschland. China und andere südostasiatische Länder boten die perfekten Bedingungen für einen nie abreißenden Strom von immer schneller werdenden Trends. Es wurde am Fliessband produziert und am Fliessband verkauft. Auch die deutschen Labels wie Esprit etc machten mit beim sich schneller drehenden Karussell der Mode. Und die Kunden freuten sich und bauten ihre Garderobe aus und aus und aus. Dazu kamen weitere Gegebenheiten, die den Konsum befeuerten: die sozialen Netzwerke begannen Fuß zu fassen, in Amerika entstanden die ersten Modeblogs, die Zeitschriften und Onlineseiten machten mit bei dem Trend – und so entstand der Strudel, der uns heute bis zum Hals reicht. Wir ertrinken in Kleidung – daheim platzen die Schränke, auf der Welt die Müllhalden. Auch wenn das viele ändern wollen, tun die wenigsten etwas. Fair Fashion ist leider noch ein Nischenmarkt. Nur ein Prozent aller Einkäufe im Modebereich sind nachhaltig, aber 70 Prozent der Menschen wollen nachhaltiger leben. Auch das hat Gründe – vorrangig der Preis, der bei fairer Mode höher liegt, zum anderen die Größen – die meisten fairen Label produzieren nur bis 42 und zum dritten hat grüne Mode immer noch das Image, sehr Öko auszusehen, aber das ist natürlich völliger Käse. Deswegen empfehle ich allen auf die GreenStyle Messe zu gehen, und sich unvoreingenommen zu informieren. (Die nächste ist im Frühjahr, hier sind all die Brands der vergangenen Messe, viele haben Onlineshops) Außerdem gibt es den Shoppingguide Buy Good Stuff, einen Labelfinder für Faire Mode.

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Gedruckte Ketten von Rah Rah Studio

Stil und Haltung statt Mode – das ist nachhaltig

Und: Es gibt eine gute Lösung, die tut nicht mal weh, im Gegenteil. Ich will natürlich nicht, dass ihr jetzt denkt, hey, die predigt totale Konsumverweigerung. Tue ich nicht – das wäre völlig verlogen. Aber wenn wir wirklich, wirklich einen Schritt weiter nach vorne machen wollen, dann sollten wir uns alle weitgehend verabschieden von dem, was heute in ist und morgen out – und stattdessen etwas finden, was uns hilft, uns durch den Modedschungel zu dem zu lotsen, was bleibt. Und das ist der eigene Stil, beeinflusst nur von der Lebenssituation und vom Geschmack, nicht von Schnellschüssen, Modediktat und von Billigbilligkrusch, den man nach zweimal Waschen in die Tonne hauen kann. Stil bleibt. Und wenn etwas zum eigenen Stil passt, will man es ganz automatisch behalten, ohne das Gefühl zu haben, man kasteit sich. Statt wild durch die Geschäfte zu surfen, geht der Weg erstmal ganz ruhig und überlegt ins eigene Innere: Für was stehe ich? Was sieht gut aus an mir? Und dann dementsprechend kaufen – und zwar die beste, fairste Qualität, die das Budget zulässt. Schön, langlebig und idealerweise pflegeleicht. Es ist ein bißchen so wie die Methode vom Aufräumen mit Marie Kondo auf den Konsum übertragen: nur das, was man wirklich liebt, kommt in den Einkaufskorb. Ich glaube nicht, dass sich das anfühlt wie ein Verzicht, im Gegenteil. Denn ich glaube nicht daran, dass die Menschen auch im Modebereich Moralprediger brauchen: „Wir müssen es schaffen, das Tragen von Fast Fashion so uncool zu machen wie das Tragen von Pelz.“ Caspar Dohmen, Wirtschaftsautor u.a. SZ – ne, also ne. Das will ich nicht. Außerdem mag ich meine alten Pelze aus den 60ern gern. Das, lieber Herr Dohmen, ist nämlich – mein Stil.

 

2 Kommentare zu “Fair Fashion: Haltung und Stil müssen wieder in Mode kommen

  1. Liebe Katrin,

    der eigene Stil ist ein guter Kompass durch den Modedschungel. Und auch sonst hilft es ungemein, zu wissen wer man ist und wofür man steht. Aber das ist doch der Vorteil von uns ü50ern … wir wissen das, oder?

    Gefällt 1 Person

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